Störungen der Berichterstattungs-Betreuung?

Besonders sensible Personengruppen müssen bekanntlich gut vor Generalverdacht und Vorurteilen geschützt werden. Deshalb enthalten sich viele verdiente deutsche Redaktionen aufopferungsvoll der Verbreitung schädlicher Fakten, vor allem, wenn es um Gewaltkriminalität geht. Ein vorbildliches Beispiel lieferte in der letzten Woche die Leipziger Volkszeitung mit dieser Meldung über eine Gewalttat:

„Wegen versuchten Totschlags an seiner Partnerin ist Haftbefehl gegen einen 28 Jahre alten Mann erlassen worden. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft in Görlitz am Samstag mitteilten, soll der Mann am Freitag in Waldhufen (Ostsachsen) seine 53 Jahre alte Lebensgefährtin angegriffen haben. Er habe ihr mit einem spitzen Gegenstand mehrere Verletzungen zugefügt. Die 53-Jährige wurde operiert und ist außer Lebensgefahr.

Sie habe den Mann offensichtlich verlassen wollen, weswegen ein Streit ausbrach. Der 28-Jährige wurde noch am Freitag gefasst. Ein Amtsrichter erließ am Samstag Haftbefehl gegen den vorbestraften Mann.“

Der Gewalttäter ist ein 28-jähriger vorbestrafter Mann, der nicht hinnehmen konnte, dass die Frau ihn verlassen wollte. Gäbe es mehr Relevantes über ihn zu berichten? Müssen die Leser mehr wissen? Sensibel betreuende Berichterstatter finden das offenbar nicht. Weitere Informationen könnten, so hatte es einst der frühere Bundesinnenminister formuliert, die Bürger nur beunruhigen. Diesem Motto getreu gibt es viel Rücksichtnahme in Politik und Medien. Doch Vertreter der weniger rücksichtsvollen Nachrichtenübermittlung, wie es sie in der Redaktion der Bild-Zeitung gibt, haben das noble Ansinnen in obigem Fall durchkreuzt und die Nachricht ausgerechnet um die schädlichen Fakten erweitert. Dort heißt es:

„Grausames Beziehungsdrama in Waldhufen (bei Görlitz): Nach einem handfesten Streit hatte dort offenbar ein Pakistaner (28) seine wesentlich ältere Freundin (53) schwer verletzt.

Wie die Polizei am Samstag mitteilte, war das Paar am späten Freitagnachmittag in seiner Plattenbauwohnung am Kirchsteig in Streit geraten. Grund: Die Frau wollte ihren jüngeren Geliebten nach Ansicht der Ermittler verlassen.

Daraufhin rastete der Pakistaner offenbar aus: „Dabei soll er sie mit einem scharfen Gegenstand mehrere Verletzungen zugefügt haben“, so Polizeisprecher Thomas Knaup. Und weiter: „Nachbarn hörten Hilferufe, verschafften sich Zugang zu den Räumen und fanden die 53-Jährige schwer verletzt vor.“

Der Asylbewerber flüchtete im Anschluss, rannte in die Dunkelheit. Polizisten nahmen die Verfolgung auf. Knaup: „Eine alarmierte Streife des Görlitzer Reviers ergriff den Mann in der Nähe der Ortschaft und nahm ihn vorläufig fest.“

Am Samstag wurde er einem Richter vorgeführt. Der erließ einen Haftbefehl wegen versuchten Totschlags gegen den vorbestraften Asylbewerber, der seit sechs Jahren in Deutschland lebt.“

Und nun bleibt die tatsächliche Frage: Ist es denn zum Verständnis der Straftat relevant, ob der Täter nun ein 28-jähriger pakistanischer Asylbewerber oder ein 28-jähriger Deutscher ist? Vertreter der betreuenden Berichterstattung würden sofort wissen, dass diese Tatsache völlig irrelevant sei. Dazu bedürfte es nicht einmal eines genauen Blicks auf den konkreten Fall, denn in jedem Fall nützt ja dieser Fakt den Rechten, Rechtspopulisten, Fremdenfeinden, Nazis und all den anderen umstandslos ebenso etikettierten Kritikern ungesteuerter Massenzuwanderung, die vor dreieinhalb Jahren noch völlig unbestritten und ganz offiziell im demokratischen Spektrum verortet wurden und sich selbst immer noch dort sehen. Sie alle könnten ihre nicht hilfreichen Weltbilder bestärkt sehen, wenn die Öffentlichkeit zu viele solcher Fakten erfährt. Und überhaupt: Hätte nicht ein deutscher Mann seine 25 Jahre ältere Geliebte genauso umbringen wollen, wenn die ihm mit Trennung droht?

Vielleicht, aber dennoch ist die Information relevant. Der pakistanische Asylbewerber könnte zum Beispiel Motive für seine Tat haben, die der gleichaltrige Deutsche gar nicht haben kann. Wenn der Täter vielleicht auf eine spätere Heirat mit einhergehender Aufenthaltsgenehmigung gerechnet hätte, so wäre ihm durch die Trennung ein Lebenstraum zerstört worden, der einem Deutschen im Heimatland nun einmal nicht zu zerstören ist. Ob das so war, ist reine Spekulation. Doch es wird deutlich, dass sich ein solcher Fall auch vollkommen unabhängig von der Weltanschauung mit der Herkunfts-Information ganz anders darstellen kann, als ohne.

Außerdem zeigt jede dieser Beziehungstaten, wie auch jede Vergewaltigung, jede Messerstecherei, jeder Ehrenmord, dass insbesondere Männern aus islamisch geprägten Gesellschaften konsequent klar gemacht werden muss, dass ihre archaischen Wertmaßstäbe in dieser Gesellschaft nicht gelten. Wenn sie diese zu Lasten anderer dennoch ausleben wollen, darf das nicht toleriert werden. Aber diese Aussage ist nicht sonderlich erwünscht, denn sie weist leider so deutlich auf die besonders schmerzhaften Leerstellen bei der sogenannten Integration bestimmter kulturfremder Zuwanderergruppen hin. Statt hier von vornherein Klarheit zu schaffen, wird hochmoralisch verbrämte Toleranz gegenüber dem Herrschaftsanspruch schon hier lebender und zuwandernder Islamideologen und ihrer Gefolgschaft gepredigt und gepflegt. All diese wohlmeinende Zurückhaltung und Rücksicht kann von vielen der zuwandernden jungen Muslime nur als Unterwerfungsbereitschaft verstanden werden. Und diese passt hervorragend in ihr mitgebrachtes Weltbild.

Entgegen der beruhigend schönen Worte zur Integration, mit denen die Einheimischen bedacht werden, hat ein Großteil dieser jungen Männer mitnichten akzeptiert, dass Frauen über ihre Beziehungen selbst und ganz allein entscheiden.

Selbstverständlich ist ein Generalverdacht für all die zwangsläufig zu Unrecht Verdächtigten furchtbar und wenn es um Zuwanderer geht auch ein Integrationshemmnis. Doch das gut gemeinte Verschweigen bestimmter Umstände verschafft nur Gerüchten eine größere Wirkung und ist zur Vermeidung eines Generalverdachts kontraproduktiv. Es sollte doch in einem aufgeklärten demokratischen Gemeinwesen selbstverständlich sein, dass man mit allen verfügbaren Informationen konfrontiert wird, auch wenn sie zuweilen weltanschaulich schwer zu verdauen sind. Nur wer ein Problem kennt, kann über konkrete Lösungen diskutieren und diese anpacken.

Wer Populisten vorwirft, sie hätten keine Lösungen, sich aber selbst schon weigert, das dazugehörige Problem zur Kenntnis zu nehmen, muss sich über deren Stärke nicht wundern.

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