Herkunftslos verwirrt?

Da es immer mehr Messerangriffe in Deutschland gibt und ihre Zahl zufälligerweise deutlich ansteigt, seit massenweise junge Männer aus Weltgegenden willkommen geheißen werden, in denen der Messerkampf noch gelebte Kultur ist, muss in der Berichterstattung besonders sensibel darauf geachtet werden, keinen Generalverdacht zu erzeugen.

Dramatische Szenen haben sich am Freitagmorgen in Hamburg abgespielt. Die Medien berichteten detailliert (gelesen Freitagnachmittag gegen 14 Uhr), wie hier der NDR:

„In Hamburg hat die Polizei am Freitagmorgen einen Mann angeschossen, der mit einem Küchenmesser bewaffnet war. Der 24-Jährige hatte mehrere Fußgänger bedroht. Passanten und Anwohner, die Hilfeschreie gehört hatten, wählten gegen 6.30 Uhr den Polizeinotruf 110. Mit einem Großaufgebot trafen die Beamten am Friedrich-Ebert-Damm ein und stellten den 24-Jährigen. Doch der Mann reagierte nicht auf die Aufforderung der Einsatzkräfte, das Messer niederzulegen – auch nicht auf einen Warnschuss, wie ein Polizeisprecher sagte. Als der 24-Jährige dann „bedrohlich“ auf die Beamten zugegangen sei, habe ein Polizist ihm gezielt ins Bein geschossen. Der Angreifer kam mit einem Steckschuss ins Krankenhaus. Sonst wurde niemand verletzt.

Die Polizei geht nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. Nach ersten Erkenntnissen gibt es Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Mannes. Er war barfuß unterwegs. Der 24-Jährige soll vor den Haftrichter kommen und eventuell auch einem Amtsarzt vorgeführt werden.

Die Mordkommission hat den Tatort vor einer Apotheke untersucht. Das Dezernat Interne Ermittlungen hat ebenfalls seine Arbeit aufgenommen – das ist üblich, wenn Polizeibeamte ihre Schusswaffe abfeuern. Der Friedrich-Ebert-Damm wurde zwischen Stephanstraße und der Straße Am Stadtrand gesperrt. Dadurch kam es zu erheblichen Behinderungen.“

Wir erfahren also von einer psychischen Erkrankung, die den Mann möglicherweise zum Messer greifen ließ. Offenbar gibt es keine Angst vor dem Generalverdacht gegen psychisch Kranke beim NDR. Hingegen gibt es keinen Hinweis auf die Herkunft des messerschwingenden Mannes, hier ist der NDR höchst generalverdachtssensibel.

Wie sieht es denn bei anderen Hamburger Medien aus? Schauen wir doch mal in die Hamburger Morgenpost, auch wenn sich Dopplungen jetzt nicht vermeiden lassen:

Großalarm am Freitagmorgen auf dem Friedrich-Ebert-Damm! Polizisten haben dort einen bewaffneten Mann niedergeschossen. Er ist mit einem Messer durch die Gegend gelaufen und hatte offenbar Passanten bedroht.

Um kurz vor sieben Uhr gingen mehrere Notrufe in der Einsatzzentrale der Polizei ein. Die Anrufer meldeten einen Mann, der auf dem Friedrich-Ebert-Damm mit einem Messer herumfuchtelte und Menschen damit bedrohen würde.

Sofort rückten mehrere Streifenwagen aus. Vor Ort trafen die Beamten einen offenbar verwirrten Mann an, der barfuß und mit einem Messer in der Hand umherlief.

Wie eine Polizeisprecherin bestätigte, hatte der Mann die eingetroffenen Beamten bedroht. Daraufhin sei ein Warnschuss abgegeben worden. Als der Mann darauf nicht reagierte und weiter in bedrohlicher Weise auf die Polizisten zuging, wurde er mit einem gezielten Beinschuss außer Gefecht gesetzt. Nach ersten Erkenntnissen gebe es Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Mannes.

Der Angeschossene wurde dann durch einen Notarzt versorgt und in eine Klinik gebracht. Lebensgefahr bestehe für ihn nicht. Andere Personen kamen nicht zu Schaden. Das Dezernat für interne Ermittlungen hat, wie in Fällen von Schusswaffengebrauch durch einen Polizisten üblich, die weiteren Ermittlungen übernommen.

Der Friedrich-Ebert-Damm musste zur Beweisaufnahme in beide Richtungen voll gesperrt werden. Dadurch kommt es im Berufsverkehr zu erheblichen Behinderungen.

In den letzten Tagen ist es zu mehreren Vorfällen gekommen, bei denen Messer zum Einsatz kamen. Letzte Woche Donnerstag tötete Mourtala M. (33) zwei Menschen am Jungfernstieg, kurz darauf endete ein Streit zwischen zwei Männern am ZOB in einer Messerstecherei. Auch in Bad Segeberg kam es auf dem Parkplatz einer Diskothek zu einer Messerattacke.

Wir erfahren hier auch wieder von einer psychischen Erkrankung, die den Mann vielleicht zum Messer greifen ließ. Offenbar gibt es keine Angst vor dem Generalverdacht gegen psychisch Kranke bei der Hamburger Morgenpost. Hingegen gibt es keinen Hinweis auf die Herkunft des messerschwingenden Mannes, hier ist die Hamburger Morgenpost höchst generalverdachtssensibel. Aber vielleicht wissen es die Kollegen auch nicht. Man kann ja nur berichten, was man auch weiß. Wissen die Journalisten vom Hamburger Abendblatt vielleicht mehr? Auch hier ist das Geschehen beschrieben und es wird auf eine mögliche psychische Erkrankung verwiesen, doch dann heißt es auch:

„Der 24 Jahre alte Angreifer aus Kamerun wurde mit einem Beinschuss in ein Krankenhaus gebracht.“

Das Hamburger Abendblatt hat in diesem Fall also keine Angst vor einem Generalverdacht, sondern berichtet einfach, was geschehen ist. Das war ja in nicht allzu ferner Zeit einmal selbstverständlich, aber heutzutage ist das schon bemerkenswert. Auch der Rückblick auf ähnliche Messerangriffe liest sich anders als bei den Kollegen der Hamburger Morgenpost:

„Der Fall erinnert an einen Zwischenfall am 1. Februar vergangenen Jahres. Ein Mann aus Ghana hatte eine Frau und dann einen Zivilpolizisten in der Nähe des Hauptbahnhofs mit einem Messer bedroht. Als der 33-Jährigen nicht auf Warnungen und Pfefferspray reagierte, schoss ihm der Beamte ins Bein. Das Amtsgericht St. Georg verurteilte den Ghanaer im Juli 2017 wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Körperverletzung und versuchter Nötigung zu einem Jahr Gefängnis.

Zudem hatten erst vergangene Woche zwei Messer-Attacken Hamburg erschüttert. Am Donnerstag hatte der 33 Jahre alte Lampedusa-Flüchtling Mourtala M. am Jungfernstieg seine ehemalige Partnerin Sandra P. (33) und die gemeinsame, ein Jahr alte Tochter erstochen. Tags darauf stach am Zentralen Omnibusbahnhof ein 21-Jähriger auf einen 29 Jahre alten Mann im Streit um zu laute Musik ein.“

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