Die multiidentitäre Bewegung

Viele Deutsche haben ja beinahe traditionell ein Problem mit ihrer Identität. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung diagnostizierte bekanntlich im letzten Jahr, dass es eine besondere deutsche Identität gar nicht gäbe. Das macht es aber dem einzelnen Eingeborenen, der nun einmal Deutscher ist, nicht leichter. Wie schöne wäre es da, wenn man die Identität einfach mal wechseln könnte. Mit welcher Leichtigkeit das neue Deutschland mit einer bunten Identitätenvielfalt umgehen kann, zeigt es ja seit einigen Jahren tagtäglich.

Zuwanderer, die sich konsequent von alten Identitätsnachweisen befreien, können sich bei Ankunft hierzulande beinahe problemlos eine neue Identität zulegen. Und um Identitätskrisen zu vermeiden, können es auch gern ein paar mehr sein. Nur zu dumm darf man sich nicht anstellen und sich beim Mehrfachbezug von Sozialleistungen erwischen lassen. Insofern ist zu vermuten, dass es sich bei dieser Meldung um einen der schon anderweitig so berühmten Einzelfälle handelt:

Ein Asylbewerber, der wahrscheinlich aus dem Sudan stammt, muss sich heute vor dem Amtsgericht Nordhorn verantworten. Er soll sich mehrere Identitäten zugelegt haben, um parallel in verschiedenen Orten Unterstützung zu kassieren. Mit dieser Masche hatten sich Hunderte Männer Leistungen erschlichen, als Behörden wegen der großen Zahl von Flüchtlingen 2015 und 2016 stark überlastet waren. Wie weit dieser Sozialbetrug gehen kann, zeigen die Vorwürfe gegen den Angeklagten in Nordhorn: Er soll mithilfe von elf verschiedenen Identitäten insgesamt rund 70.000 Euro erhalten haben, die ihm nicht zustanden.

Die wahre Identität des Mannes ist bis heute nicht bekannt. Grundlage der Anklage sind seine ersten Angaben zur Person.

Das man sich auch vor Gericht für eine von mehreren Identitäten entscheiden kann, ist für die spätere Resozialisierung unbedingt von Vorteil, denn man kann auch nach Strafverbüßung noch auf eine nicht vorbestrafte Identität zurückgreifen. Statt darüber zu nörgeln, was die Asylbewerber so alles treiben, sollten sich die Deutschen lieber der multiidentitären Bewegung anschließen und vergleichbare Entfaltungsmöglichkeiten für sich durchsetzen.

Aber ernsthaft jetzt: Hier zeigen die Zuwanderer doch Kreativität und Flexibilität. Der junge Mann, der sich nach obiger Meldung vor Gericht in eine sudanesische Identität gekleidet hatte, bringt es auf elf verschiedene Namen und Biographien. Anis Amri schaffte sogar 14. Wo liegt eigentlich der Multi-Identitäten-Rekord und wer hält ihn? Über solche Erfolgsgeschichten wird leider oft viel zu zurückhaltend berichtet.

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