Haltungsschule für Stehpinklerinnen

Was früher einmal profan Gleichberechtigung hieß und als politisches Programm vor allem durch die Beseitigung von rechtlichen und tradierten Benachteiligungen von Frauen überzeugte, treibt in den Zeiten der aufgehenden Gendersternchen äußerst schillernde Blüten. Jeder nicht mehr ganz junge weiße Mann wird sich noch an den Toiletten-Geschlechterkampf erinnern, der durch die stetigen Versuche ausgelöst wurde, den Mann zum Sitzpinkler zu domestizieren. Inzwischen ist ein Großteil der Männer, die schon länger hier leben, soweit erfolgreich umerzogen, dass sie sich das Stehpinkeln allenfalls in freier Wildbahn oder in den Pinkelrinnen-Refugien der Wirtshaus-, Stadion- oder Baumarkttoiletten erlauben.

Nach diesem Sieg im Geschlechterkampf wollen einige Kämpferinnen für eine bessere Welt nun offenbar einen Angriff auf das im Pissoir noch herrschende Patriarchat starten. Frauen sollen hier die richtige Haltung zeigen und künftig im Stehen urinieren. Die Neue Westfälische Zeitung berichtet, dass eine Studentengruppe jetzt an der Universität Bielefeld einen entsprechenden Workshop anbietet: „Toilet Talks & Practice: Pissen gegen das Patriarchat“. Eine Referentin des Workshops beschäftige sich in ihrer Masterarbeit mit dem Urinieren. Und, wie sie der Zeitung verrät, hat ihr die wissenschaftliche Arbeit zu bahnbrechenden Erkenntnissen verholfen: „Im Laufe meines Lebens fiel auf, dass es als Mensch mit Vulva nicht so einfach ist, dem Bedürfnis nachzugehen“, hatte sie erklärt. In den rückständigen Zeiten, als man „Mensch mit Vulva“ noch umstandslos „Frau“ nannte, war diese Erkenntnis allerdings schon einmal weit verbreitet, obwohl sich damals viel weniger Menschen als heute an den Universitäten außerhalb der Urologie in Abschlussarbeiten mit dem Urinieren beschäftigen konnten.

Damals kämpften die Frauen aber auch noch nicht um ihre Stehpinkel-Präsenz. Die kann frau sich aber erarbeiten, weiß die Workshop-Referentin, denn die sagt: „Die Art und Weise, wie wir urinieren, ist antrainiert“, wird die Studentin zitiert. „Ich stelle mich nicht wie selbstverständlich an einen Baum und pinkele los“, weil das Wildurinieren als offensichtliche „Zelebration der Männlichkeit“ verstanden würde. Diese Dominanz wolle sie brechen und Frauen zu selbstverständlichen Stehpinklerinnen trainieren.

Im Workshop solle es auch einen Praxisteil geben, in dem unter anderem Fingertechniken vorgestellt würden, wie die Initiatorin der Neuen Westfälischen beschreibt: „Wo ist meine Harnröhre und inwiefern muss ich meine Genitalien anfassen, um den Strahl zu lenken“. Außerdem sollen die Teilnehmerinnen Urinellas basteln, trichterartige Urinierhilfen für die Frau, aus alten Tetrapaks. Diese könnten für Erleichterung sorgen, wenn kein WC zu finden sei. Die auch so lebenspraktisch sinnvolle dreistündige Veranstaltung, werde mit Geldern des Asta (Allgemeiner Studierendenausschuss) finanziert.

Allerdings mangelt es Teilen der Öffentlichkeit an Verständnis. Kommentatoren im Netz hätten sich abfällig geäußert, manche sollen das für eine Satire gehalten haben. Letzteres weiß man in heutigen Zeiten wirklich nie. Vielleicht ist auch die Autorin des Artikels in der Neuen Westfälischen eine Satirikerin. Aber es liest sich so, als handele es sich um eine ernst zu nehmende Meldung.

Demnach würden, um die Teilnehmerinnen zu schützen, Zeit und Ort des Workshops auch nur intern bekannt gegeben. Störer sollen keine Chance bekommen. Auch bei der Online-Ausgabe der Zeitung blieben sie chancenlos. Am Schluss hieß es lapidar: „Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.“ Als Begründung gab es einen Standardtext für abgeschaltete Kommentarfunktionen:

„nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus.“

Bemerkenswert ist allerdings, in welches Umfeld nw.de die Bielefelder Stehpinklerinnen damit rückt. Um Prozesse und Straftaten geht es in dem Artikel nicht. Fällt der Pinkel-Workshop also unter das Verdikt „Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw.“? Das wäre dann auch ein Kommentar, allerdings kein schöner.

2 Kommentare

  1. Fugg Censors

    Ist kein Witz! Jungen mit 8 Jahren sollen auch menstruieren dürfen. Man soll in Schultoiletten für Jungen auch weibliche Hygieneartikel anbieten. Kinder mit 4 Jahren sollen zu ihrer Geschlechterindendität befragt werden. Ist für Genderspinner scheinbar normal?

    https://www.breitbart.com/europe/2018/12/16/schools-eight-year-olds-boys-periods/

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  2. Pimentos

    Entweder ist das mit dem Weiberstehpinkeln ein Witz oder die Veranstalter sollten sofort in die Klapse!

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