Fake-News aus der Steckdose?

„Sie haben heute Morgen Ihre Bahn verpasst, weil der Radiowecker einige Minuten hinter der offiziellen Zeit liegt? Das dürfte am akuten Energiemangel liegen und Sie haben nun einen guten Grund, sich einen funksynchronisierten Wecker zuzulegen.“

Das lese ich am Freitag auf heise.de und wundere mich. Ich habe diesmal meine Bahn zwar nicht verpasst, die hatte allerdings, wie so oft in letzter Zeit, eine üppige Verspätung. Doch das wird nicht an irgendeinem Radiowecker liegen. Aufmerken lässt mich das Stichwort „Energiemangel“. Den gibt es doch in Deutschland gar nicht, höre und lese ich immer wieder von den Helden der Energiewende. Natürlich weiß jeder denkende Mensch, dass das nur die halbe Wahrheit ist, weil ohne Wind und Sonne der saubere grüne Strom nicht erzeugt werden kann. Speichermöglichkeiten fehlen und so kann man sich vorstellen, dass es in einer windstillen Nacht auch schon mal eng werden kann. Aber dann kommt der Strom eben aus dem nicht so grünen Ausland in unsere saubere Steckdose und zur Sicherheit unterhalten wir doch immer noch konventionelle Kraftwerke, die im Ernstfall schnell Strom ins Netz einspeisen können, oder? Wie kann also passieren, was auf heise.de weiter beschrieben wird oder sind das die berüchtigten Fake-News:

„Viele Radiowecker und stromnetzgespeiste Uhren etwa in Mikrowellenherden nehmen die nominelle Frequenz der Netzspannung von 50 Hertz als Taktgeber. Das ist billiger als zusätzlich einen frequenzstabilen Quarzoszillator einzubauen. Solche Synchronuhren gibt es schon seit der elektromechanischen Ära und bisher hat die Konstanz der Netzfrequenz für eine mittelfristig zuverlässige Zeitanzeige ausgereicht. Das scheint sich zurzeit zu ändern: Laut Leserberichten sind solche Uhren in den vergangenen Tagen immer weiter hinter die über andere Systeme (Langwellenfunk, DCF77 oder Internet, NTP) verbreitete gesetzliche Zeit zurückgefallen.“

Nun meine Uhren sind entweder mechanisch, funkgesteuert und wecken lasse ich mich vom Mobiltelefon, das seine Zeit auch nicht aus dem Stromnetz bekommt. Dennoch interessiert einen ja, warum das so ist. Auch hier liefert heise.de eine schlüssige Erklärung:

„Tatsächlich halten die Produzenten die Frequenz im europäischen Stromnetz im Mittel ziemlich genau bei 50 Hertz. Nur so synchronisiert können Kraftwerke im Verbundnetz den gesamten Energiebedarf überhaupt stemmen. Denn abhängig unter anderem von der Tageszeit schwankt die abgenommene Energie: Wird mehr gefordert als produziert, dann sinkt die Frequenz minimal, vielleicht um ein paar Hundertstel Hertz. Wird die Abweichung zu stark, gleichen die Versorger durch erhöhte Einspeisung aus. Wird später mehr produziert als abgenommen, steigt die Netzfrequenz wieder leicht über den Sollwert.

Netzsynchronisierte Uhren nutzen nun eben diese schwankende Frequenz als Taktgeber. Dass diese Uhren inzwischen mehrere Minuten nachgehen, ist ein Indiz dafür, dass seit Längerem zu wenig sogenannte Regelleistung aus kurzfristig zuschaltbaren Quellen wie etwa Gaskraftwerken ins Netz gespeist wird.“

Nun sind Uhren, die nachgehen zumeist keine Katastrophe und ich hätte diese Meldung wahrscheinlich nicht weiter beachtet, wenn das Fazit, „dass seit Längerem zu wenig sogenannte Regelleistung aus kurzfristig zuschaltbaren Quellen wie etwa Gaskraftwerken ins Netz gespeist wird“, nicht so eine interessante Begleitmusik zu einer anderen Meldung des gleichen Tages geboten hätte. Vormittags konnte man pünktlich zur vollen Stunde in den Nachrichten des Deutschlandfunks folgende Meldung hören:

„Die deutschen Kohlekraftwerke in der sogenannten Sicherheitsreserve sind bisher noch nie aktiviert worden.

Dennoch erhalten die Betreiber dafür in den Jahren 2017 und 2018 voraussichtlich 234 Millionen Euro. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die der „Frankfurter Rundschau“ vorliegt. Das Geld wird von den Übertragungsnetzbetreibern überwiesen. Gezahlt wird es aber von den Stromkunden über die Netzentgelte.

Der Grünen-Abgeordnete Krischer kritisierte das Vorgehen. Die Bundesregierung belohne die Kohlebranche für das Nichtstun, während die erneuerbaren Energien ausgebremst würden.“

Das ist dann doch bemerkenswert: Auf der einen Seite werden die Kraftwerke aus der Sicherheitsreserve nicht aktiviert und auf der anderen Seite sei genau dies unterblieben, obwohl es eigentlich schon nötig gewesen wäre? Aber nicht diesen Umstand kritisiert der grüne Abgeordnete, sondern den Umstand, dass überhaupt Geld gezahlt wird? Vielleicht sollte jemand dem Mitglied des Bundestages, der immerhin über Wohl und Wehe des Gemeinwesens mitzuentscheiden hat, einmal erklären, dass der Erhalt der Betriebsfähigkeit eines Kraftwerks mitnichten mit Nichtstun zu bewerkstelligen ist. Ob die Höhe der gezahlten Beträge unangemessen ist, vermag ich auch nicht zu beurteilen. Aber dass der Erhalt der Betriebsfähigkeit jedweder Technik Aufwand und Arbeit erfordert, das kann ein erwachsener Mann auch aufgrund einfacher Lebenserfahrung wissen.

Es ist zu vermuten, dass nachgehende Radiowecker für den Abgeordneten Krischer kein Problem sind. Wohl aber, wenn Subventionen und Zuwendungen aus Zwangsabgaben nicht mehr grenzenlos fließen. Wenn es hier Begrenzungen gibt, ist das eigentlich kein Ausbremsen. Aber die Maßstäbe sind halt manchmal verschieden.

Geradezu aberwitzig wäre es, wenn jemand die Sicherheitsreserve nun für unnötig hielte, weil sie noch nicht in Anspruch genommen wurde. Mit einem solchen Argument könnte man sich auch so manche Feuerwehr sparen. Hingegen wäre es ein Anlass, vorurteilsfrei und rational über Sinn und Unsinn dieser Art der sogenannten Energiewende nachzudenken. Denn in der Tat wird da viel Geld der Bürger verbrannt. Weniger zum Wohle der Menschen oder der Umwelt, allerdings zur Freude der einschlägigen Subventions-Nutznießer.

1 Kommentar

  1. Emmanuel Precht

    Jo, so ein kalter und dunkler Winter, wenn die Klimaerwärmung mit ihren aufmunternden Zeiten da nicht mitkommt, tatsächlich sogar in Gegenden die im Winter sonst mild sind mit Strom geheizt werden muss, dann machen die Klimaschutz-Technologien Probleme. Aber diesesmal waren es nicht die Russen – die Kossovaren und Serben sind schuld, nicht etwa die Tatsache, dass hier nicht genügend Regelleistung nachgeführt werden kann, bitte ja!
    Wohlan…

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