Presse und Asylrechtsorganisationen helfen

Abschiebungen sind zwar selten, doch wer bis zur Selbstaufgabe alle Tore für jeden weit geöffnet halten und niemals jemanden abweisen oder ihm gar die Tür weisen will, dem ist jede Abschiebung eine zu viel. Aber wie soll man sie verhindern? Alle Antworten auf diese Frage gab kürzlich die taz in einem praktischen Ratgeber. Wenn beispielsweise ein abgelehnter Asylbewerber für den zwangsweisen Heimflug keine Extra-Maschine bekommt, sondern in Begleitung seiner Bewacher in einer normalen Passagiermaschine fliegen muss, empfiehlt die taz, den gleichen Flug zu buchen und sich nach dem Schließen der Türen folgendermaßen zu verhalten:

„Das Ziel ist jetzt, den Start des Flugzeugs zu verhindern. Bleiben Sie stehen! So lange sie sich nicht hinsetzen, darf das Flugzeug nicht losfliegen. Sprechen Sie das Flugpersonal und die anderen Fluggäste an. Erklären Sie, dass Sie so lange stehen bleiben, bis die Person, die abgeschoben werden soll, das Flugzeug verlassen hat. Versuchen Sie, mit der Person zu sprechen und ihr zu erklären, was sie tun.

Wenn möglich, sprechen Sie mit dem Flugkapitän: Er und nicht die Polizei hat im Flugzeug die Hoheitsgewalt. Wenn Sie ihn davon überzeugen können, nicht mit dem Abschiebepassagier an Bord loszufliegen, haben Sie gewonnen. Ihre Chancen stehen dabei nicht schlecht: Rund 300 Abschiebungen aus Deutschland scheiterten im letzten Jahr an der Weigerung des Piloten. Falls möglich, holen Sie sich Öffentlichkeit dazu, per Livestream über soziale Netzwerke. Wenn Ihnen die Live-Übertragung zu viel ist: Filmen Sie, wenn möglich, für später.

Wurde die Abschiebung erfolgreich verhindert, kommt die Person in den meisten Fällen anschließend in Abschiebegewahrsam, und natürlich kann auch eine erneute Abschiebung angeordnet werden. Dennoch ist die Verhinderung in vielen Fällen sinnvoll, denn sie verschafft Zeit – Zeit, in der auf mögliche Abschiebehindernisse hingewiesen werden und eine juristische Auseinandersetzung geführt werden kann.“

Allerdings weist die engagierte Zeitung auch auf Risiken und Nebenwirkungen hin:

„Ihnen selbst können nach der Aktion Strafen drohen. Verschiedene Delikte kommen in Betracht, etwa der Eingriff in den Flugverkehr, Verstoß gegen das Luftsicherheitsgesetz, Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder auch Nötigung. Falls Sie den Piloten überzeugen konnten, stehen ihre Chancen allerdings deutlich besser. In jedem Fall: Holen Sie sich rechtlichen Beistand. Sich an die Presse sowie an Asylrechtsorganisationen zu wenden, ist empfehlenswert.“

Aber nicht nur gegen Luft-Abschiebungen weiß man sich nach der taz-Lektüre zu helfen. Mehr hier: http://www.taz.de/Abschiebungen-verhindern/%215519822/

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