Waldsterben durch die Urne?

Sogenannte Friedwälder machen dem klassischen Friedhof schon seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich Konkurrenz. Nicht nur weil eine Bestattung hier billiger ist. Das Vergraben einer Urne im Wald gilt den meisten Kunden als eine letzte Ruhe im Einklang mit der Natur. Mittlerweile ist die Endlagerung menschlicher Asche im Forst ein Millionengeschäft. Nach Angaben der FAZ[1] machte allein die Friedwald GmbH – einst Pionier im Geschäft mit der Waldbestattung in Deutschland – im Jahr 2012 einen Umsatz von ungefähr 7, 5 Millionen Euro und erzielte damit immerhin 1,6 Millionen Euro Gewinn – 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Wenn da ein Gutachten auftaucht, das die Schädigung des Waldes durch die menschliche Asche feststellt, sind die Waldbestatter natürlich in Alarmstimmung. Das naturnahe Image ist in Gefahr.

Andreas Morgenroth hat genau diesen Schlag geführt. Er sammelte Daten, die nach seiner Ansicht die Schädigung des Waldes durch die Urnenbestattung am Baum belegen. Die Urnen, die im Wald vergraben werden, sind natürlich abbaubar. Damit kommen alle Giftstoffe, die in menschlicher Asche enthalten sind, baumschädigend zur Entfaltung. Schwermetalle benannte Morgenroth und zudem sei der hohe pH-Wert menschlicher Asche eine Gefahr für den Wald. Bei solchen Behauptungen musste der Landschaftsplaner natürlich mit Gegenwind rechnen. Die Ruheforst GmbH zog gegen Morgenroth vor Gericht, um ihm diese Aussagen untersagen zu lassen.

Nach einer Entscheidung des Landgerichts Frankfurt (Main) ließ Ruheforst verlauten, Morgenroth habe verloren. Doch so ganz stimmt das nicht. Nur seine alte Studie darf er bei der Behauptung, die Menschenasche schade dem Wald, nicht mehr als Beweis heranziehen. Manches schien den Richtern offenbar zu sehr von den Waldschäden durch Flugasche abgeleitet. Doch die Behauptung an sich wurde ihm nicht verboten und auch neue Beweise dafür kann er nun suchen.

Unlogisch klingt die Behauptung, größere Mengen menschlicher Asche könnten dem Wald schaden, jedenfalls nicht. Bei all dem, was ein moderner Mensch so in seinem Körper anreichert, dürfte auch seine Asche weit von reiner Natur entfernt sein. Insofern klingen Morgenroths Behauptungen folgerichtig. Man kann deshalb auf eine neue Studie gespannt sein. Die Friedwald-Betreiber fürchten diesen Image-Schaden ebenso sehr, wie ihn manch Friedhofsbetreiber insgeheim herbeisehnt. Morgenroth, der auch Experte für Friedhofsplanung ist, findet sicher auch, dass es keine anderen Orte zur Bestattung braucht. Aber vor allem geht es ihm um den Wald, den man erhalten und schützen muss. Und dass im Wald Bäume wegen falsch endgelagerter toter Menschen sterben könnten, ist in der Tat eine irrwitzige Vorstellung.

[1] Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 243 vom 20.10.2014, S. 20

 

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