Der Pressekodex beim hessischen Kindergeburtstag

Sie wissen ja, dass der Pressekodex des Deutschen Presserats den Journalisten anempfiehlt, die Herkunft von Tätern oder Tatverdächtigen möglichst unerwähnt zu lassen, um den Ruf besonders schützenswerter ethnischer Gruppen nicht böswilligen Vorurteilen auszusetzen. Dass den Berichterstattern dann von manchen Lesern das Verschweigen von Tatsachen vorgeworfen wird, ist höchst ungerecht, denn diese Nicht-Information greift ja zum einem aus einem moralisch wertvollen Grunde und zum anderen nur dann, wenn der Informationsverwalter entscheidet, dieser Fakt wäre zum Verständnis der Story irrelevant.

Soll man sich deshalb nun bevormundet fühlen? Etwa gar Anspruch darauf erheben, dass man sich erwachsen genug fühlt, selbst zu entscheiden, welche Information für einen relevant ist und welche nicht? Ist es nicht undankbar, darauf zu bestehen, dass Berichterstatter Informationen ausgraben, zusammentragen, verbreiten, nicht aber vergessen sollen? Immerhin machen sich die Kollegen in jedem Einzelfall die Mühe, zu entscheiden, wie betreut die Berichterstattung sein muss.

Die WAZ beispielsweise verbreitet diese dpa-Meldung aus Schwalmstadt, wobei wir jetzt nicht genau wissen, ob sich im konkreten Fall nun die Kollegen der Zeitung oder der Agentur um die Informationsbetreuung gekümmert haben:

In Nordhessen ist eine Kindergeburtstagsparty eskaliert: Bei einem Streit zwischen zwei Gruppen wurden Erwachsene und Kinder verletzt.

Eine Kindergeburtstagsfeier in Nordhessen ist in einer Schlägerei geendet. Wie die Polizei am Montag mitteilte, wurden am Samstag mindestens drei Erwachsene und vier Kinder leicht verletzt. Mehrere Betroffene hätten daraufhin die örtliche Polizeistation in Schwalmstadt aufgesucht und Strafanzeige erstattet.

Der Rettungsdienst versorgte die Verletzten. Ursache war ein Streit, der wahrscheinlich unter zwei Gruppen ausgetragen worden sei. Worin die Auseinandersetzung bestand, blieb zunächst unklar.

Heutzutage kommen eben manchmal Gruppen zu Kindergeburtstagen, die neben Topfschlagen auch Faustkämpfe mögen und zwar so lange, bis der Arzt kommen muss. Auch die Partys für die Kleinen verlaufen nun einmal etwas anders als früher, der hessische Kindergeburtstag verändert sich. Wenn Sie jetzt wissen wollen, welche Gruppen nun Kindergeburtstagsgäste rettungsdienstreif prügeln mussten, dann schwingt doch da schon die Unterstellung mit, es könnten keine hessischen Ureinwohner sein, ganz so, als ob die nicht auf einer Party prügeln könnten. Solch bösartige Gedanken darf man doch nicht füttern, oder?

Wer es unbedingt wissen will, der muss in diesem Falle nicht einmal nachfragen, sondern sich nur die ursprüngliche Polizeipressemeldung durchlesen. Auf die haben die WAZ-Kollegen immerhin verlinkt. Hier lautet die gleiche Meldung:

Mehrere verletzte Personen sind das Resultat eines Streits im Rahmen einer Kindergeburtstagsfeier am Samstag in der Lehmkaute. Bei einer Kindergeburtstagsfeier in einem Vereinsheim in der Lehmkaute gerieten mehrere Personen in Streit, welcher in einer größeren Schlägerei mündete. Bei dem Streit wurden mindestens drei Erwachsene und vier Kinder verletzt. Mehrere betroffene Personen suchten später die Polizeistation in Schwalmstadt auf um Strafanzeige zu erstatten. Hierbei mussten verletzte Personen auch durch einen alarmierten Rettungsdienst ärztlich versorgt werden. Die näheren Hintergründe der Auseinandersetzung sind zurzeit nicht bekannt, offensichtlich handelt es sich um eine Auseinandersetzung unter zwei Gruppen bulgarischer Herkunft.

Aber die Bearbeiter von dpa oder WAZ hatten durchaus recht, auf diese Information zu verzichten. Schließlich handelt es sich womöglich um Gruppen mit bulgarischer Staatsbürgerschaft, aber einer anderen ethnischen Herkunft. Diese Frage könnte auch beim Leser auftauchen. Nun hätte man sie der Polizei auch stellen können, aber wozu? Am Ende leidet vielleicht der Ruf einer schützenswerten Gruppe. Darf man das riskieren?

Da ist es sicher besser, die Leser nehmen an, dass hessische Kindergeburtstage jetzt allgemein etwas faustkampfaffiner ausgetragen werden. Wie gut, dass es fachmännisch betreute Berichterstattung gibt.

2 Kommentare

  1. Hans

    Schon „Bulgaren“ ist sehr wahrscheinlich ein Hüllwort, wenn ich das Verhaltensspektrum von bulgarischen Staatsbürgern mit bulgarischem Muttersprachhintergrund mit dem von bulgarischen Staatsbürgern mit Rom-Muttersprachhintergrund vergleiche.

    Man bringt Bulgaren und Rumänen schnell zu Wutausbrüchen, wenn man ihnen solche Meldungen über das gemeldete Verhalten von „Bulgaren“ und „Rumänen“ vorlegt.

    Sagen wir es doch ganz offen: Das Ganze ist Heuchelei, nichts sonst. Wenn die Herkunft von Tätern tatsächlich für die Tat irrelevant ist, finde ich den Presekodex in Ordnung (und so war er ja auch gemeint), aber die alltägliche Albernheit ist es doch, dass man zum Beispiel liest, wie zwei deutsche Großfamilien mit Messern aufeinander losgehen. – Aber OK, das kann auch eine Formulierung, um zu sagen, was man nicht sagen darf.
    Bloß … antten wir das nicht schon mal? Und war das gut?

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  2. Hartwig Huebner

    Durch die >Empfehlung< bestimmte Details wegzulassen, wird der Vor-Verdacht, das Vorurteil, erhärtet. Die Bürger, die sich Sicherheit, Objektivität, Fairneß, Unparteilichkeit, vom Staat wünschen, werden in deren Sorgen bestätigt. Der Deutsche, der deutsche Bürger, wird (dummdreist) belogen und betrogen.

    Wäre an den Vorwürfen nichts dran, bräuchte ein korrupt gewordener Presserat, keine solche Empfehlung.

    Hier wird versucht der Bevölkerung, mit unfairen Spielregeln, etwas aufzuzwingen. Das ist ein Verbrechen und es wird nicht gut enden können. Der Versuch einer solchen Steuerung erfolgt weltweit, über eine menschenverachtende, diktatorische, größenwahnsinnige UN (Möchtegern-Weltregierung), die sich jetzt gegen Trump verschworen hat.

    Dies läßt sich vielfach belegen, ohne jeden Zweifel.

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