Freiheit à la Fischfilet?

Keine Angst, es soll hier nicht schon wieder um die Texte von „Feine Sahne Fischfilet“ gehen, in denen sie ihre brutalen Gewaltphantasien insbesondere gegen Polizisten und Journalisten besingen. Zum einen sind wir ja ein freies Land, in dem der tolerante Bürger all die Äußerungen zu ertragen hat, die kein Fall für Strafverfolgungsbehörden und Justiz sind. Zum anderen: Seit die immer noch in Revolutionsposen auftretenden Fischfilets dank der Protektion des Bundespräsidenten, des Bundesaußenministers und wichtiger Kulturredaktionen öffentlich-rechtlicher Medien zu einer Art Staatskapelle gegen rechts avanciert sind, muss man doch nach solch alten Kamellen ohnehin nicht mehr fragen. Im Zuge der Berichterstattung über die angebliche Beschneidung der Kunstfreiheit durch die Entscheidung des Dessauer Bauhauses, die Fischfilets nicht in ihrer Institution auftreten zu lassen, hat das ARD-Kulturmagazin „titel thesen temperamente“ klargestellt: „Man muss diese Band nicht mögen, aber sie ist Teil der demokratischen Zivilgesellschaft.“ Und die Gewaltaufrufe vergangener Tage sind demnach auch vergessen, denn „das liegt 3 Jahre zurück, das Lied singt die Band nicht mehr und beendet ist auch die Beobachtung durch den Verfassungsschutz.“

Der Frontmann der Fischfilets konnte im Gebührenfernsehen deshalb umso klarer die Einschränkung der Kunstfreiheit beklagen, wenn eine Institution sich für eine Konzertabsage entscheidet: „Man hat vor diesen Leuten einfach nicht einzuknicken, sondern man hat da selbstbewusst aufzutreten und zu sagen: ‚Ey, wir lassen uns von euch definitiv nicht die Lebenslust nehmen! Und selbstverständlich sagen wir nicht ab, weil ihr meint, wir gehören hier nicht her oder so’.“

Selektive Kunstfreiheit?

Die Fischfilets sind gegenwärtig also die Helden der Kunstfreiheit. Merkwürdig ist nur, dass sie selbst seit Jahren Veranstalter gedrängt haben sollen, einer konkurrierenden Band die Konzerttermine abzusagen. „Serum 114“ ist eine Punk-Band aus Frankfurt, zu deren Musik der Autor dieser Zeilen wenig sagen will, weil sie ihm musikalisch ebenso wenig liegt, wie die der Fischfilets. Eigentlich müssten sie die gleichen Zielgruppen ansprechen. Doch wenn „Serum 114“ bei einem Veranstalter auftreten will, bei dem auch „Feine Sahne Fischfilet“ aufspielen soll, würden die Fischfilets fordern, das jeweilige Serum-Konzert abzusagen, schreibt „Serum 114“ in einem Offenen Brief. Folgt man ihren Ausführungen, geht das schon seit Jahren so. Da scheint die Kunstfreiheit plötzlich nicht mehr viel zu zählen.

Als Grund der Distanzierung von Serum-Auftritten gilt, wen wundert‘s, eine angebliche Rechts-Tendenz der Band. Genau genommen wird „Serum 114“ immer wieder ein vermeintlicher Fehltritt vorgeworfen, der diesen Ruf begründet: Vor sieben Jahren hatten sie eine gemeinsame Single mit „Freiwild“ produziert und „Freiwild“ ist ja bekanntlich von nahezu allen Medien und Kulturakteuren quasi mit einem Prüfsiegel für rechte Gesinnung versehen worden. Wie begründet oder unbegründet das ist, wäre eine eigene Geschichte. Das Prüfsiegel bekam die Band 2013, als sie unter allgemeinem Beifall von der Echo-Verleihung ausgeschlossen wurde, weil sie „in ihren Songs völkisches und nationalistisches Gedankengut“ verbreiten würde. Das war zwei Jahre nach der Single mit „Serum 114“.

Trotzdem: Weil „Serum 114“ mit diesen inzwischen Unberührbaren vor sieben Jahren eine Single produziert hat, klebt der rechte Ruf an ihnen. Bei der informellen Staatskapelle gegen rechts sollen die Hass-Texte von vor drei Jahren vergessen sein, doch eine sieben Jahre alte Single nicht? Immerhin hätten die Serum-Mannen – so schreiben sie – auch die Gelegenheit zum öffentlichen Abschwören bekommen, die Unterwerfungsgeste jedoch verweigert. Da sie sich selbst auch als linke und gegen rechts aktive Band verstehen, wäre es auch schwer zu erklären, welchen Verfehlungen sie denn abschwören sollten.

„Wir scheißen auf Applaus von rechtsaußen“

Ob „Serum 114“ jetzt auch so viel Solidarität wegen kunstfreiheitsfeindlicher Konzertabsagen bekommt? Sicher nicht, denn dazu hat die Band aus Frankfurt nicht genügend Aufmerksamkeit erzielt und wollte sie das auch lange nicht, um keinen Beifall von der falschen Seite zu bekommen. Gedankt wird es ihnen nicht. Sie selbst schließen ihren Offenen Brief mit einem ganz eigenen Resümee:

„Wir sind im Laufe unserer zehnjährigen Karriere in so ziemlich jedes Fettnäpfchen getreten, was wir finden konnten und haben wirklich eine ganze Menge Mist gemacht. Aber eins, liebe feine Sahne, lassen wir uns wirklich nicht vorwerfen: Dass wir mit irgendwelchen braunen Gedanken sympathisieren oder mit Rechtsradikalen Geschäfte machen. Ob ihr das genauso seht wie wir, ist uns mittlerweile herzlich egal. Wir haben es langsam kapiert: Leute von links meckern, weil wir mal was mit Frei.Wild gemacht haben. Leute von rechts meckern, weil wir uns in unseren Texten und Aktionen klar gegen Nationalismus positionieren. Macht was ihr wollt und denkt. Wir werden auch weiterhin unseren Weg gehen. Ob euch das gefällt oder nicht.

PS: Für alle braunen Stammtischtrolle: Glaubt nicht, dass euch dieser Brief in die Karten spielt und spart euch dumme Kommentare. Wir scheißen auf Applaus von rechtsaußen. Weil wir uns von FSFF nicht erpressen lassen, heißt das nicht, dass wir euch an unserer Seite dulden.“

Damit wäre das auch klar. Aber darum geht’s ja nicht, sondern um die Kunstfreiheit. Genießen wir in diesem Sinne ein kleines Serum-Lied an die Fischfilets: https://www.youtube.com/watch?v=6s1LY_Ug050

Der Beitrag erschien auch hier auf sichtplatz.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.