Welchen Traum brachte Abduqaadir mit?

„Die Bundesanwaltschaft hat am 27. April 2018 vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main Anklage gegen den 20-jährigen somalischen Staatsangehörigen Abduqaadir A. erhoben.“

So beginnt eine Pressemitteilung, die die Generalbundesanwaltschaft ein paar Tage vor Pfingsten ausgesandt hat.

„Der Angeschuldigte ist hinreichend verdächtig, sich als Mitglied an der ausländischen terroristischen Vereinigung „Al-Shabab“ beteiligt zu haben. Zudem wird ihm versuchter Mord sowie Beihilfe zum Mord vorgeworfen (§ 129b Abs. 1, § 129a Abs. 1, § 211, §§ 22, 23, 27 StGB).“

Martin Schulz, der Ex-Präsident des Europäischen Parlaments, gescheiterter Kanzlerkandidat, gescheiterter SPD-Vorsitzender und gescheiterter Beinahe-Außenminister erklärte einst allen Skeptikern der „Willkommenskultur“, dass die „Flüchtlinge“, die da kämen, etwas mitbrächten, das wertvoller sei als Gold, nämlich ihren Traum von Europa. Wie sah wohl Abduqaadirs Traum von Europa aus? Die Anklageschrift verrät das zwar nicht, aber sein Werdegang bis zur Ankunft in Deutschland ist immerhin so gut dokumentiert, dass man sich so seine Gedanken machen kann:

„Im Frühjahr 2012 forderten Mitglieder der ausländischen terroristischen Vereinigung „Al-Shabab“ Abduqaadir A. auf, zukünftig eine bestimmte Moschee in Mogadischu zu besuchen. Der Angeschuldigte kam dieser Aufforderung nach und nahm dort regelmäßig an religiösen Unterweisungen teil. Nach ungefähr drei Wochen brachten ihn Mitglieder der Vereinigung in eines ihrer Ausbildungslager in der Nähe von Mogadischu. Dort schloss sich Abduqaadir A. der Vereinigung an. Um an deren Kampfeinsätzen teilnehmen zu können, begann der Angeschuldigte sodann eine Ausbildung im Umgang mit Pistolen und Handgranaten.

Noch während der Ausbildung unterstützte der Angeschuldigte gemeinsam mit zwei weiteren Mitgliedern seiner Gruppe einen Kämpfer der Vereinigung bei der Ausführung eines Tötungsauftrages. Mit Revolvern bewaffnet begleiteten sie den Attentäter in eine Moschee, wo er sein Opfer mit drei Kopfschüssen tötete.

In der Folgezeit kundschaftete der Angeschuldigte mit seiner Gruppe zur Vorbereitung weiterer Einsätze die örtlichen Verhältnisse in Mogadischu aus. Nach etwa zwei Monaten erteilten Verantwortliche der „Al-Shabab“ dem Angeschuldigten den Auftrag, unter Anleitung eines erfahrenen Al-Shabab-Mitglieds eigenhändig einen Regierungsmitarbeiter zu töten. Dieser ältere Kämpfer der Vereinigung führte Abduqaadir A. sowie zwei Mitglieder seiner Gruppe zu einem Lokal, in dem das Opfer verweilte. Dort schoss der Angeschuldigte mehrfach auf den Mann, verletzte ihn aber nicht tödlich. Da der Anschlag fehlgeschlagen war, wurde Abduqaadir A. von der Terrororganisation inhaftiert. Es gelang ihm jedoch zu fliehen. Kurz darauf, im Oktober 2012, verließ der Angeschuldigte Somalia und reiste über Kenia, Uganda, Sudan und Libyen nach Italien und kam schließlich im Juni 2014 nach Deutschland.“

Welcher Traum ist Gold wert?

Dass Abduqaadir Deutschland ansteuerte, hatte sicher nichts damit zu tun, dass die verlockende sofortige soziale Rundumversorgung mit etwas Taschengeld obendrauf, ihn anzog. Wenn das so wäre, hätten das verantwortliche Politiker ja nach so vielen ähnlichen Fällen bestimmt schon geändert, oder? Das ist schließlich eine vergleichsweise einfach zu beseitigende „Fluchtursache“.

Auch die Leichtigkeit, mit der man hierzulande seine Identität verschleiern kann, war Abduqaadir im fernen Somalia sicher nicht bekannt oder etwa doch? Die Mitteilung des Generalbundesanwalts verrät es nicht und den Angeklagten kann man im Moment dazu nicht befragen. Auch Martin Schulz hatte seinerzeit aus seiner Brüsseler Residenz sicher kaum Kontakt zu Abduqaadir und den Millionen, die nach ihm gekommen sind. Aber er wusste dennoch, dass in diesem Zuwandererstrom ein goldwerter Europagedanke ins Land getragen wird.

Bei Abduqaadir kann man sich nun fragen, ob es der Traum vom neuen Leben war, in dem alle vergeigten Mordversuche der Vergangenheit vergessen und vergeben sind oder ob er die Chance nutzen wollte, sich hier mit der Tötung Ungläubiger bei seinen früheren Auftraggebern zu rehabilitieren. Vielleicht hat er einfach nur von der entspannten Ruhe geträumt, von einem Leben ohne die Sorge um Kost und Logis, mit medizinischer Betreuung und etwas Taschengeld. Das wäre ihm nach den aufregenden Jahren im Prinzip nicht zu verdenken. Doch momentan kann er der Öffentlichkeit darüber keine Auskunft geben. Und eine Frage, die nicht er, sondern Martin Schulz beantworten müsste, bleibt bei allen möglichen Antworten offen: Welcher dieser Träume sollte für uns wertvoller als Gold sein?

Bestimmt habe ich da etwas übersehen. Vielleicht kann mir jemand helfen, der sowohl Martin Schulz als auch Menschen wie Abduqaadir etwas besser versteht als ich. Möglicherweise kann man ja Martin Schulz auch bald wieder direkt danach fragen, denn einige seiner Genossen sähen ihn ja gern als Spitzenkandidat zur Europawahl. Falls Sie sich vor ein paar Tagen gefragt haben, ob das ernst gemeint sei, als diese Meldung in den Nachrichten auftauchte: Der Vorschlag kam vom Berliner Regierenden Bürgermeister Michael Müller. Dessen Landesregierung ist in vielen Bereichen ebenso erfolgreich, wie beim BER und bei solchen Maßstäben geht auch Martin Schulz als Kandidat für ein neues Amt durch. Aber damit hat Abduqaadir nun wirklich nichts zu tun, daran hat er bestimmt in keinem Traum gedacht.

3 Kommentare

  1. Medley

    @Herr Grimm

    Es würde mich wirklich brennend interessieren, wie die Bundesanwaltschaft in Frankfurt an diese äusserst detailierten Informationen aus dem Failed-State Somalia gekommen ist. Amerikanischer oder deutscher Geheimdienst? Geständnis des Angeklagten? Wie ist man überhaupt bei dem Chaos auf den deutschen Behörden zu seiner wahren Identität gelangt, und warum schafft man gleiches nicht genauso bei den hunderttausenden Asylbewerbern, die alle kurz vor der deutschen Grenze ihren Pass weggeworfen haben, zumal die meisten von ihnen wohl überwiegend aus Ländern kommen(bsw. Marocco, Tunesien oder Afghanistan und Pakistan), die im Gegensatz zu Somalia gradezu mustergültig stabil und geordnet sind?

    Zudem: Abduqaadir A. soll heute, im Jahr 2018 angeblich 20 Jahre alt und müsste daher also im Jahr 2012 noch minderjährig, wenn nicht gar strafunmündig(!!!) -da unter 14 Jahre alt- gewesen sein. Wie will man ihn dann überhaupt juristisch korrekt belangen können, zumal es hier, im fernen Deutschland, sicher nicht einfach ist an Zeugenaussagen und forensische Beweismittel zu kommen.

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  2. R. H.

    Dass Abduqaadir Deutschland ansteuerte, hatte sicher nichts damit zu tun, dass die verlockende sofortige soziale Rundumversorgung mit etwas Taschengeld obendrauf, ihn anzog. Wenn das so wäre, hätten das verantwortliche Politiker ja nach so vielen ähnlichen Fällen bestimmt schon geändert, oder? Das ist schließlich eine vergleichsweise einfach zu beseitigende „Fluchtursache“.
    Nein, nein, es ist viel einfacher, vom Riesenland (Ausmaße so ungefähr in der Größe der ehemaligen Sowjetunion) Deutschland mit unendlicher Wirtschaftskraft Afrika, den Orient und am besten die ganze Welt so zu beglücken, daß überall der gleiche Lebensstandard wie bei uns herrscht – wahrscheinlich so ungefähr im Jahre 3031.
    Sie haben natürlich völlig recht, Herr Grimm. Die jetzigen finanziellen Anreize sind DIE Fluchtursache. Und ich frage mich schon lange wie Sie: Warum wird DAS nicht geändert?

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    1. Medley

      Der überaus generöse deutsche Sozialstaat und sein boomender Arbeitsmarkt sind die(!) beiden massgeblichen Fluchtursachen. Gleiches gilt auch für Schweden und Österreich. Nach Polen oder die Sowakei will keiner. Warum wohl?

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