Korrekte Problemgruppe?

Was muss man doch manchmal für verstörende Nachrichten lesen? In der Welt wurde dieser Tage eine Meldung verbreitet, die sich aufs multikulturelle Weltbild, mit all den schönen Vorstellungen stetig bereichernder Zuwanderung von Menschen, die wir geschenkt bekommen und Träume mitbringen, die wertvoller sind als Gold, nachteilig auswirken können:

„Jeder elfte Tatverdächtige in Hamburg ist ein Flüchtling, das ergab eine Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Dennis Gladiator. Die Zahlen beziehen sich auf das erste Halbjahr 2018, in den Werten von 9,1 Prozent steckt wenig Bewegung, der Anteil der Flüchtlinge an den Tatverdächtigen liegt in etwa auf dem Niveau des Jahres 2016, als der Flüchtlingszuzug seinen Höchststand erreichte.

Bereiche, in denen Flüchtlinge vornehmlich mit Taten in Verbindung gebracht werden, sind Ladendiebstahl, einfache Körperverletzung, Erschleichen von Leistungen und Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Besonders fallen Menschen auf, die in Hamburg nur noch geduldet sind – ihr Asylantrag ist also abgelehnt, aber sie können aus unterschiedlichen Gründen nicht abgeschoben werden oder ausreisen.“

Aha! Und welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus ziehen? Bevor der Leser damit selbst beginnt und auf falsche Pfade abdriftet, folgt ein Warnhinweis:

„Die Zahlen sind nur mit Einschränkungen interpretierbar.“

Es gibt ein paar interessante Fragen

Da ist es gut, wenn der Leser jetzt Erklärungen bekommt. Beispielsweise, wer denn nun genau mit „Flüchtlingen“ gemeint ist. Sind es wirklich nur die Flüchtlinge, die nach der Genfer Konvention Bleiberecht genießen? Dann wäre die Zahl erschreckend hoch. Aber es sind vielleicht auch alle Flüchtlinge und anerkannten Asylbewerber. Dann wäre die Zahl immer noch sehr hoch. Doch halt, in der Meldung heißt es ja: „Besonders fallen Menschen auf, die in Hamburg nur noch geduldet sind – ihr Asylantrag ist also abgelehnt, aber sie können aus unterschiedlichen Gründen nicht abgeschoben werden oder ausreisen.“ Demnach sind mit „Flüchtlingen“ also auch Menschen gemeint, die zwar einen Asylantrag gestellt haben, in deren Fällen aber deutsche Behörden und Gerichte festgestellt haben, dass sie gerade keine Flüchtlinge sind? Also geht es um alle Menschen, die einmal einen Asylantrag gestellt haben, unabhängig davon, wie dieser ausgegangen ist? Sind vielleicht auch Heranwachsende, deren Status noch von denen der Eltern abhängig ist, mit vertreten?

Keine Frage, die 9,1 Prozent wären immer noch ein hoher Anteil, dennoch würde es helfen, die Zahl durch eine differenziertere Beschreibung der Problemgruppe genauer eingeordnet zu bekommen. Hat der Kollege Berichterstatter das nicht gerade anmoderiert?

Vielleicht beantwortet er auch noch die Frage, aus welchen Herkunftsländern und Kulturkreisen die meisten der kriminellen Asylbewerber stammen. Vielleicht sind es ja größtenteils aramäische Christen und das Bild vom arabischen, afrikanischen oder afghanischen Moslem entsteht vollkommen zu Unrecht im Kopf vieler Leser.

Und dann wäre es gut, diese Zahlen zu vergleichen, beispielsweise mit den Anteilen anderer Problemgruppen unter den restlichen 90,9 Prozent der Tatverdächtigen. Gibt es da auch signifikante Auffälligkeiten hinsichtlich Herkunft und Prägung aus bestimmten importierten Kulturkreisen? Gibt es beispielsweise Vernetzungen mit arabischen oder anderen kriminellen Clans, die schon etwas länger hier leben? Oder vielleicht gibt es ja auch bislang nie beachtete Vernetzungen mit der biodeutschen organisierten Kriminalität?

Ansätze zum Differenzieren?

So viele Ansätze wären da, um mit differenzierter Betrachtung und detaillierteren ergänzenden Informationen aus der einen Zahl, die jetzt noch „nur mit Einschränkungen interpretierbar“ ist, tatsächlich Schlussfolgerungen zu ziehen. Doch im modernen betreuenden Journalismus geht es nicht mehr um trennscharfe Recherche, sondern um die Definition einer großen pauschalen „Problemgruppe“, hinter der sich die wirklichen Probleme scheinbar verstecken lassen:

„Die Gruppe von Asylbewerbern, die in der Stadt leben, unterscheidet sich in puncto Alter und Geschlecht von der Hamburger Wohnbevölkerung, das erschwert einen Vergleich. Unter den Flüchtlingen sind überproportional viele junge Männer, eine Problemgruppe also, die in jeder Bevölkerungsgruppe das größte Risiko hat, Straftaten zu begehen – unabhängig von der Nationalität.“

So einfach ist das! Junge Männer sind das Problem! Es sind doch meist junge Männer, die in den letzten Jahren mit immer mehr Massenschlägereien und Messerstechereien auffallen. Auch mit der noch recht neuen Kultur des Antanzens, egal ob es dabei um Diebstahl, Vergewaltigung oder beides geht, wird fast ausschließlich von jungen Männern ausgeübt. Junge Männer vergewaltigen, morden, binden sich Sprengstoffgürtel um – immer sind es junge Männer. Da müsste sich die Bundesregierung doch dringend einmal des Jungmännerproblems annehmen.

Ach, hören wir vielleicht jetzt mit dem Versuch auf, die Wegweisungen des betreuenden Journalismus logisch zu Ende denken zu wollen und hoffen darauf, dass die Profis in dem Gewerbe wieder mehr Raum bekommen, nämlich die, die einfach alle sich aufdrängenden Fragen, ohne die Angst vor den Antworten, stellen, die noch differenzieren und recherchieren können und sich nicht an den bunten Sprachnebeln der Pauschalisierer berauschen. Die anderen, die vielen Berichterstattungs-Gouvernanten, sind inzwischen eine wirkliche Problemgruppe. Wer könnte sich um deren Resozialisierung kümmern?

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