Mit einer Milliarde unter Strom?

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will den Anteil von Elektroautos durch ein Förderprogramm für private Ladestationen erhöhen, hieß es am Wochenende in deutschen Zeitungen unter Bezug auf eine dpa-Meldung. Dazu habe er für den Haushalt 2020 eine Milliarde Euro zusätzlich gefordert. Da Besitzer von Elektroautos ihr Gefährt die meiste Zeit zu Hause oder am Arbeitsplatz stehen lassen, könnten sie dort auch prima „tanken“. „Wir wollen für die Bürger Ladepunkte und deren Einbau in der eigenen Garage zur Hälfte fördern. Dafür brauchen wir sofort eine Milliarde Euro“, wird der Minister zitiert.

Dann muss nur zu der Zeit noch genug Strom erzeugt werden und die Netzkapazität ausreichen. Dass es diesbezüglich Probleme geben kann, fällt dem Minister aber vielleicht erst auf, wenn die erste Milliarde für die Ladestationen ausgegeben ist und er weitere Folge-Milliarden für die nötigen Infrastrukturinvestitionen fordern muss.

Mir fällt dazu nur eine Geschichte aus einem Dorf nahe dem sächsischen Grimma ein. Dort wurde vor einigen Jahren der alte Gutshof saniert und zu den geförderten Maßnahmen gehörte auch die Errichtung von vier öffentlichen Ladesäulen für Elektroautos. Niemand scheint den Fall eingerechnet zu haben, dass tatsächlich einmal vier E-Mobile auf einmal ihre Batterien laden wollen, doch es geschah. Die Folge: Das Stromnetz im Dorf war damit überlastet und die Energieversorgung brach zusammen. Daraufhin hatten die Behörden nachgerechnet, wie viele Ladestationen auf einmal betrieben werden könnten und verfügten die Stilllegung von zwei der vier einst geförderten Stromzapfsäulen.

Mit der jetzt von Scheuer geforderten zusätzlichen Milliarde ist der Elektromobilität vielleicht aus ähnlichen Gründen nicht flächendeckend geholfen. Aber sie hat das Zeug dazu, das zahlende Publikum mit unzähligen ähnlicher Provinzpossen zu versorgen. Wenn schon Unsinn, so soll er doch wenigstens unterhaltsam sein.

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