Genossin Gaschkes großer Generalverdacht

Diese Rechten kommen ja immer mit einem Generalverdacht. Kaum mehren sich die Angriffe mit Messern oder die sexuellen Übergriffe, bei denen Täter, die erst in den letzten Jahren zu uns kamen, deutlich überrepräsentiert sind, so argwöhnen die Willkommenskultur-Kritiker, dass dies etwas mit der unkontrollierten Zuwanderung zu tun habe.

Sobald jemand plant oder versucht unter Allahu-akbar-Rufen mit Sprengmitteln, Schusswaffen, Macheten, Messern oder Kraftfahrzeugen „Ungläubige“ zu beseitigen, folgen islamophobe und islamfeindliche Schlussfolgerungen. Überall lauert dieser böse Generalverdacht, der sich auch noch gegen Gruppen richtet, die die Wohlmeinenden dieses Landes, ganz im Einklang mit Regierung und Kirchen, also mit dem Segen von Thron und Altar, pauschal für besonders schützenswert erklärt haben. Obwohl diese Generalverdachtsfreiheit für bestimmte Gruppen viel mächtiger in Politik und Medien vertreten wird, wächst – befeuert durch ungute Nachrichten – der ungute Generalverdacht trotzdem.

Wenn alle guten Worte, Beschwichtigungen nicht helfen und auch der letzte Nazi-Vergleich überstrapaziert worden ist, dann hilft vielleicht eigener, viel größerer Generalverdacht. Ein Generalverdacht des Guten, der den schlechten Generalverdacht auslöscht.

Solcherlei liegt im politischen Trend. Sahra Wagenknecht beispielsweise will den Rechtspopulismus mit mehr Linkspopulismus bekämpfen und die Genossen Steinmeier und Maas empfehlen gern Linksextremisten für den Kampf gegen rechts. Warum nicht auch einen neuen, wenigstens bei der Hälfte der Menschheit populären Generalverdacht kultivieren?

Susanne Gaschke, einst SPD-Oberbürgermeisterin von Flensburg, die leider wegen eines eiligen und unabgesprochenen Steuerentlastungsbescheides in Millionenhöhe für einen Unternehmer zurücktreten musste, hat die Leser der Welt wissen lassen, wie dieser neue Generalverdacht aussieht. Sie weiß, wer an allen Übeln der modernen Welt schuld ist, auch an denen, die – dummerweise meist mit Fakten unterlegt – in Verbindung mit Zuwanderung aus islamischen Ländern und der Islamideologie gebracht werden können. Mit Gaschkes Generalverdacht kann man diese störenden Zusammenhänge getrost ignorieren:

„60 Jahre Feminismus haben zu wenig geändert. Unser Land wird gerade durch Hass, Gewalt und mangelnde Komplexitätstoleranz der Männer zerstört – ob deutsche oder ausländische. Ihr zerstörerischer Mangel an Selbstbeherrschung muss bekämpft werden.“

Also die „mangelnde Komplexitätstoleranz der Männer“ zerstört alles? Hilft da vielleicht nur eine hundertprozentige Frauenquote? Oder sollte das Männerwahlrecht auf den Prüfstand gestellt werden? Immerhin klingen ihre Argumente einleuchtend, wenn auch ein wenig populistisch:

„Nur ganz selten erstechen Frauen nachts um drei Uhr auf Volksfesten andere Leute. Ganz selten organisieren sie Nazi-Aufmärsche oder werfen Steine und Flaschen auf Polizisten. Sie schreiben selten nach Mitternacht verbitterte E-Mails an Gott und die Welt. Sie versuchen auch nur selten, Männer, die sich nicht wehren können, weil sie um ihre Karriere fürchten, in Hotelzimmern zum Sex zu zwingen. Und ebenso wenig nötigen Frauen Männer und kleine Jungen, sich von Kopf bis Fuß zu verhüllen, damit deren Anblick keine unzüchtigen Gedanken bei der weiblichen Population erregt.“

Wer jetzt fordern würde, dass man vielleicht etwas mehr differenzieren sollte und dass doch nicht alle Männer so seien, sondern nur bestimmte, der eröffnete ja den Rechten sofort wieder eine Chance, mit ihrem kleineren Generalverdacht gegen muslimische Zuwanderer und den Islam zu kommen.

Leider sind scheinbar alle Verantwortungsträger in Politik und Medien auf Pauschalisierungskurs. Sonst könnten sie vielleicht erkennen, dass eher weiteres Differenzieren und deutliches Unterscheiden hilft. Bei Zuwanderern beispielsweise haben wir schon fast vergessen, dass es nicht alles „Flüchtlinge“ oder gar „Schutzsuchende“ sind, sondern dass man sehr wohl zwischen Verfolgten und Verfolgern, zwischen Verdienstvollen und Verbrechern, zwischen Freiheitssuchern und Ideologen, zwischen Gläubigen und Gotteskriegern, zwischen Bildungshungrigen und Glücksrittern etc., etc. unterscheiden kann.

Aber der herrschende Kurs ist ein anderer. Weiteres Pauschalisieren um jeden Preis, denn das hilft beim gezielten Nicht-Erkennen von Problemen. Und es gibt ja Probleme, deren Anerkennung mit einem Eingeständnis des einen oder anderen Fehlers einhergehen müsste. Das kann man nun wirklich von unseren Eliten nicht verlangen. Warum auch bei solch innovativen Denkerinnen? Es ist so leicht: Ein ganz großer Generalverdacht schlägt alle kleineren Generalverdächtigungen. Mit Genossin Gaschke ist der gesellschaftliche Fortschritt bestimmt wieder ein Stück vorangekommen.

1 Kommentar

  1. dentix07

    Nun ja, nachdem was die allwissende Müllhalde zu Gaschkes Steuerentlastungsbescheid enthält, scheint Sie da eine pragmatische Lösung versucht zu haben um wengstens den Großteil der Steuerforderung eintreiben zu können. Das dies rechtlich so nicht haltbar war (wobei der Rat durch Verzicht auf das Rückholrecht letztlich hinter Ihr stand) ist eine andere Geschichte. Und, was man Ihr zugute halten muß, Sie hat sich für den Fehler entschuldigt und ist zurückgetreten. Woran andere, die wesentlich größeren Schaden anrichteten, anscheinend noch nicht mal im Traum denken!
    Ansonsten Quatsch mit Soße!

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.