Unter Antidemokraten?

Dass man in der Süddeutschen Zeitung bei nahezu jedem Artikel, der sich mit der AfD beschäftigt, eine gewisse Abneigung herauslesen kann, ist nun wahrlich keine neue und überraschende Erkenntnis. Auch jeder kleine Funktionär dieser Partei dürfte das wissen. Nun ist es das gute Recht einer jeden nicht-öffentlich-rechtlichen Redaktion, einseitig eigene politische Präferenzen zu verbreiten, sogar mit dem propagandistischen Holzhammer, wenn es die Redakteure für richtig halten. Der zahlende Kunde kann mit seiner Kaufentscheidung adäquat reagieren, wenn er das nicht goutiert. Nur wer von Zwangsgebühren lebt, ist theoretisch einer gewissen Ausgewogenheit verpflichtet.

Wer also auf der öffentlichen Bühne steht, muss die medialen Akteure nehmen, wie sie sind. Dass ein notorisches Tendenzblatt nicht ausgewogen berichtet, kann einen ärgern, sollte aber niemanden verwundern. Schon gar nicht kann man deshalb Journalisten bestimmter Zeitungen von öffentlichen Veranstaltungen ausschließen, wenn sie nicht vor Ort die Rolle des Berichterstatters mit der eines Aktivisten verwechseln.

Insofern ist es selbstverständlich für jeden freiheitlich gesinnten Menschen schwer erträglich, wenn Politiker auf einer Pressekonferenz den Vertreter einer Zeitung mit einem Frage-Verbot belegen, weil sie sich von einem seiner Artikel geärgert fühlten. So geschehen kürzlich bei der AfD-Landtagsfraktion in Brandenburg gegenüber einem Kollegen der Bild-Zeitung.

Und jetzt kann man lesen, dass der AfD-Kreisverband Erding der Süddeutschen Zeitung wegen unliebsamer Berichterstattung bei einer Veranstaltung Hausverbot erteilt habe. Das Medienmagazin DWDL.de berichtet:

„Auslöser für das Hausverbot ist ein Artikel, der Anfang Mai in der „SZ“ erschienen ist. Darin berichtete die Zeitung über eine Veranstaltung der Partei in der kleinen Stadt Dorfen, zahlreiche Einwohner der Stadt protestierten im Saal gegen den Auftritt des AfD-Bundestagsabgeordneten Hansjörg Müller. Sie besetzten das Gasthaus, sodass für AfD-Anhänger kein Platz blieb, zwischendurch zückten sie immer wieder rote Karten und zeigten sie dem Redner.

Bei der Erdinger AfD spricht man von „hetzerischer Denunzierung und Diffamierung“. […]

[Kreisvorsitzender Wolfgang] Kellermann sagt außerdem, dass sich die „SZ“ ein Beispiel an dem „Münchner Merkur“ nehmen sollte. Dieser habe objektiv berichtet. Die Antwort vom „Merkur“ kam postwendend: Die entsprechende Lokalausgabe der Zeitung nannte das Hausverbot gegen die Kollegen der „SZ“ „unerträglich und nicht zu akzeptieren“ und solidarisierte sich mit den Kollegen: Man werde keine Veranstaltungen der AfD besuchen und über sie berichten. Der Bayerische Journalistenverband nannte das Vorgehen der Partei „antidemokratisch“.

Nun ist das Verhalten der Merkur-Kollegen so folgerichtig, dass man es auch in der AfD hätte erwarten müssen. Ob die Journalisten-Aussperrung eine Panne war, die Amateuren unterlaufen ist, oder ob man sich bewusst in der Wagenburg einrichten will, weil es die anderen ja auch tun, darüber kann man momentan nur spekulieren.

Bleiben wir bei den Journalisten-Kollegen. Man kann sicher manches AfD-Verhalten gegenüber der Presse als „antidemokratisch“ verurteilen. Das hat allerdings einen äußerst schalen Beigeschmack, wenn diese klare Urteilsbildung an anderen Stellen weitgehend unterbleibt.

Wenn beispielsweise Inhaber von Veranstaltungsräumen mit Gewalt und Gewaltdrohungen daran gehindert werden sollen, der AfD Räume zu vermieten. Wenn mit Blockaden versucht wird, die Partei an der Durchführung von Parteitagen zu hindern, dann sollte das ebenso als „antidemokratisch“ angeprangert und nicht zu legitimem Protest schöngeschrieben werden, nur, weil man sich in der AfD-Gegnerschaft einig ist. Wer den offenen Diskurs über unbequeme Themen und Positionen scheut und so die Wagenburgmentalität nach Kräften fördert, darf sich nicht wundern, wenn sich viele Akteure auch tatsächlich verstärkt in ihre geistigen Wagenburgen zurückziehen. Es ist eine fatale Entwicklung, deshalb liebe Kollegen, die ihr über das „antidemokratische“ Verhalten der AfD klagt: Brecht doch mal aus dieser Spirale aus und wagt selbst mehr Demokratie. Zeigt es mit einem öffentlichen Diskurs, der sich um meist unausgesprochene Sprechverbote nicht schert, und bei dem auch im eigenen Weltanschauungs-Gebäude einmal kräftig durchgelüftet wird.

1 Kommentar

  1. Jan Hus

    Was ist denn das für ein gequirlter Unsinn. Man sieht, es geht den Leuten noch zu gut.

    AfD – richtig so. Laßt Euch nicht beirren! Hausrecht nennt man das. Leute, die nur auf Krawall gebürstet sind, die alles verdrehen, lügen, auslassen können gern draußen bleiben. Nein Danke und auf (nicht) Wiedersehen.

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