Der zweitgrößte Geber schafft es nicht

Deutschland hat sich zum weltweit zweitgrößten bilateralen Geber humanitärer Hilfe entwickelt, verkündete der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen (SPD), gestern stolz im Menschenrechtsausschuss bei der Vorstellung des „Berichts der Bundesregierung über die deutsche humanitäre Hilfe im Ausland 2014 bis 2017“ (19/5720).  In diesem Zeitraum seien die Mittel von 416 Millionen Euro jährlich auf gut das Vierfache, genauer 1,76 Milliarden Euro erhöht worden. Dies wäre eine Antwort auf die Tatsache, dass der humanitäre Bedarf weltweit deutlich gestiegen sei, unter anderem durch die Lage in Syrien, den Konflikt im Jemen und durch Hungerkrisen in Afrika.

Zugleich sei die Finanzierungslücke im Hilfssystem der Vereinten Nationen größer geworden. So sei der von der UNO ermittelte Bedarf von 16,8 Milliarden US-Dollar (2014) auf 23,5 Milliarden US-Dollar (2017) angestiegen. Zum Ende des Berichtszeitraums seien 135,7 Millionen Menschen weltweit auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen. Die bereitgestellten Mittel der Staaten würden aber nicht in gleichem Maße wie die weltweiten Bedarfe wachsen: Seien 2014 noch 63,7 Prozent des von der UNO ermittelten, weltweiten prioritären humanitären Bedarfs gedeckt gewesen, so ist dieser Anteil bis 2017 auf nur noch 50,6 Prozent gesunken. Immer mehr Menschen in Not bekommen also keine oder nur unzureichende Hilfe“, heißt es in dem Bericht. Weltrettung muss man sich eben auch leisten können und wollen. Da kann man noch so stolz auf den Titel des Vize-Hilfsweltmeisters sein, am Ende reicht es offenbar nicht. Wie es so geht, wenn ein „Wir schaffen das“ einzige Leitlinie ist.

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