Fehlt Ihnen etwa was?

Es soll einmal Zeiten gegeben haben, in denen Journalisten ihre Aufgabe darin sahen, Informationen zu bekommen, sie zuzuordnen und aufzubereiten, um sie dann den Augen und Ohren ihrer Leser, Hörer oder Zuschauer darzubieten. Diese sollten sich möglichst umfassend informiert fühlen.

Doch seit viele Entscheidungsträger in den meinungsbildenden Gewerken glauben, sie müssten verhindern, dass ihre Kundschaft durch Kenntnis manch unschöner Fakten zu den falschen Überzeugungen gelangen könnte, ist das anders. Bestimmte Fragen werden bekanntlich einfach nicht gestellt. Warum nicht? Die Meinungsbildner haben nach Pressekodex entschieden, dass bestimmte Inhalte einfach nicht relevant seien und den wohlgesinnten Zeitgenossen nicht interessieren würden. Ein kleiner Test gefällig? Fehlt Ihnen in dieser Meldung aus der Welt (aufgerufen am 19. Juni um 11.00 Uhr) etwa irgendwas, um sie verstehen und richtig einordnen zu können?

„Ein Mann ohne gültigen Fahrschein hat bei einer Kontrolle am Freitagnachmittag in der S-Bahn nach Pirna eine Zugbegleiterin angegriffen und verletzt.

Nach heftigem Streit über sein ungültiges E-Ticket versuchte der 26-Jährige, die Frau am Haltepunkt Niedersedlitz mit Gewalt aus dem Zug zu zerren, wie die Bundespolizei am Montag mitteilte.

Die 47-Jährige konnte sich im Waggon festhalten, wurde aber durch die Wucht der Attacke an Oberarm und Hand verletzt. Der Ärmel ihres Uniformhemdes hielt dem nicht stand.

Ein paar Stunden später attackierten Passagiere den Lokführer einer S-Bahn im Dresdner Hauptbahnhof.

Nach Angaben der Bundespolizei hielt der 54-Jährige einen jungen Mann davon ab, gegen eine Gruppe aussteigender Fahrgäste in den Wagen des Zuges zu drängen.

Der 20-Jährige schlug dem Lokführer ins Gesicht, unterstützt von einem 17-Jährigen. Als der Bahn-Mitarbeiter zu Boden stürzte, flüchteten die jungen Männer.

Sie verhielten sich laut Bundespolizei auch gegenüber den Beamten aggressiv, als sie gestellt wurden. „Sie mussten gefesselt werden“, wobei sie die Polizisten weiter beschimpften und beleidigten.“

Wenn Ihnen keine Information fehlt, dann haben die Sachwalter der betreuten Berichterstattung alles richtig gemacht. Es sei denn, es fehlt Ihnen nur deshalb nichts, weil Sie glauben, Sie könnten sich inzwischen das sorgsam Unerwähnte ohnehin zwischen den Zeilen herauslesen. In diesem Falle haben die journalistischen Gouvernanten ihr Ziel gründlich verfehlt, denn dann vermutet man ja immer etwas zwischen den Zeilen, obwohl vielleicht manchmal wirklich nichts da ist.

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