Die subventionierte Kunst des Nazi-Vergleichs

Nazi-Vergleich ist, wie wir wissen, nicht gleich Nazi-Vergleich. Es gibt gute und böse Nazi-Vergleiche. Die guten dienen bekanntlich dazu, Nazis zu entlarven und insbesondere solche, die lautstark dementieren, welche zu sein, als die Parias auf dem Weltanschauungsmarkt zu brandmarken.

Nun ist es natürlich allen denkenden Menschen hierzulande klar, dass es nach all den Verbrechen und Verheerungen, derer sich die Nationalsozialisten schuldig gemacht haben, keine schlimmere Beleidigung für einen Politiker geben kann, als ihn zum Nazi zu erklären. Schlimme Beleidigungen aber sind in Deutschland strafbewehrt, weshalb ein Nazi-Vergleich auch immer ein gewisses Risiko birgt, dafür selbst geächtet oder gar bestraft zu werden.

Der türkische Machthaber Erdogan beispielsweise hat Deutschland zwischenzeitlich häufig mit Nazi-Vergleichen überzogen. Meist war er tödlich beleidigt, dass es für ihn und seine türkischen Landeskinder in Deutschland zu wenige Privilegien gibt. Doch die Nazi-Vergleiche aus Ankara kamen gar nicht gut an und trugen nicht gerade zu seiner Beliebtheit unter Deutschlands Nicht-Türken bei.

Auch die Niederländer waren nicht amüsiert, als ihnen vom Herrscher in Ankara Nazi-Methoden vorgeworfen wurden, weil sie den Türken einfach nicht gestatten wollten, ihren Wahlkampf in Holland wie in einer türkischen Kolonie auszutragen.

Heimische Nazi-Vergleiche können einen auch vor Gericht bringen. Sogar wenn man einen bösen, bösen AfD-Abgeordneten einen Nazi nennt, kann ein Gericht – wie einst in einem Fall in Potsdam – eine Geldstrafe von 800 Euro verhängen.

Nun wird vielleicht der eine oder andere Leser ungläubig einwenden, dass es doch so viele AfD-Nazi-Vergleiche gebe, die vollkommen ungestraft geblieben sind. Gerichte werden wegen Beleidigung nur tätig, wenn ein Beleidigter die Justiz bemüht. Das ist oft nicht der Fall. Doch außerdem gibt es die Kunst der engagierten Nazi-Vergleiche, die insbesondere manche Künstler beherrschen, in der eine Klage eines Beleidigten nur als Bestätigung gilt, wie wichtig es ist, eine mit Fördermitteln unterstützte „Haltung“ zu zeigen. Viel Feind, viel Ehr.

Im Haltungszeigewettbewerb und in der Nazivergleichskunst wollte das Theater in Paderborn auch seine Kompetenzen zeigen und erfreute den Theaterbesucher mit einer interessanten Grafik im Programmheft. Man sieht darauf einen stilisierten roten Totenschädel. In den weißen Kreisen an der Stelle der Augenlöcher prangt links ein Hakenkreuz und rechts das AfD-Logo.

Dort, wo im Totenschädel das Gebiss zu sehen ist, bietet das engagierte Theater zwei Balkengrafiken. Die eine vergleicht die AfD-Wahlergebnisse von 2013 mit denen von 2017, die andere die NSDAP-Wahlergebnisse von 1928 mit denen von 1932.

Links neben diesen Balkengrafiken steht „681 antisemitische Straftaten wurden im ersten Halbjahr 2017 in Deutschland erfasst“ und rechts als komplementäre Zahl „ca. 6.000.000 Menschen wurden während des Holocaust ermordet“. Vergessen wir einmal, dass diese 681 antisemitischen Straftaten wahrscheinlich weniger von der AfD-Gefolgschaft, als von den Anhängern Allahs und seines Propheten verübt worden sind. Diese insinuierte Verbindung der AfD mit einem der größten Verbrechen der Geschichte ist, ganz unabhängig davon, ob sich nun jemand beleidigt fühlt oder nicht, eine unglaubliche Verharmlosung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Der Holocaust wird vom Paderborner Theater zu einem Statisten in einem absurden Stück gemacht. Dass auch die AfD ihre Rolle so spielt, wie von der Theaterregie wahrscheinlich erhofft, macht die Sache nicht besser. Eine Beleidigungsklage oder Strafanzeige wegen Verleumdung hat dem Paderborner Kreisverband nicht gereicht, es musste auch gleich eine wegen Volksverhetzung sein. So zumindest vermeldete es die Neue Westfälische. Die Zeitung berichtete dann weiter von der treudoofen Reaktion der Theaterdirektorin auf die Klage:

Theaterchefin Katharina Kreuzhage habe über den Theater-Anwalt nach Rücksprache mit Paderborns Rechts- und Kulturdezernenten Carsten Venherm mitteilen lassen, „dass sie die AfD-Deutung der Grafik nicht teile. Es würden lediglich Wahlergebnisse und Zahlen gezeigt. „Daraus kann jeder seine Schlüsse ziehen.“

Einem möglichen Verfahren sieht Kreuzhage gelassen und mit großem Interesse entgegen. Sie möchte die Darstellung von AfD-Ergebnissen in einem kreativen Zusammenhang gerne von einem Gericht untersuchen lassen. „Es geht hier um die Freiheit der Kunst“, sagt die Theaterchefin. „Ich kann es mir schwerlich vorstellen, dass aus der Grafik der Vorwurf der Volksverhetzung abgeleitet werden kann.“

Es sind alles einfach nur ein paar Zahlen, garniert mit einem Hakenkreuz und künstlerisch umgesetzt. Finanziert aus dem Kulturetat, also vom Steuerzahler. Und natürlich stellen sich nach der AfD-Strafanzeige alle Wohlmeinenden aus Paderborn hinter das Theater und seine Chefin. Welche Geschichtsbildverwerfungen hier mit solch billiger Instrumentalisierung des Holocaust in Kauf genommen werden, scheint denen egal zu sein, die sich in ihrer subventionierten Welt bei jedem Statement gegen die AfD fast schon wie Widerstandskämpfer fühlen.

1 Kommentar

  1. jonas

    “ Hetze „, ein beliebter Kampfbegriff der Linken, war im Dritten Reich und in der DDR ein Begriff gegen Kritiker, der zum Tode führen konnte. Freisler und Benjamin benutzten ih.
    Jetzt benutzen Linke den gleichen Begriff für ihre Gegner wie Freisler und Benjamin!

    Ach ja, beide Diktaturen gingen unter.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.