Die richtige Entscheidung zur „Dreckskultur“

 

Wenn man in dieser komplexen Welt Orientierung braucht und wirklich ganz genau wissen will, was gut und was böse ist, dann ist ein Griff zur taz hilfreich. Auch, um zu erfahren, woran das Land wirklich krankt, falls man zu lange Berührung mit Menschen hatte, die in grenzenloser Zuwanderung ein Problem sehen oder falls man vielleicht gerade selbst einem der seltenen unaussprechlichen Einzelfälle ausgesetzt war.

Die taz weiß beispielsweise ganz genau, dass derzeit die Sprachverrohung das gesellschaftliche Klima vergiftet. Wie heißt es so schön in einem Kommentar:

„Auf der Schattenseite der Menschlichkeit lauert die Unmenschlichkeit. Neuerdings nagt sie wie ein Biber am Sprachgerüst. Denn dies ist eine Geschichte des Verlusts, die Worte sollen umgedeutet und um ihre Resonanz gebracht werden, sie sollen nicht mehr schwingen. Jetzt gilt: Ein Opfer, wer Mitmenschlichkeit gut findet.“

Eigentlich unglaublich, dass die taz, die sich sprachlich so hochsensibel an die Seite der Mitmenschlichkeit stellt, Gegenstand einer Beschwerde beim Deutschen Presserat sein konnte. Doch zehn Beschwerdeführer hatten etwas vorgebracht, über das sieben Männer und eine Frau in der Beschwerdesache 0917/17/2-BA befinden mussten. Den Sachverhalt fassten die Redakteure, Journalisten und Vertreter der Zeitungsverleger in klarem Protokolldeutsch so zusammen:

„TAZ Online veröffentlicht am 22.10.2017 unter der Überschrift „Deutsche, schafft euch ab!“ einen Beitrag in der Kolumne Habibitus. In dem Beitrag geht es um die Deutschen und ihr Verhältnis zum Islam. Die Autorin beschreibt Thilo Sarrazin folgendermaßen: „Ein rechter Lauch, der gerne viel Scheiße labert, wenn der Tag lang genug ist“. Die Autorin verwendet für die Deutschen durchgehend den Begriff „Kartoffeln“. Außerdem enthält der Beitrag die folgenden Passagen: „Der deutsche Hass auf Muslim_innen und die Paranoia vor einer – was auch immer das sein soll – Islamisierung der deutschen (wortwörtlich) Dreckskultur hält Kartoffeln davon ab, ein schöneres Leben zu führen“ und „Sarrazin hat auf 464 Seiten Verantwortliche für die Abschaffung Deutschlands gesucht, aber die größte Problemkindergruppe vergessen: die Deutschen selbst. Sie schaffen sich selber ab. Ich hoffe, sie beeilen sich.“

Über den Beitrag beschweren sich zehn Beschwerdeführer. Sie sehen darin Volksverhetzung, Beleidigung und einen Angriff auf die deutsche Gesellschaft. Es handele sich um eine Hassrede. Der Artikel sei von einem enormen Rassismus getragen. Außerdem werde die Person Thilo Sarrazin bewusst geschmäht und verächtlich gemacht.“

Täter-Opfer-Umkehr

Man muss sich eigentlich nicht wegen jeder entgleisten Polemik beim Presserat beschweren, aber „Dreckskultur“ und die Forderung an die Angehörigen eines Volkes sich abzuschaffen, ist natürlich nicht ohne, zumal in einem Blatt, das sich so penibel um politisch-korrekte Sprache kümmert.

Was sagt also nun die taz vor dem Presserat? Sie versteckt sich immerhin nicht hinter formaljuristischen Formeln, stattdessen übermittelt der Justiziar des Hauses eine Stellungnahme der Autorin. Versteht sie, warum sich manche Leser empören? Begreift sie, dass die Angehörigen einer Ethnie den Aufruf, ihr eigenes Volk selbst abzuschaffen, mithin auszulöschen, nicht besonders witzig finden? Erkennt sie an, dass Deutsche, die ihre Kultur bewahrt wissen wollen, so wie Angehörige eines jeden anderen Volkes auch, deshalb noch lange keine Nationalisten oder Rechtsextreme sind? Klärt sie Missverständnisse auf? Als Antwort auf all diese Fragen hier ein paar Auszüge:

„Meine Kolumne stellt […] nicht nur juristisch keine Volksverhetzung dar. Vielmehr stellt es auch eine groteske begriffliche und historische Verdrehung dar, den [Volksverhetzungs-] Paragrafen zum Schutz der Mehrheit anwenden zu wollen. Gerne verweise ich auch auf die Einstellung der Hamburger Staatsanwaltschaft vom 15. Februar 2017, die der Bezeichnung ‚Köterrasse‘ als Bezeichnung für Deutsche weder Volksverhetzung, noch eine Beleidigung entnahm.

Diese Art der Täter-Opfer-Umkehr erinnert an einen klassischen Topos revisionistischer und rechtsextremer Propaganda seit (mindestens) 1945, mit dem alle Zuschriften mehr oder weniger offen hantieren: die Mehrheit soll und muss geschützt werden. […] Rassismus ist jedoch ein Phänomen, welches so unauflöslich mit Machtstrukturen in der Gesellschaft verwoben ist, dass es gegen Deutsche schlichtweg nicht existiert. Ebenso wenig kann – wie in den Mails behauptet – eine Mehrheit („die Deutschen“) diskriminiert werden. […]

Es geht den Beschwerden nicht darum, vermeintliche Diskriminierungen zu enttarnen und zu bekämpfen, sondern mich als – linke, feministische, post-migrantische, queere, also insgesamt aus einer Marginalisierungsperspektive schreibenden – Journalistin in meiner Arbeit zu (be)hindern. Dieser Eingriff in die Pressefreiheit sollte bei weitem mehr Besorgnis erregen als eine polemische Kolumne aus einer linken Tageszeitung.“

Kein Rassismus bei der „Köterrasse“

In der Welt der „linken, feministischen, post-migrantischen, queeren, also insgesamt aus einer Marginalisierungsperspektive schreibenden Journalistin“ kann es keinen Rassismus, keine Menschenverachtung gegen diese „Köterrasse“ geben, solange deren Selbstabschaffungsprozess sie noch nicht zur Minderheit im eigenen Lande gemacht hat. So muss man sie doch verstehen, oder?

Und wie urteilte der Presserat?

„Der Beschwerdeausschuss erkennt in der Berichterstattung keinen Verstoß gegen die Ziffer 9 des Pressekodex. Bei dem Beitrag handelt es sich um ein Meinungsstück. Die Verfasserin äußert ihre Meinung sehr pointiert und überspitzt. Dies ist im Rahmen der Meinungsfreiheit jedoch zulässig. Meinungsfreiheit im Sinne des Grundgesetzes bedeutet auch, Meinungen auszuhalten, die der eigenen Auffassung widersprechen. Eine Ehrverletzung sehen die Ausschussmitglieder nicht.“

Eine richtige Entscheidung! So verletzend diese taz-Kolumne für manche Eingeborene auch gewesen sein mag – die Meinungsfreiheit ist ein viel zu hohes Gut, das man nicht wegen Befindlichkeiten in Frage stellt. Es ist doch zudem richtig und wichtig, wenn die Dinge klar beim Namen genannt werden. Es gibt doch auch deshalb keinen echten Diskurs, weil die Dinge nicht mehr ausgesprochen werden. Störende Fakten wie auch störende und verstörende Meinungen. Es ist doch gut, zu wissen, welcher Hass auf „Köterrasse“ und „Dreckskultur“ unter Migranten und auch Nicht-Migranten vorhanden ist, denen es eben nicht um vielfältiges und buntes Miteinander geht, wie allen gern wohlwollend unterstellt wird. Solche klaren Worte sollten keine Rügen vom Presserat bekommen. Andere klare Worte auch nicht, egal in welche Richtung sie zielen, solange sie nicht strafrechtlich relevant sind, aber dann muss sich eh die Justiz darum kümmern. Es mag zwar manchmal unangenehm sein, aber jede ehrliche Hassrede ist besser als der verlogene, beschönigende Wortnebel aus der betreuten Formulierungswerkstatt. Letzterer nährt nur Illusionen.

1 Kommentar

  1. Fugg Censors

    Illusion von Freiheit
    Für einen Demokraten sind die USA immer noch ein Vorbild. Redefreiheit, Versammlungfreiheit sind oberste Maxime. Unsere Vergangenheit hat uns Gesetze gebracht die nicht ausgewogen sind. Ich erinnere nur an das Hackenkreuz Verbot. Eine extreme Idologie wird verboten, eine andere als modisches Accessoire erlaubt. Ein Kommentar ist „hate speech“, der andere satirische Kritik. Ich finde Beides zum kotzen, aber als Demokrat muss ich es ertragen und auch gegen jedwede Einschränkung der Meinungsfreiheit kämpfen. Danke, guter Text!

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