Der MDR spart sich Nachrichten

Eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt mit derzeit acht Radioprogrammen möchte beim Hörfunk Geld sparen. Man könnte nun überlegen, sich vielleicht von einer Welle zu verabschieden, weil vergleichbare Inhalte von privaten Stationen hinreichend angeboten werden und ein gebührenfinanziertes Programm für die entsprechend Zielgruppe nicht unbedingt nötig sei. Gelegentlich wurde ein solcher Vorschlag früher auch mal laut geäußert. Wer das tat, bekam umgehend eine klare Antwort: Jede Welle gehöre zum öffentlich-rechtlichen Programmauftrag, denn nur so kämen auch Zielgruppen in den Genuss von für sie eigens zugeschnittenen Informationsformaten. Sonst wären diese Hörer ja nahezu nachrichtenfreien Musikprogrammen ausgeliefert, quasi inhaltsleerem Dudelfunk.

Die MDR-Jugendwelle Sputnik ist nun Ziel von Sparmaßnahmen des Hauses. Aber keine Angst, der Sender soll nicht abgeschaltet werden, nur eigene Nachrichten soll es nicht mehr geben. Ausgerechnet die könne man sich sparen, heißt es. Nur noch morgens zwischen fünf und neun Uhr wird der Sputnik-Hörer künftig mit Informationen belästigt, danach soll sich offenbar keiner mehr darum kümmern, Informationen für die Sputnik-Zielgruppe aufzubereiten und diese dann zu verbreiten. Der Dresdener Medienblog Flurfunk berichtet:

„Werktags werden nur noch eigenproduzierte Nachrichten während der Morningshow „SPUTNIK TAG und WACH“ zwischen 5 und 9 Uhr gesendet. Danach wird es weiterhin den Infoblock mit Wetter und Verkehr halbstündig geben – eigene Nachrichten sind aber nach 9 Uhr nicht mehr vorgesehen. Auch am Wochenende will die Welle keine eigenproduzierten Nachrichten mehr bringen.

Über diesen Schritt sind die Mitarbeitenden am vergangenen Dienstag, 30.10.2018, während einer kurzfristig einberufenen Redaktionskonferenz von Hörfunkdirektorin Nathalie Wappler Hagen, Kathrin Ruther, die die Jungen Angebote im MDR koordiniert, und Sputnik-Programmchefin Jana Cebulla unterrichtet worden.“

Der MDR habe dem „Flurfunk“ bestätigt, dass Sparbemühungen ein Grund für diese Maßnahme seien.

Nun fällt diese Art des Sparens der Frau Wappler Hagen sicher nicht so schwer, denn das ist ja gewissermaßen ihr Abschiedsgeschenk an den MDR, bevor sie ihn für die nächste Karrierestufe wieder in Richtung ihrer Schweizer Heimat verlässt. Im Hause soll es unter den Mitarbeitern, kaum überraschend, einigen Unmut geben. Dabei ist die Anhänglichkeit an frühere Informationsgewohnheiten wahrscheinlich nicht nur teuer, sondern beinahe reaktionär. Gerade in den heutigen Zeiten, in denen Journalisten dazu aufgefordert werden, vor allem die richtige Haltung zu zeigen und nicht einfach Informationen zu verbreiten, darunter vielleicht sogar solche, die zwar stimmen, aber von den Falschen für sich genutzt werden könnten.

MDR-Sputnik ist selbstverständlich nicht reaktionär. Damit keiner auf die Idee kommt, das nachrichtenbefreite Programm wäre dann ein Dudelfunk, auf den die Gebührenzahler verzichten könnten, teilt die MDR-Pressestelle mit, wie die weitere inhaltliche Betreuung der jungen Hörer aussehen soll. In der Antwort auf entsprechende „Flurfunk“-Anfragen heiße es, dass MDR-Sputnik in Zukunft verstärkt auf hintergründige Inhalte und Einschätzungen im Programm setze, „um seinem Publikum Orientierung zu geben und einzuordnen, was politische und gesellschaftliche Ereignisse für das eigene Leben bedeuten.“

Also Orientierung und Einordnung statt Information? Kann also gespart werden und gleichzeitig ist das Ergebnis noch volkspädagogisch sinnvoll? Nein, genug solcher Fragen. Es ist auch ungerecht, denn der MDR-Hörfunk spart nicht nur an den Nachrichten. Betroffen von den Kürzungen sei beispielsweise auch MDR Kultur. Dort dürften künftig weniger Beiträge und Hörspiele produziert werden. Vielleicht haben die MDR-Sparkommissarinnen irgendwie vergessen, dass es in ihrem Programmauftrag, der die Zwangsabgabe zu ihren Gunsten legitimiert, vor allem um Angebote geht, die Information, Bildung und Kultur dienen und nicht um vormundschaftliches „Haltung zeigen“.

 

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