Ex-Präsident als Zeuge gegen Ex-Präsidenten

Ein Ereignis fand in der Weihnachtszeit in hiesigen Medien etwas wenig Beachtung, obwohl es ein solches nicht alle Tage gibt: Zwei gestürzte Präsidenten in einem Gerichtssaal, der eine hat die Zeit als Angeklagter schon hinter sich und trat nun als Zeuge auf, der andere war der Angeklagte. Ein Kammerspiel, das sich durchaus auch gut als Theaterstück inszenieren ließe. Hier ging es aktuell um Ägyptens Ex-Langzeitmachthaber Hosni Mubarak, der als Zeuge gegen seinen mittlerweile längst wieder gestürzten Nachfolger Mohammed Mursi vor Gericht ausgesagt hat. Der Standard hat darüber kurz berichtet.

Demnach gab es den bemerkenswerten Auftritt bei einer Berufungsverhandlung in Kairo, bei der Mursi, 2012 als Führer der islamistischen Muslimbrüder ins Präsidentenamt gewählt, zum zweiten Mal unter der Anklage stand, während der arabischen Aufstände 2011 mit Hilfe der Palästinenserorganisation Hamas und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah aus einem Gefängnis ausgebrochen zu sein. Das sei nur wenige Tage vor dem Sturz des damaligen Staatschefs Mubarak durch die Massenproteste geschehen. Mursi verlor bekanntlich sein Amt nur ein Jahr nach Amtsantritt durch einen Militärputsch nach Massenprotesten. Seit 2014 ist der ehemalige Armeechef Abdel Fattah al-Sisi gewählter Staatspräsident.

Mubarak, der nach mahrjähriger Haft seit vergangenem Jahr wieder frei ist, habe in seiner Vernehmung ausgesagt, er sei während der Aufstände Ende Januar 2011 davon unterrichtet worden, dass 800 Hamas-Kämpfer aus dem Gazastreifen nach Ägypten eingedrungen wären. In der Folge hätten diese Männer Gefängnisse gestürmt, um dort Häftlinge zu befreien, vor allem  Kämpfer der Hamas und der Hisbollah, ebenso Mitglieder der Muslimbrüder und damit auch Mursi.

Es gebe allerdings auch eine andere Erzählung aus den turbulenten Tagen der Aufstände. Demnach seien die Wachen abgezogen worden und Mursi habe einfach aus dem Gefängnis heraus spazieren können. Endgültige Aufklärung über den Wahrheitsgehalt solch fabelhafter Geschichten scheint auch der denkwürdige Gerichtstermin, trotz des sicher vorhandenen Unterhaltungswerts, nicht gebracht zu haben. Mubarak soll die Beantwortung einiger Fragen des Richters abgelehnt haben, weil er dafür erst die Erlaubnis der Armeeführung einholen müsste. Für Mursi, der während der Vernehmung zugegen war, geht es buchstäblich um seinen Kopf. Im ersten Prozess zum Gefängnisausbruch hatte er die Todesstrafe erhalten. Das höchste Gericht hatte das Urteil jedoch kassiert und einen erneuten Prozess angeordnet.

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