Vorstoß und Verspätung

EIN BLICK IN DIE MORGENMELDUNGEN:

Die Unruhen im irakischen Basra halten an, dort brannte das iranische Konsulat. In Afghanistan starben offenbar Zivilisten bei einer Kommandoaktion, die eigentlich den Taliban galt und bei einem Angriff von Palästinensern auf die israelische Grenze in Gaza ist ein Mann erschossen worden. Die USA verlegen Soldaten nach Deutschland, aus Chemnitz wird jetzt erst ein zwei Wochen alter Nazi-Angriff auf ein jüdisches Restaurant gemeldet und die Verspätungen deutscher Fernzüge erreichen einen Höchstwert.

Demonstranten in Basra zündeten iranisches Konsulat an

Demonstranten in der irakischen Stadt Basra haben das iranische Konsulat angegriffen und in Brand gesetzt, meldet orf.at. Irakische Sicherheitskräfte hätten geschossen, um die Proteste aufzulösen.

Seit Wochen kommt es im schiitisch dominierten Basra zu Protesten. Die Demonstranten fordern Arbeitsplätze, sauberes Trinkwasser und eine sichere Stromversorgung. Am Donnerstag seien bereits andere Gebäude wie das der Provinzregierung in Brand gesteckt worden. Seit vergangenem Wochenende sollen bei Unruhen mindestens neun Menschen ums Leben gekommen sein.

Heute wolle das Parlament in einer außerordentlichen Sitzung über die Forderungen der Demonstranten sowie die Gewalt debattieren, die seit Beginn des Monats immer wieder aufflamme. Die Sitzung finde statt, obwohl das Parlament gespalten ist: Zwei Lager würden jeweils behaupten, den größeren parlamentarischen Block zu bilden und daher den neuen Premierminister benennen zu dürfen.

Tote Zivilisten nach Kommandoaktion in Afghanistan

Bei einer Kommandoaktion in Ostafghanistan sind nach Angaben von Behördenvertretern mehrere Zivilisten getötet und verletzt worden, meldet telebasel.ch.

Mindestens zwölf Menschen seien in der Nacht zum Freitag im Bezirk Badpasch der östlichen Provinz Laghman ums Leben gekommen, habe ein Sprecher des Gouverneurs von Laghman, Sarhadi Swak, gesagt. Mindestens vier weitere Menschen seien verwundet worden. Es habe sich um einen gemeinsamen Einsatz von afghanischen und US-Spezialkräften gehandelt. Ziel seien eigentlich Taliban gewesen.

Fotos in sozialen Medien hätten Bilder von den getöteten, zumeist Männern in hohem Alter gezeigt. Die Authentizität der Bilder habe nicht überprüft werden können.

Die Zahl der bei Konflikten in Afghanistan getöteten Zivilisten habe im ersten Halbjahr 2018 den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2009 erreicht.

Palästinenser bei Zusammenstößen an der Gaza-Grenze getötet

Bei einem Angriff auf die israelische Grenze ist nach palästinensischen Angaben ein Jugendlicher von israelischen Soldaten erschossen worden, meldet der Standard. Der 17-Jährige sei in die Brust getroffen worden, habe das Gesundheitsministerium in Gaza mitgeteilt.

Nach Angaben der israelischen Armee seien rund 7.000 Palästinenser an verschiedenen Punkten zur Grenze marschiert. Sie hätten brennende Reifen in Richtung israelischer Soldaten gerollt sowie Brandbomben und Steine geworfen, habe eine Sprecherin gesagt.

Scheitert der Serbien-Kosovo-Dialog in Brüssel?

Die Gespräche über eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo in Brüssel sind am Freitag mit einem Eklat geendet, berichtet orf.at. Serbiens Präsident Aleksander Vucic habe ein Treffen mit seinem kosovarischen Amtskollegen Hashim Thaci verweigert. Die EU plane nun eine weitere Verhandlungsrunde.

Hintergrund sei ein für das Wochenende geplanter Kosovo-Besuch Vucics. Dabei wolle er auch an den Gazivodasee fahren, den beide Seiten als strategisch wichtig erachten.

Der kosovarische Außenminister Behgjet Pacolli habe Vucic vor Konsequenzen gewarnt, sollte er an dem Plan festhalten.

Thaci und Vucic seien am Freitag in Brüssel einzeln zu Gesprächen mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini zusammengetroffen. Noch während der Sitzung habe der Chef des serbischen Regierungsbüros für das Kosovo, Marko Djuric, mitgeteilt, dass der serbische Präsident nicht mit seinem kosovarischen Amtskollegen sprechen werde.

Vucic habe die Entscheidung infolge „all der Täuschungen, Drohungen und Lügen durch die Kosovo-Albaner“ getroffen, hieß es weiter. Belgrad könne die Versuche, Vucic zu drohen und seinen Besuch im Kosovo zu verhindern, nicht akzeptieren. Inakzeptabel seien auch „Thacis Versuche, Presevo, Medvedja und Bujanovac als Teil des kosovarischen Territoriums darzustellen“, wird aus der Erklärung weiter zitiert. Vucic sei noch am Freitag nach Serbien zurückgekehrt.

Bei dem seit 2011 von der EU geleiteten Dialog zwischen Serbien und dem Kosovo sei zuletzt immer wieder von einer endgültigen Vereinbarung in den kommenden Monaten die Rede gewesen. In diesem Zusammenhang hätten beide Präsidenten Vucic und Thaci auch Überlegungen zu einem möglichen Gebietstausch ins Spiel gebracht. Thaci habe etwa die drei mehrheitlich albanischen südserbischen Gemeinden – Presevo, Bujanovac und Medvedja – für einen möglichen Gebietstausch ins Spiel gebracht. Auch Vucic hatte „Grenzkorrekturen“ in Erwägung gezogen.

EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn soll die Überlegung eines Gebietstausches grundsätzlich begrüßen. Zustimmung sei auch aus den USA gekommen. Andere – allen voran Deutschland – würden dagegen warnen, dass eine derartige Lösung alte Konflikte und neue Begehrlichkeiten in anderen Staaten der fragilen Region – vor allem in Bosnien-Herzegowina und Mazedonien – wecken könnte.

EU-Kandidat Weber will Beitrittsprozess mit Türkei beenden

„Wenn die EU-Bürger die EVP und mich wählen, werden wir uns dafür einsetzen, dass die Beitrittsgespräche mit der Türkei beendet werden.“ Das sagte der Fraktionschef der Christdemokraten (EVP) im EU-Parlament und EU-Kandidat Manfred Weber (CSU) im Interview mit dem „Standard“, meldet die Presse. Im Gegensatz zum aktuellen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, der den EU-Beitrittsprozess mit Ankara nie habe stoppen wollen, erklärte sich Weber sehr wohl dazu bereit: „Wenn es dafür eine Mehrheit im Parlament gibt, muss die Kommission darauf reagieren.“

Neuer Vorstoß für EU-Einlagensicherung

Österreich, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, habe einen neuen Vorschlag zur EU-Einlagensicherung gemacht, meldet dernewsticker. In einem sogenannten „Non-Paper“, über das das „Handelsblatt“ berichtet habe, plädiere Österreich für die Einführung eines Hybridmodells. Danach sollten zunächst die nationalen Sicherungssysteme den Sparern ihre Einlagen garantieren, wenn eine Bank abgewickelt werden müsse.

Wenn diese ausreichend gefüllt seien, sollen sie zusätzlich in einen europäischen Einlagensicherungsfonds (DIF) einzahlen. Für den Fall, dass das nationale Sicherungssystem bei einer Bankenkrise überfordert sei, solle dieser Fonds mit Liquidität aushelfen. Sollte auch der EU-Topf leer sein, könnten die nationalen Systeme ihm Geld leihen.

In Deutschland stoße der Vorschlag auf Kritik. „Während die Bundesregierung stets beschwichtigt und abwiegelt, wird hinter den Kulissen mit Hochdruck an einer Vergemeinschaftung der Einlagensicherung gearbeitet“, habe der finanzpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Florian Toncar, dem „Handelsblatt“ gesagt. „Die Bundesregierung müsse der Öffentlichkeit erklären, ob sie sich an diesen Arbeiten beteiligt und wie sie zu den aktuellen Vorschlägen Österreichs steht.“

Trump droht China mit weiteren Zöllen von 267 Milliarden Dollar

US-Präsident Donald Trump droht China im laufenden Handelsstreit mit weiteren Importzöllen, meldet der Standard. Die 200 Milliarden Dollar (171,91 Milliarden Euro), die jetzt schon Thema seien, könnten sehr bald umgesetzt werden, habe Trump am Freitag zu Journalisten an Bord der US-Präsidenten-Maschine gesagt. „Und ich hasse es zu sagen, aber dahinter sind weitere 267 Milliarden Dollar, die kurzfristig angeordnet werden können, wenn ich es will. Das ändert die Gleichung“, wird der Präsident weiter zitiert.

Ein Berater Trumps habe dagegen zuvor erklärt, die US-Regierung wolle vorerst die Füße stillhalten. Experten müssten vor einer Entscheidung zunächst knapp 6.000 Stellungnahmen von Bürgern auswerten. Am späten Donnerstagabend sei eine Frist ausgelaufen, binnen derer die US-Öffentlichkeit Eingaben zu den Zöllen habe machen können.

USA verlegen zusätzliche Soldaten nach Deutschland

Die amerikanischen Streitkräfte verlegen 1500 zusätzliche Soldaten nach Deutschland, meldet die FAZ. Diese sollten „für die Stärkung der Nato und der europäischen Sicherheit im Einsatz sein“, habe der US-Botschafter Richard Grenell am Freitag in Berlin mitgeteilt.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen habe die angekündigte Verlegung begrüßt. „Die US-Entscheidung, die militärische Präsenz bei uns in Deutschland zu verstärken, ist ein willkommenes Zeichen für die Vitalität der transatlantischen Beziehungen“, habe die CDU-Politikerin am Freitag in Berlin erklärt.

Attacke von Neonazis auf jüdisches Restaurant in Chemnitz

Obwohl in den letzten zwei Wochen pausenlos über Chemnitz berichtet wird, ist der Presse bis dato entgangen, dass es in der Stadt am 27. August einen Angriff von etwa einem Dutzend Neonazis auf das koschere Restaurant „Schalom“ gegeben hat. Darüber berichtet die Welt: Die vermummten, in schwarz gekleideten Täter hätten unter Rufen „Hau ab aus Deutschland, du Judensau“ das Lokal mit Steinen, Flaschen und einem abgesägten Stahlrohr beworfen. Der Eigentümer Uwe Dziuballa sei während des Angriffs von einem Stein an der rechten Schulter verletzt worden. Eine Fensterscheibe sei zu Bruch gegangen und die Fassade beschädigt worden.

Nach Angriff auf Diskothek: Zweiter syrischer Verdächtiger gefasst

Zwei Wochen nach dem Angriff auf Gäste der Diskothek „Le Frosch“ in Frankfurt (Oder) sitzt auch der zweite Hauptverdächtige in Haft, meldet die Lausitzer Rundschau. Der 22-jährige Syrer sei am Donnerstagabend von Zivilfahndern der Polizeidirektion Ost und Einsatzkräften der Bereitschaftspolizei im Stadtzentrum gefasst worden. Der Vorwurf laute unter anderem auf versuchten Totschlag.

Er und ein zweiter syrischer Asylbewerber seien am frühen Morgen des 26. August zunächst mit einem deutschen Gast in Streit geraten. Nachdem beide aus dem Club verwiesen worden seien, hätten sie telefonisch Verstärkung geholt. Eine Gruppe von zehn bis 15 Zuwanderern habe daraufhin die Gäste im und am „Frosch“-Club mit Messern, Stangen und Steinen angegriffen. Laut Zeugenaussagen sollen die Angreifer dabei auch „Allahu Akbar“ („Allah ist groß“) und „Wir töten Deutsche“ gerufen haben.

Fast ein Drittel aller Fernzüge sind zu spät

Die Fernzüge der Deutschen Bahn haben sich im August noch häufiger verspätet als zuvor, meldet die FAZ. Drei von zehn ICE und Intercitys seien unpünktlich ans Ziel gekommen. Die Pünktlichkeitsquote sei über drei Monate kontinuierlich: Von 74,7 Prozent im Juni auf 72,1 Prozent im Juli und nun 69,8 Prozent im August gesunken, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen berichtet habe.

Pünktlich sei ein Zug nach Bahn-Definition, wenn er weniger als sechs Minuten nach der im Fahrplan angegebenen Zeit ankomme.

Frankreich wirft Russland Spionageangriff auf Satelliten vor

Frankreich hat Russland einen Spionageangriff auf einen französisch-italienischen Satelliten vorgeworfen, meldet der Standard. Ziel sei der Satellit Athena-Fidus gewesen, der eine gesicherte militärische Kommunikation ermögliche, habe die französische Verteidigungsministerin Florence Parly am Freitag in Toulouse erklärt.

Diesem Satelliten sei im vergangenen Jahr auf seiner Erdumlaufbahn ein russischer Satellit namens Lusch-Olymp „ein bisschen zu nahe“ gekommen – offenbar, um französische Kommunikation abzufangen, hieß es weiter.

Frankreich habe damals den russischen Satelliten erkannt und die erforderlichen Maßnahmen ergriffen. Der Satellit sei dann in den folgenden Monaten dabei beobachtet worden, wie er sich weiteren Zielen genähert habe. Erst kürzlich hätten die USA ein „sehr ungewöhnliches Verhalten“ eines russischen Weltraumobjekts im Oktober 2017 angeprangert.

Geringere Wörtervielfalt bei Schulanfängern

Der Wortschatz von Schulanfängern wird immer eintöniger, meldet die Welt „Wir beobachten seit mehreren Jahren, dass die Sprachgewandtheit der Kinder abnimmt“, habe Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), erklärt. „Das bedeutet nicht zwangsweise, dass die Mädchen und Buben nicht sprechen können, aber die Vielfalt der Wörter und die Flexibilität im Wortschatz sinkt: Die Kinder sprechen immer eintöniger“, wird Fleischmann weiter zitiert.

Die Gründe dafür seien nach Einschätzung der Pädagogin vielfältig: In den neuen Medien werde immer mehr mit Abkürzungen und mit simplem Wortschatz gearbeitet, in den Familien weniger miteinander verbal kommuniziert und auch in den Kindergärten und Krippen weniger auf gemeinsames Singen und Reimen geachtet. Neben der Sprachgewandtheit nehme laut Fleischmann auch die Sprechfähigkeit ab – immer mehr Kinder haben Lautbildungs- oder Wort- und Satzbildungsstörungen.

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