Ungarische Geheimaktion für Flüchtlinge?

Wenn es in hiesigen Medien um die ungarische Regierung unter Victor Orbán in Bezug auf die Zuwanderungspolitik geht, dann wird sie meist dafür gescholten, dass sie zu hart gegen illegale Einreisen vorgeht und damit vielen Zuwanderern kaum eine Chance lässt, in den Willkommenskultur-Staaten der EU Schutz und Sozialleistungen zu finden. Während die Vertreter der Willkommenskultur der Einfachheit halber alle Zuwanderer vom Verfolgten bis zum Verbrecher pauschal zu „Flüchtlingen“ oder „Geflüchteten“ erklären, geizen die Anhänger Orbáns bekanntlich eher mit dieser Zuschreibung. Dem wirklichen und echten Flüchtling oder Verfolgten würde erklärtermaßen schließlich niemand, der halbwegs ernst genommen werden will, das Asyl verweigern. Wer nun aber dennoch möglichst wenig Zuwanderung will, erkennt Flüchtlinge lieber nur im Ausnahmefall an und vermeidet es, Migranten den Weg ins eigene Land irgendwie zu erleichtern.

Dass nun die ungarische Regierung unter Beschuss steht, weil sie 300 Flüchtlinge hat einfliegen lassen, ist eher ungewöhnlich. Doch in der Tat ist die Opposition in Budapest empört, weil im letzten Jahr 300 Flüchtlinge aus Venezuela auf Staatskosten nach Ungarn geflogen wurden, und prangert diese „Geheimaktion“ an. Das habe die ungarische Nachrichtenseite Index.hu berichtet, meldet die Presse.

Kanzleramtsminister Gergely Gulyás habe die Kritik mit dem Hinweis zurückgewiesen, bei den Betroffenen handle es sich nicht um Migranten, da sie über ungarische Vorfahren verfügten. 30 Familien würden dort noch auf ihre „Heimkehr“ warten. Der Oppositionspolitiker Csaba Molnár habe von einer „Lüge“ gesprochen. Diese Zuwanderer seien nie in Ungarn gewesen, sie sprächen die Sprache nicht und würden die Kultur nicht kennen. Ginge es nicht um Menschen, so eschiene es als absurdes Theater mit zum Teil vertauschten Rollen.

Unabhängig davon, ob die 300 Eingeflogenen nun tatsächlich ungarische Wurzeln haben oder nicht, dass es sich bei ihnen um richtige Flüchtlinge handelt, ist zumindest nicht unwahrscheinlich. Auch wenn dieses Reizwort mittlerweile vor allem mit arabischen, afrikanischen oder afghanischen Asylbewerbern assoziiert wird, so gibt es gerade eine beispiellose millionenfache Massenflucht aus Venezuela, einem Staat, den die Herrscher des „bolivarischen Sozialismus“ ins Elend gewirtschaftet haben und sich nur mit diktatorischen Mitteln an der Macht halten.

Da aber sozialistische Regime bei vielen Medienschaffenden und Meinungsbildnern immer noch einen Bonus besitzen, wird dieser Flüchtlingsstrom kaum wahrgenommen. Wahrscheinlich, weil er nicht zur mexikanischen Grenze strebt.

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