Ein zeitloses Werk deutscher Abgeordneter

Der Europarat ist zwar eine altehrwürdige europäische Institution, spielt aber in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle, denn das altehrwürdige Gremium hat nichts mit der EU zu tun. Auf dieser europäischen Ebene treffen sich Vertreter nahezu aller europäischen Staaten. Der Europarat hat auch eine parlamentarische Versammlung, in der – wie es der Name vermuten lässt – Parlamentarier aus den europäischen Nationen miteinander debattieren. Eigentlich doch eine gute Sache.

Zu den Tagungen der parlamentarischen Versammlung des Europarats im Jahr 2017 reiste auch eine deutsche Delegation nach Straßburg. Was ist daran nun bemerkenswert, wenn man doch zu Recht annehmen darf, dass die deutsche Delegation immer erscheint, wenn sich das Gremium trifft? Nun bemerkenswert ist, wie viel Zeit vergangen ist, bis die Damen und Herren Abgeordneten es geschafft haben, einen 72-seitigen Bericht von diesem weltbewegenden Ereignis daheim im Bundestag abzugeben. Die „Unterrichtung durch die Delegation der Bundesrepublik Deutschland in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates“ über die „Tagung der parlamentarischen Versammlung des Europarates vom 24. bis 28. April 2017 in Straßburg“ (Drucksache 19/7146) datiert vom 21. Januar 2019. Fast genau 21 Monate nach dem Straßburger Treffen. Haben die Abgeordneten auf dem Heimweg zu Fuß den Pilgerweg Straßburg – Brüssel – Berlin eröffnet? Sind sie mit dem Zug gestrandet und anschließend den Wege-Hinweisen der Deutschen Bahn gefolgt? Oder brauchte das 72-seitige Opus Magnum einfach diese Zeit, um zu reifen?

Es mag ein wenig aus der Zeit gefallen wirken, in einem so ausgereiften Text nach Eile klingende Worte wie „Dringlichkeitsdebatte“ zu lesen. Doch überzeugt die Konsequenz, mit der sich die Autoren jedem Zeitdruck verweigern. Gründlichkeit ging hier vor Schnelligkeit. Das abseits der tagespolitischen Hektik entstandene Werk deutscher Politiker können Sie hier genießen.

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