Die Unruhestifter dürfen den Anker lichten

Die Anker-Zentren waren einmal in aller Munde, doch jetzt, da vor ein paar Tagen die ersten eröffnet haben, wissen viele schon gar nicht mehr, wofür das Kürzel „Anker“ eigentlich genau steht. Deshalb hier noch einmal zur Erinnerung: „Zentrum für Ankunft, Entscheidung, Rückführung (AnkER)“. Die Idee dahinter war eigentlich, dass Asylantragsteller bis zum Ende ihres Verfahrens an einem Ort bleiben und von dort im Falle der Anerkennung in die Kommunen verteilt werden und im Falle der Nichtanerkennung die Heimreise antreten. Verlegungen an andere Orte würden diesem Gedanken logischerweise zuwiderlaufen.

Doch mit ein wenig Engagement schafft man es als Asylbewerber, der im Ankerzentrum untergebracht ist, aber nicht dort bleiben will, dennoch, an einen anderen Ort in Deutschland verlegt zu werden. Das kann man diesem Bericht der Bild-Zeitung über eine Razzia im neuen Anker-Zentrum Donauwörth entnehmen:

„Es gab konkrete Hinweise, dass Bewohner aus Gambia gefährliche Gegenstände in ihren Zimmern deponierten. Die Beamten kontrollierten mehrere Stunden die beiden Gemeinschaftsunterkünfte, in denen zirka 600 Personen gemeldet sind – dabei stellten sie einige Küchenmesser sicher. Zudem suchten sie fünf Männer, ‚die in der Unterkunft über längere Zeit für Unruhe gesorgt haben‘, sagte ein Sprecher. Vier von ihnen wurden gefunden und in andere Einrichtungen verlegt.“

Wer für hinreichend Unruhe sorgt, muss also nicht im Ankerzentrum bleiben, sondern darf andere Einrichtungen kennen lernen. Aber wie zeigt man sich als hinreichend kompetenter Unruhestifter, um mit einer Verlegung belohnt zu werden? Da schauen wir doch noch mal mit Bild in die allerjüngste Vergangenheit der Erstaufnahmeeinrichtung Donauwörth, die das jetzige Ankerzentrum noch bis vor Kurzem war:

„In diesem Jahr war es bereits zu zwei großen Polizeieinsätzen im Umfeld der Erstaufnahmeeinrichtung gekommen, die am Mittwoch in ein Ankerzentrum umgewandelt worden war. Bei einer geplanten Abschiebung eines gambischen Staatsangehörigen im März stießen Beamte auf heftigen Widerstand, 30 Menschen wurden festgenommen. Im Februar hatten Bewohner aus Gambia versucht, mit dem ICE auf eigene Faust nach Italien auszureisen – 150 Flüchtlinge versammelten sich am Bahnhof, der Bahnverkehr wurde zeitweise eingestellt.“

 

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