Ahnungslose Mahnwächter an der Eroberer-Moschee?

Wann gibt es in Deutschland eigentlich eine Mahnwache mit Unterstützung des örtlichen Bürgermeisters?

Wenn Messerstecher junge Menschen töten? Wenn Kirchenfenster eingeworfen oder Fassaden christlicher Gotteshäuser beschmiert werden? Oder weil vor Synagogen beziehungsweise jüdischen Einrichtungen permanenter Polizeischutz nötig ist? Nicht unbedingt.

Wird aber eine Moschee mit der Spraydose angegriffen und die Ursache nicht in sunnitisch-schiitischen Spannungen oder türkisch-kurdischen Konflikten liegt, sondern die Täter wahrscheinlich rechtsgerichtete Deutsche waren, gehen die Vertreter der „Zivilgesellschaft“ mit obrigkeitlichem Segen auf die Straße.

Dagegen ist ja auch nichts zu sagen. Trotz aller Einseitigkeit und trotz der Toleranz, die jedem nicht-rechten Vandalismus und jeder nicht-rechten Gewalt allgemein entgegengebracht wird, ist es natürlich nicht falsch, gegen das Beschmieren einer Moschee einzutreten. Es mag auf Bewohner von Ballungsräumen, in denen unbeschmierte Fassaden bereits Seltenheitswert besitzen, vielleicht kurios wirken, aber man kann mit Fug und Recht im Besprühen einer Hauswand einen Angriff sehen und sich dagegen wehren wollen.

In Bremen-Gröpelingen erlitt nun die Fatih-Moschee am ersten Märzwochenende einen „Sprüh-Angriff“ (Radio Bremen) bzw. einen „Farbanschlag“ (Weser-Kurier). Bürgermeister Carsten Sieling verurteilte sofort nach Dienstantritt am Montag diese „feige Tat“. „Die Täter werden ihr Ziel, Unruhe und Zwietracht in unsere Gesellschaft zu säen, auch dieses Mal nicht erreichen“, sagte Sieling dem Weser-Kurier. Seine Solidarität gelte jetzt den Musliminnen und Muslimen und „insbesondere der Fatih-Gemeinde, die sich tagtäglich für ein lebenswertes Gröpelingen“ einsetze.

Ein Fall für die Zivilgesellschaft

Wie gesagt, es ist legitim, das Beschmieren von Hauswänden nicht dulden zu wollen und mit aller Härte dagegen vorzugehen. Doch wenn gleich der Staatsschutz in Stellung gebracht wird, dann muss es sich um schlimme Sprüche handeln, mit denen die Moschee verunstaltet wurde. Oder vielleicht verbotene Symbole, wie Hakenkreuze und SS-Runen?

Auf dem publizierten Foto vom Tatort ist davon nichts zu sehen. Um in „Joker was here“ eine rechtsextreme Äußerung zu erkennen, muss man wahrscheinlich in Codes bewandert sein, die dem Autor dieser Zeilen nicht geläufig sind. „Scheiß Mussel“, was ebenso groß an der Wand steht, ist gewiss recht eindeutig antiislamisch. Das mag den Einsatz des Staatsschutzes legitimieren, denn wahrscheinlich ist der in Bremen nicht durch die Verfolgung schlimmerer staatsgefährdender Taten ausgelastet.

Und natürlich ist dieser Fall einer antiislamischen Entäußerung auch ein Fall für die Menschen, die sich in heutigem Deutsch „Zivilgesellschaft“ nennen. Am Freitag trafen sich einige von ihnen in Solidarität mit den Musliminnen und Muslimen zu einer Mahnwache vor der Fatih-Moschee. Der Weser-Kurier berichtete:

„Anwohner, Politiker und Schüler haben am Freitag eine Mahnwache vor der Fatih-Moschee in Gröpelingen abgehalten. Sie wollten ihre Solidarität mit der muslimischen Gemeinde ausdrücken. In der Nacht zum Sonntag hatten Unbekannte die Außenwände des Gebäudes mit islamfeindlichen Parolen beschmiert. Es war das zweite Mal in sechs Monaten, dass die Moschee zum Ziel von Farbattacken wurde.

„Mensch ist Mensch“, „Schule ohne Rassismus“ war auf dem Transparent zu lesen, das drei Schüler des Schulzentrums Walle vor dem Gebäude hochhielten. „Wir wollen zeigen, dass wir eine Gemeinschaft sind“, sagte die 16-jährige Zoe B[…]. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, betonte auch Ulrike Pala, Leiterin des Ortsamtes Bremen-West.“

Was wollen Muslime mit dem Bau einer „Eroberer-Moschee“ sagen?

Wie hatte Bürgermeister Sieling schon Anfang der Woche so schön gesagt: „Wir dulden in Bremen und Bremerhaven keine Form von Menschenfeindlichkeit.“ Bei aller Solidarität mit der Fatih-Moschee scheint es die Vertreter der „Zivilgesellschaft“ nicht sonderlich zu interessieren, welche Rolle die Menschenfeindlichkeit eigentlich innerhalb der besprühten Mauern spielt. Darf man sich bei aller Solidarität nicht bereits fragen, ob der Name der Moschee vielleicht Programm ist? Fatih bedeutet Eroberer bzw. Sieger. Was wollen Muslime der nichtmuslimischen Umwelt wohl mitteilen, wenn sie in ihrer Mitte eine Eroberer-Moschee errichten?

Gut, vielleicht ist das ja einfach nur ein kulturelles Missverständnis, dem der Autor dieser Zeilen hier erliegt. Also schauen wir, wer die Moschee betreibt: Es ist, ausweislich der Seite der Fatih Moschee Bremen, die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG). Die Vereinigung war jahrzehntelang im Visier deutscher Verfassungsschutzbehörden. Seit sie vor einigen Jahren als Hauptbestandteil des Islamrats von der Bundesregierung in die Deutsche Islamkonferenz eingeladen wurde, hatten einige Verfassungsschutzämter die Beobachtung eingestellt.

Genau weiß wahrscheinlich kein Außenstehender, was in der Eroberermoschee zu Bremen so gepredigt und getan wird. Aber von Geist und Praxis, durch die viele Gläubige in Milli-Görüs-Gemeinden geprägt wurden, vermittelt der Erlebnisbericht von Akif Şahin möglicherweise eine Ahnung. Der Hamburger Islam-Experte, der selbst jahrelang für die IGMG gearbeitet hat, schildert seine Erziehung in der Gemeinschaft 2017 in der Zeit so:

„Wir wurden als Kinder in der Moschee vom Imam mit einem Stock geschlagen. Unsere Eltern haben dies ausdrücklich erlaubt; Knochenbrüche gehörten in der Moschee zur Erziehung dazu; man erzog uns zu Islamisten und Nationalisten. Kritische Distanz zu Parteien gab es damals nicht und gibt es auch heute nicht; wir lernten, Juden und Christen zu hassen. Interreligiöser Dialog wird heute noch weitestgehend verteufelt; wir hörten, dass die Deutschen unsauber seien. Deutsche Freunde waren verpönt. Die Imame lehrten uns, dass wir Allah und die Hölle zu fürchten hätten. Allah zu lieben war kaum ein Thema; ein Imam hatte eine Affäre mit seiner Praktikantin und ließ sie nach einem Jahr wieder fallen; einer Frau wurde vom Imam geraten, die Schläge ihres Ehemannes zu ertragen. Das mache sie zu einer besseren Gläubigen.“

Stellen sich Mahnwächter die Frage nicht, vor welchen Mauern sie wachen, wenn nur das Feindbild stimmt? Hoffentlich, denn schlimmer wäre die Annahme, sie leisten der Ausbreitung solcher Lebenswelten sehenden Auges Vorschub.

3 Kommentare

  1. Karl-Heinz

    Es kommt noch besser: Die Stadt Oer-Erkenschwick will die Genehmigung von Muezzin-Rufen (die vom Verwaltungsgericht Gelsenkirchen kassiert wurde) unbedingt durchsetzen:
    http://www.rp-online.de/nrw/panorama/oer-erkenschwick-muezzin-rufe-ueber-lautsprecher-berufung-aid-1.7450793

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  2. Holger Jahn

    Für diese Mahnwachologen gibt es bereits eine griffige Begriffsbeschreibung: „nützliche Idioten“.

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  3. merhabad

    Die deutschen Gutmenschen, unter anderem gerne unterwegs als Teddybärwerfer und Wellcomefanatiker und jetzt auch noch als wackere Mahnwachler sind zum totlachen.

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