Vergessene deutsche Ramadan-Traditionen?

Wer der Überzeugung ist, dass der Islam zu Deutschland gehört, für den muss folgerichtig auch der Ramadan zu Deutschland gehören. Doch hat selbiger es derzeit noch schwer mit dem Einzug ins deutsche Brauchtum. Die meisten Eingeborenen fremdeln gehörig. Sie können sich über Ramadan-Kalender für die Kleinen in deutschen Supermärkten ebenso wenig freuen, wie über die stetig steigende Rücksichtnahme auf islamische Speiseregeln in deutschen Kantinen. Viele wollen gar, wie ihre Vorfahren, unbeschwert von den Vorschriften Allahs und seines Propheten im Fastenmonat essen und trinken, wann und was sie wollen.

Bevor eine derart rückwärtsgewandte Lebenseinstellung auch noch politisch stärker Raum greift, muss man den Fortschrittsunwilligen die neue Welt ein wenig erklären. Und wo kann man besser verstehen lernen, was das neue Deutschland ausmacht, wenn nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Im Deutschlandfunk Kultur hat Eren Güvercin den Gebührenzahlern endlich einmal erklärt, wie sehr der Ramadan zu Deutschland gehört:

„Der Ramadan ist alter deutscher Brauch, der hier schon länger verbreitet ist als das Oktoberfest. Ja, da dürften jetzt einige Zeitgenossen in Bayern die Stirn runzeln. Der Ramadan ist deutscher und mehr beheimatet in diesem unserem Land, als vieles, was inzwischen als deutsche Kultur durchgeht, da kann man schon fast nur noch mit dem Kopf schütteln: Halloween zum Beispiel oder Junggesellenabschiede. Was wohl Goethe, Schiller und Rilke dazu sagen würden?“

Was für eine Aussage! Wenn Goethe, Schiller und Rilke nichts mit Halloween zu tun haben und die Deutschen es trotzdem feiern, dann gehört also auch der Ramadan zum deutschen Brauchtum? Eine etwas verquere Logik, aber jeder baut seine Gedankengebäude halt anders, sagt man sich als liberaler Mensch.

Allerdings hätte ich jetzt doch gern ein paar Daten und Fakten erfahren, welche Verbreitung der Ramadan hierzulande denn vor 1810, also vor dem ersten Oktoberfest, fand. Der Kollege Güvercin ist damit etwas geizig. Wahrscheinlich meint er, dass sich seine Hörer und Leser die Fakten ja selbst im Internet zusammensuchen können, während der Autor des Senders nur für deren richtige Einordnung zuständig ist. Und wer würde eine im Deutschlandfunk gesendete Behauptung anzweifeln wollen?

Also werfen wir einen schnellen Blick in Wikipedia und erfahren immerhin, wann es den mutmaßlich ersten islamischen Gebetsraum gab. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. habe ihn 1731 für muslimische Infanteristen, die er als Geschenk erhielt, am Langen Stall in Potsdam einrichten lassen. Im Jahr 1739 hätte es dann die erste islamische Gemeindegründung auf deutschem Boden gegeben. Allerdings sei diese nicht auf Dauer angelegt gewesen. Weiter heißt es:

„In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wohnten hunderte muslimisch-tatarische Familien innerhalb der preußischen Grenzen. Ihren Kindern zahlte der preußische Staat Kindergeld, die Väter dienten in der preußischen Armee. In den 1790er-Jahren dienten bereits um die 2000 Tataren als Lanzenreiter unter dem Preußenkönig. Im Jahr 1798 verstarb der osmanische Gesandte Ali Aziz Efendi, daraufhin stellte der preußische König Friedrich Wilhelm III. zu seiner Bestattung ein Gelände zur Verfügung. Es folgte noch ein Tausch des Geländes. Dieses neue Gelände bildete den Grundstein des 1866 errichteten und bis heute benutzten Türkischen Friedhofs am Columbiadamm in Berlin-Neukölln.“

Hier bestätigt sich nun leider, was jeder nur etwas Geschichtskundige ahnte: Es gab vor dem ersten Anstich auf der Münchner Theresienwiese schon ein paar Muslime in den deutschen Ländern, doch selbst wenn man davon ausgeht, dass sich von denen durchweg alle an die Ramadan-Regeln gehalten haben, so kann man von einer Verbreitung wohl kaum reden. Schon gar nicht im Vergleich zu Festlichkeiten mit Bierausschank.

Aber auch das ist sicher wieder nur rückwärtsgewandte Kleinkrämerei. Man wird das Geschichtsbild ein wenig an die neue Zeit anpassen dürfen, oder? Und schließlich geht es doch nur darum, dass der Ramadan in Deutschland heimisch wird, wie Güvercin uns mitteilt:

„Der Ramadan mit seiner Spiritualität und Konzentration auf das Wesentliche ist ein wichtiger Teil Deutschlands, auch wenn es vielen nicht bewusst sein mag. Es ist für uns als Deutsche wichtig, über solche Glaubenswelten zu reflektieren, uns damit näher zu beschäftigen, darin einzutauchen. Denn dann würden wir sehr schnell erkennen, dass politisierte und hysterische Debatten über Fragen wie, ob nun der Islam oder die Muslime ein Teil Deutschlands sind, absurd und realitätsfremd sind.“

Also sollten sich nun auch renitente Eingeborene endlich an die Realität gewöhnen, sich am traditionellen deutschen Ramadan erfreuen. Und wenn der Islam und der Ramadan zu Deutschland gehören, dann sollten wir uns auch dazu bekennen, dass die Scharia zu Deutschland gehört. Steinigungen gab es in deutschen Landen zwar so oft nicht, aber dafür schon ganz lange vor dem ersten Oktoberfest. 1066 wurde der Abt Ansverus von Bekehrungsunwilligen auf dem Rinsberg bei Ratzeburg gesteinigt. Eine gewisse Traditionslinie ließe sich auch hier ziehen.

2 Kommentare

  1. F.S.

    Ich hoffe, der Artikel wurde auch als Satire erkannt.

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  2. R. H.

    Wahrscheinlich ist das einfach islamische Zeitrechnung. Wenn man den ganzen Tag nichts trinkt, kann das Gehirn schon einmal ungeahnte Wege beschreiten. Die deutsche Klassik wurde in Mekka erfunden, Jesus stammte von den Philippinen oder aus Afrika, Johann Sebastian Bach war eigentlich Moslem, Goethe auf seinem Diwan sowieso, und die alten Germanen kamen vor 300 Jahren aus dem Orient. Das hat er nicht gesagt? Na, kommt noch!

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