Geschichten aus Deryas Land

Welches Land ist Deryas Land? Von der Generalbundesanwaltschaft erfahren wir, dass die junge Frau 26 Jahre alt ist und deutsche Staatsangehörige. Es ist anzunehmen, dass Derya durch Geburt zur deutschen Bürgerin geworden ist, zumindest erscheint es bei ihrer bisherigen Lebensgeschichte unwahrscheinlich, dass sie einmal einen Integrationstest absolvieren musste. Aber das ist Spekulation und die ist gar nicht nötig, denn Deryas Lebensgeschichte ist interessant, auch wenn man sie nur in der Faktenprosa der Generalbundesanwaltschaft erzählt bekommt. Und sie zeigt, dass die deutsche Bürgerin Derya das Deutschland des Grundgesetzes in jedem Falle nicht als ihr Land anzusehen scheint. Doch lesen wir, was uns die Generalbundesanwaltschaft anlässlich eines Haftbefehls des Ermittlungsrichters am Bundesgerichtshofs über Derya Ö. erzählt:

Derya Ö. schloss sich im Februar 2014 in Syrien der ausländischen terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat (IS)“ an. Dort heiratete sie nach islamischem Ritus einen Kämpfer der Terrororganisation. Zu diesem stand sie bereits vor ihrer Ausreise aus Deutschland über das Internet in Kontakt. In der Folgezeit lebte Derya Ö. mit ihrem Ehemann in Syrien und im Irak. Sie führte den gemeinsamen Haushalt und betreute das gemeinsame Kind. Die Familie erhielt von der Terrororganisation monatliche Unterstützungsleistungen. Während einer kurzzeitigen Trennung von ihrem Ehemann heiratete die Beschuldigte nach islamischem Ritus ein höherrangiges IS-Mitglied. Von diesem wurde sie allerdings drei Wochen später wieder geschieden. Anschließend kehrte sie zu ihrem früheren Ehemann zurück. Von ihm ließ sie sich an Schusswaffen ausbilden. Zudem besaß sie während ihrer Zeit beim „IS“ einen für ein Selbstmordattentat geeigneten Sprengstoffgürtel. Einen Sprengstoffgürtel bot sie auch über einen Messengerdienst zum Verkauf an.

Verglichen mit der Annahme, im Islamischen Staat würden die Frauen vor allem auf ihre korrekte Vollverschleierung achten und ansonsten Haus, Hof und Kinder hüten, klingt das ja nach einem vergleichsweise wilden Leben. Doch offenbar stellten sich auch Probleme ein. Beim Generalbundesanwalt heißt es:

Nach der Inhaftierung ihres Ehemannes durch die Vereinigung lebte die Beschuldigte in einem Frauenhaus des IS. Im Februar 2017 wurde sie beim Grenzübertritt von Syrien in die Türkei festgenommen und befand sich dort bis zu ihrer Wiedereinreise nach Deutschland am 25. August 2017 in Abschiebehaft.

Nun wurde Derya wegen ihrer Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verhaftet. Unabhängig davon, wie Deryas Verfahren ausgeht, sie wird unsere Mitbürgerin bleiben. Auch ihr Kind, über dessen weiteres Schicksal die Generalbundesanwaltschaft in ihrer Mitteilung kein Wort verliert, ist selbstverständlich deutscher Staatsbürger.

Warum aber muss man nun ausgerechnet bei Deryas Geschichte aufmerken? Weil sie zeigt, dass der Glaube, durch ein möglichst großherziges Verteilen deutscher Pässe, würde sich ein Ankommen in dieser Gesellschaft beinahe wie von selbst einstellen, eine gefährliche Illusion ist. Wenn man Radikalislamisten signalisiert, dass dieses Land auch ihr Land sei, verstehen sie das mitnichten als Einladung, sich einen Platz in der deutschen Gesellschaft zu suchen. Sie werden sich in der Überzeugung bestärkt sehen, dass das sie umgebende Gemeinwesen ihre weltanschaulichen Regeln zu achten habe. Ein fatales Signal, das aber in bester Absicht immer noch und immer wieder ausgesandt wird.

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