Verzicht und Verletzungen

EIN BLICK IN DIE TAGESMELDUNGEN:

Ein Flugzeugabsturz, ein Rücktritt, ein Amtsverzicht, die Nachbereitung mysteriöser Anschläge, ein Korruptionsprozess, die zerstörte Zelle eines mutmaßlichen Mörders – all das füllt die Meldungen des Morgens. Gibt es auch etwas Außergewöhnliches? Vielleicht das: Ganz in unserer Nähe wird ein vor drei Jahren abgeschaltetes Atomkraftwerk wieder hochgefahren.

39 Tote bei Absturz von russischem Militärflugzeug in Syrien

Beim Absturz einer russischen Militärtransportmaschine wurden am Dienstag alle 39 Menschen an Bord getötet, meldet u.a. Der Bund.

Das Flugzeug vom Typ Antonow An-26 sei beim Landeanflug auf den Luftwaffenstützpunkt Hamaimim in Syrien abgestürzt, habe das russische Verteidigungsministerium in Moskau mitgeteilt. „Nach Berichten vor Ort gab es keinen Beschuss auf das Flugzeug“, habe es in der Mitteilung russischen Agenturen zufolge geheißen. Die Maschine mit sechs Mann Besatzung und 33 Passagieren an Bord sei 500 Meter vor der Landebahn aufgeschlagen. „Sie sind alle tot“, habe das Ministerium mitgeteilt.

Trumps oberster Wirtschaftsberater tritt zurück

Inmitten der tobenden Debatte über amerikanische Strafzölle auf ausländischen Stahl und Aluminium verlässt der oberste Wirtschaftsberater von Präsident Donald Trump, Gary Cohn, das Weiße Haus, meldet u.a. die FAZ. Es sei ihm eine Ehre gewesen, seinem Land zu dienen, habe es am Dienstag in einer Stellungnahme geheißen. Trump habe Cohn, einem früheren hochrangigen Investmentbanker bei Goldman Sachs, für seine Arbeit gedankt.

Die FAZ weiter: „Der 57 Jahre alte Cohn hatte Trumps nationalistischer Wirtschaftspolitik unter dem Motto „America First“ das Attribut „but not alone“ („aber nicht alleine“) beigefügt. Er war maßgeblich an der jüngst verabschiedeten Steuerreform beteiligt, soll mit Trump aber in fast allen anderen Feldern über Kreuz gelegen haben. Der Rücktritt ist der jüngste in einer zu diesem Zeitpunkt einer Präsidentschaft historisch langen Reihe von Abgängen.

Cohn hatte sich zuletzt bei den Strafzöllen gegen den Präsidenten gestellt. Bis zuletzt soll er versucht haben, die Position der Vereinigten Staaten gegenüber Zöllen für Einfuhren von Stahl und Aluminium aufzuweichen.“

Nordkorea als Drahtzieher des Gift-Mordes an Kims Halbbruder ermittelt

Die US-Regierung hat ihre Schlussfolgerung zu der Ermordung des Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un veröffentlicht und sieht endgültig bestätigt, dass Nordkorea die Ermordung von Kim Jong-nam mit dem Nervengift VX angeordnet habe, meldet u.a. die Welt:

„‚Diese öffentliche Zurschaustellung der Missachtung universeller Regeln gegen die Anwendung von Chemiewaffen zeigt erneut die rücksichtlose Natur Nordkoreas, und dass wir es uns nicht leisten können, ein nordkoreanisches Massenvernichtungsprogramm jeglicher Art zu tolerieren‘, sagte Ministeriumssprecherin Heather Nauert in Washington. US-Ermittler hätten am 22. Februar geschlussfolgert, dass Nordkorea für die Ermordung und den Einsatz von VX verantwortlich sei.“

Der 45-jährige Jong-nam, Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers, ist im Februar vergangenen Jahres am Flughafen von Kuala Lumpur getötet worden. Zwei Frauen hatten Jong-nam das Nervengift VX ins Gesicht gerieben als dieser auf seinen Flug wartete.

Der geheimnisvolle Fall Sergei Skripal

Im Fall des wahrscheinlich vergifteten ehemaligen Doppelagenten Sergei Skripal ermittelt die britische Antiterroreinheit der Polizei, meldet u.a. die Welt. Der 66-jährige Russe und seine Tochter Julia seien am Sonntag bewusstlos auf einer Parkbank vor einem Einkaufszentrum im südenglischen Salisbury aufgefunden worden. Laut Angaben der Polizei sollen sie mit einer derzeit noch unbekannten Substanz in Kontakt gekommen sein. Die beiden befänden sich immer noch in einem kritischen Zustand auf der Intensivstation eines Krankenhauses.

Außer ihnen müssten laut einem Bericht der „Daily Mail“ insgesamt zehn Personen ärztlich behandelt werden, unter ihnen zwei Polizeibeamte, die den ersten Kontakt zu Skripal und seiner Tochter hatten. Moskau dementiert eine Beteiligung und die britische Politik reagiert deutlich, wie die Welt ebenfalls berichtet: „Der britische Außenminister Boris Johnson hat die Verschärfung von Sanktionen gegen Russland und einen Boykott der Fußball-WM in diesem Sommer dort ins Spiel gebracht, falls die Regierung in Moskau hinter der schweren Erkrankung des Ex-Doppelagenten stecken sollte. „Es könnte sehr gut sein, dass wir gezwungen sind, uns das Sanktionsregime und andere Maßnahmen erneut anzusehen, wenn sich der Verdacht bestätigt“, sagte Johnson am Dienstag im britischen Parlament. Es wäre aber falsch, voreilige Schlüsse aus den Ermittlungen zu ziehen. Die Regierung in London werde angemessen und robust reagieren.“

Schweizer Atomkraftwerk an deutscher Grenze wird wieder hochgefahren

Drei Jahre nach der Entdeckung von fast 1000 etwaigen Schwachstellen darf Block 1 des Schweizer Kernkraftwerks Beznau unweit der deutschen Grenze wieder ans Netz, meldet rp-online. Der Betreiber soll demnach detailliert nachgewiesen haben, dass die 2015 entdeckten Materialschäden im Stahl des Reaktordruckbehälters die Sicherheit nicht negativ beeinflussen würden, habe die Nuklearaufsichtsbehörde ENSI am Dienstag mitgeteilt.

Der Betreiber Axpo soll die Anlage nun wieder bis Ende März hochfahren wollen. Die angestrebte Laufzeit sei bis etwa 2030. Beznau 1 ist 1969 ans Netz gegangen und gilt als einer der ältesten kommerziellen Reaktoren der Welt.

Sprecher von Axpo hätten betont, dass der Nachweis der Sicherheit auf umfangreichen und beispiellosen Untersuchungen beruhe. „Es gibt weltweit kein einziges Stück Stahl, das je so detailliert untersucht wurde“, wird ein Axpo-Experte zitiert.

Die fünf Kernkraftwerke der Schweiz dürfen so lange betrieben werden, wie sie sicher sind. Ziel der Energiestrategie 2050 ist allerdings der allmähliche Ausstieg aus der Kernkraft. Laut Axpo sollen liefern die Kernkraftwerke allerdings im Winter die Hälfte der in der Schweiz benötigten Energie liefern.

Lego-Siegeszug endet krachend

Von den überraschend schlechten Zahlen des erfolgsverwöhnten Unternehmens berichtet die Welt„Um stattliche acht Prozent auf nur noch 4,7 Milliarden Euro sind die Erlöse der Skandinavier 2017 eingebrochen, der Überschuss reduzierte sich sogar um mehr als ein Fünftel auf gut eine Milliarde Euro. „Es war in vielerlei Hinsicht ein herausforderndes Jahr, und wir sind nicht zufrieden mit den Ergebnissen“, kommentiert dementsprechend Niels Christiansen, der neue Konzernchef von Lego.

Rechte Gewerkschaft zieht in Daimler-Betriebsrat ein

Bei den Betriebsratswahlen im Daimler-Werk Untertürkheim haben rund 1800 Mitarbeiter für die Gruppe „Zentrum Automobil“ gestimmt, sechs statt zuvor vier Vertreter der als rechtslastig kritisierten Gruppierung sitzen nun im Betriebsrat des Werks, berichtet focus.de

Insgesamt hätten in Untertürkheim 14.000 Mitarbeiter an den Betriebsratswahlen teilgenommen. Die IG Metall soll dort künftig 37 der 47 Betriebsratsmitglieder stellen. Kurz vor der Wahl hatte sich der Betriebsrat in einer ausführlichen Erklärung von den Zentrums-Kollegen distanziert.

Britische Regierung will fettige Pizza und Burger verbieten

Pizza, Burger und Chips müssen künftig in kleineren Portionen verkauft oder kalorienärmer werden, berichtet die Welt„Das haben die Gesundheitsbehörden des Landes verfügt. Bis 2024 muss der Kaloriengehalt von 13 Produktgruppen um 20 Prozent sinken. Unternehmen, die das Ziel verfehlen, sollen bekannt gemacht werden. Später könnten schärfere Gesetzgebung oder Abgaben drohen, haben Beamte schon durchblicken lassen.“

Mazedoniens Premier erklärt sich in Korruptionsprozess für unschuldig

Der mazedonische Ministerpräsident Zoran Zaev hat in einem Korruptionsprozess wegen der Annahme angeblicher Bestechungsgelder in Höhe von mehr als 160.000 Euro auf „nicht schuldig“ plädiert, meldet der Standard„Es werde sich zeigen, dass die Anklage „absurd“ sei, sagte Zaev am Dienstag nach der Anhörung in der Hauptstadt Skopje vor Journalisten. Der Prozess hätte eigentlich bereits 2016 beginnen sollen, wurde aber mehrmals vertagt. Die Staatsanwaltschaft wirft Zaev vor, im Jahr 2013 für die Privatisierung von Land Bestechungsgelder von einem Geschäftsmann in der Stadt Strumica gefordert zu haben. Bevor er Mitte 2017 Ministerpräsident wurde, hatte Zaev dort drei Amtszeiten als Bürgermeister absolviert.“

Tschechien: Kommunist verzichtet auf heikles Amt

Nach Protestkundgebungen in Prag und anderen tschechischen Städten ist am Dienstag der kommunistische Abgeordnete Zdeněk Ondráček als Vorsitzender des Ausschusses zur Kontrolle der Sicherheitskräfte zurückgetreten, meldet der Standard. Seinen Schritt habe er mit Sorge um seine Sicherheit und die seiner Familie begründet.

Die Zeitung weiter: „Ondráčeks Wahl hatte in Tschechien für heftige Kontroversen gesorgt. Nicht nur seine Mitgliedschaft in der weitgehend unreformierten Kommunistischen Partei (KSČM) ist vielen ein Dorn im Auge. Der heutige Abgeordnete hatte es bereits im Wendejahr 1989 zu einiger Berühmtheit gebracht. Als junger Bereitschaftspolizist war er damals an der Niederschlagung einer Demonstration gegen die kommunistische Diktatur beteiligt. In einem Auftritt im Staatsfernsehen stellte er die Kundgebungsteilnehmer danach als gewalttätige Randalierer dar.“

Verletzte im Amtsgericht – Polizei vermutet Giftanschlag

Wegen eines möglichen Giftanschlags sei das Amtsgericht im niedersächsischen Rinteln am Dienstag vollständig geräumt worden. Nach Angaben der Polizei wurden mehrere Menschen durch ein unbekanntes Pulver verletzt, meldet u.a. die Berliner Morgenpost:

„Fünf Betroffene zeigten „klinische Symptome“, sagte ein Sprecher, ohne Einzelheiten zu nennen. 14 weitere Personen wurden vorsorglich medizinisch betreut.

Nach Angaben der Polizei war am Vormittag in der Poststelle des Gerichts ein Brief eingegangen, aus dem nach der Öffnung ein grünliches Pulver rieselte. Mehrere Bedienstete, die direkt oder indirekt mit der Substanz in Kontakt gekommen seien, hätten über Unwohlsein geklagt, sagte der Sprecher.“

Mutmaßlicher Priester-Mörder zerstört seine Zelle

Der 26-Jährige Kameruner, der im Verdacht steht, im Februar den Pfarrer der französischsprachigen katholischen Gemeinde in Charlottenburg, Père Alain-Florent Gandoulou, getötet zu haben, hat in seiner Zelle randaliert und Polizisten verletzt, meldet die Berliner Morgenpost.

Demnach habe der Tatverdächtige, der inzwischen in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht ist, in einer Gewahrsamszelle außergewöhnlich randaliert. Der Kameruner habe Löcher in die Wand geschlagen, eine Heizung beschädigt und Leitungsschächte aufgehackt. Bei dem Versuch, den 26-jährigen Mann wieder zu beruhigen, seien drei Beamte verletzt worden. „Wir sind von dieser enormen Gewaltintensität entsetzt und hoffen, dass das keine nachhaltigen Folgen für unsere drei verletzten Kollegen hat. Ich denke, dass spätestens bei solchen Bildern jeder froh darüber ist, dass es Menschen in dieser Stadt gibt, die andere vor derartigen Gefahren schützen“, zitiert die Zeitung den Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro.

Nordrhein-Westfalen beschließt neunjähriges Gymnasium

Die schwarz-gelbe Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat einen Gesetzentwurf zur Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9) beschlossen, meldet die Zeit. Es soll noch vor den Sommerferien vom Landtag verabschiedet werden. Demnach sollen Schülerinnen und Schüler, die zum Schuljahr 2019/20 mit dem Gymnasium beginnen, ihr Abitur wieder binnen neun Jahren machen. Das bisherige achtjährige Gymnasium (G8) werde im Zuge dieser Reform aber nicht abgeschafft: Auf Wunsch einzelner Gymnasien sollen beide Modelle angeboten werden können.

Alice Weidel trifft sich mit Steve Bannon

Die Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel, hat sich zu einem Gedankenaustausch mit dem früheren Chefstrategen des US-Präsidenten Donald Trump, Steve Bannon, getroffen, meldet die FAZ:  „Aus Weidels Büro hieß es, für sie seien besonders Bannons Erfahrungen mit politischer Kommunikation und alternativen Medien interessant gewesen. Das Treffen fand nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur in einem Züricher Hotel statt. Weidel hatte im Februar angekündigt, ihre Fraktion wolle ihre Kommunikation ab April über einen eigenen „Newsroom“ steuern. Zur Begründung sagte sie in einem Interview, die AfD werde von vielen Medien ignoriert oder mit „Fake News“ schlechtgemacht.“

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