Gegenverkehr in der Integrations-Einbahnstraße?

Dass sich Deutschland durch die Massenzuwanderung der letzten Jahre verändert hat, bezweifelt wohl niemand mehr. Die extremen Unterschiede beginnen dort, wo die einen nur Zugewinn erkennen wollen, die anderen aber steigende Gewaltkriminalität und ein Anwachsen der No-Go-Areas in heimischen Ballungsräumen erleben. Die positiv gestimmten Willkommenskultur-Verfechter reden nicht mehr von den Menschen, die wir geschenkt bekommen, die wertvoller als Gold seien oder davon, dass sich in dieser Masse die dringend benötigten Fachkräfte befänden. Aber ein schlagendes Argument haben sie am Ende in jeder Debatte doch noch: Deutschland ist unbürokratischer geworden.

Spätestens mit Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise warfen die Deutschen, bzw. die sie Regierenden, den Gedanken über Bord, dass man sich immer strikt an Recht und Gesetz halten müsse. Um Häuser für die Neuankömmlinge zu bauen, wurden beispielsweise alle hinderlichen Vorschriften im Baurecht beiseite geräumt. Und zum Trost für die Steuerzahler, die diesen Bauboom ungefragt bezahlen dürfen, versprechen die jeweiligen Bauherren oft, dass in die so entstehenden neuen Wohnungen irgendwann auch bedürftige Einheimische einziehen dürfen.

Noch stärker hat Deutschland sich auf den ersten Blick im Pass-, Melde- und Personenstandswesen gewandelt. Eine Ansiedlung ohne jeden Identitätsnachweis ist ebenso möglich, wie die Inanspruchnahme einer oder mehrerer selbstgewählter neuer Identitäten mit Sozialleistungsanspruch. Sollten hierzulande wirklich die Zeiten vorbei sein, als man für jede kleine Leistung des Staates unzählige Dokumente und Urkunden beibringen musste?

Nun, für Zuwanderer, die sich im deutschen Sozialsystem einrichten wollen, ist das so. Doch gegenüber Alteingesessenen hat die deutsche Verwaltung noch nichts von ihrer Gründlichkeit eingebüßt.

In Bochum, so konnte man dieser Tage lesen, wurde einer 74-jährigen Dame, die schon seit Kriegsende in der Stadt lebt – immer registriert vom Einwohnermeldeamt und immer ausgestattet mit allen notwendigen Papieren – die Ausstellung eines neuen Personalausweises verweigert. Der Grund: Sie konnte keine Geburtsurkunde vorlegen. Irgendwann hatte sie eine, doch die ist nicht mehr auffindbar. Und eine neue lässt sich nicht so leicht ausstellen, denn sie wurde in Rummelsburg geboren, also im seit Kriegsende polnischen Teil Pommerns.

Die alte Dame wusste nicht, was sie tun sollte und die Behördenmitarbeiter blieben hart: Ohne Geburtsurkunde kein neuer Personalausweis, auch wenn es einen alten Personalausweis sehr wohl gibt. Das Ganze löste sich auf, weil eine Nichte den Fall in die Presse brachte und nach der Veröffentlichung der Provinzposse lenkte die Verwaltung ein.

Ist das also ein Zeichen, dass sich Deutschland doch gar nicht so grundlegend verändert oder dass sich Deutschland für Deutsche nicht verändert? Oder hat die alte Dame nur die Signale der Beamten  falsch gedeutet? In manchen Kulturen, aus denen wir gerade viel Bereicherung erfahren, ist es üblich, dass Behörden vor dem Untertan ein Problem aufbauen, welches sie im Anschluss nach Entrichtung von etwas Bakschisch zu lösen bereit sind. Vielleicht war das Amt schon auf solche kultursensible Kommunikation eingestellt, nur die Frau aus Hinterpommern wies noch Integrationsdefizite auf? Wir wissen es nicht. Was wir wissen, weil wir es täglich gesagt bekommen, ist, dass Integration keine Einbahnstraße sei. Wenn man das so nach und nach verinnerlicht hat, muss man auch Provinzpossen mal unter diesem Gesichtspunkt betrachten.

3 Kommentare

  1. hmh.

    Bis vor einigen Jahren war ich stolz darauf mehr leisten zu können als der Durchschnitt und auch mehr Steuern zu zahlen als der Durchschnitt, Kurz, ich empfand es als Privileg, daß es meiner Familie und mir so gut ging, daß wir über das notwendige hinaus für unsere Mitmenschen etwas tun können. Inzwischen sehe ich das grundlegend anders. Daß der Vertrag mit diesem Staat aufgekündigt wurde, liegt nicht an uns, ich sehen keinen Grund, mit einem versagenden Staat, der von ungebildeten Schwachköpfen gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung regiert wird, auch nur noch ein Mindestmaß an Solidarität zu leben.

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  2. Thomas

    „Doch gegenüber Alteingesessenen hat die deutsche Verwaltung noch nichts von ihrer Gründlichkeit eingebüßt.“

    Also die Berliner Polizei – das sind die mit den Förmchen siehe hier:
    https://www.bz-berlin.de/data/uploads/2017/12/img_2970_1513286345.png
    – rät bereits Alteingesessenen, dass sie doch auswandern sollen, wenn ihnen die neuen Umstände in „sexy Bärlin“ und in D nicht passen…
    Siehe hier:
    https://www.journalistenwatch.com/wp-content/uploads/2018/02/polizei-auswandern.jpg
    Und nein, das ist keine Fälschung!

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  3. MELIORA SPERO

    Neben diesen Provinzpossen gibt es auch den ganz alltäglichen „Gegenverkehr“.
    Ob Verkehrsregeln, Mülltrennung und -entsorgung, Hundekotentfernung, Lärmschutz/Ruhezeiten und Vieles mehr…
    Es werden inzwischen viele sinnvolle gesellschaftliche Übereinkünfte und Verhaltensregeln aufgekündigt, weil eine Solidarität mit den Gutmensch-Landsleuten nicht mehr empfunden wird. Im Gegenteil, man empfindet eine diebische Freude, wenigstens im Kleinen ein bisschen Rache zu üben für den großen Verrat. Das wird in meiner Umgebung immer öfter ganz ungeniert ausgesprochen.

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