Stadtrat darf von geförderter Broschüre abraten

Falko Liecke (CDU), Jugendstadtrat von Berlin-Neukölln, darf nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin auf der Homepage seines Bezirks weiterhin von der Nutzung eines umstrittenen Ratgebers der Amadeu Antonio Stiftung („Ene, mene, muh – und raus bist Du“) abraten, meldet der Cicero. Die Broschüre will bekanntlich Erziehern im Umgang mit Kindern aus rechtextremen oder völkischen Elternhäusern helfen. Besonders in die Kritik geraten waren dabei die Passagen mit den Hinweisen, wie sich rechtsextreme Familien erkennen ließen. Danach sei es schon verdächtig, wenn ein Kind „auffallend zurückhaltend ist und wenig von zu Hause erzählt“. Weitere Verdachtsmomente: „Gleichzeitig gibt es keine sogenannten Disziplinprobleme, diese Kinder scheinen besonders ‚gut zu spuren‘. Außerdem sind traditionelle Geschlechterrollen in den Erziehungsstilen erkennbar: Das Mädchen trägt Kleider und Zöpfe, es wird zu Hause zu Haus- und Handarbeiten angeleitet, der Junge wird stark körperlich gefordert und gedrillt. Beide kommen häufig am Morgen in die Einrichtung, nachdem sie bereits einen 1,5-km-Lauf absolviert haben.“

CDU-Politiker Liecke hielt es für absurd, den Erziehern von sportlichen Jungs und Mädchen mit Zöpfen einen Verdacht gegen die Familien anzuempfehlen, und riet auf der Homepage des Bezirks Neukölln von der Nutzung der Broschüre ab. Deshalb hatte ihm die Amadeu-Antonio-Stiftung im Januar eine Unterlassungsaufforderung geschickt. Wenn er die Warnung vor der umstrittenen Broschüre nicht von der Homepage des Bezirksamts lösche, sollte er ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro zahlen. Liecke akzeptierte das nicht und der Fall landete vor Gericht. Nun hat der Stadtrat gewonnen und darf weiter auf der Bezirksamts-Seite vor der Broschüre warnen. Das Vorwort schrieb übrigens Familienministerin Franziska Giffey (SPD), die bis zur Übernahme dieses Amtes Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln war. Das Werk ist zudem vom Bundesfamilienministerium mitfinanziert worden.

1 Kommentar

  1. Ingo

    Tatsache ist: CDU Jugendstadtrat Liecke hat auf der Homepage des BA Neukölln offiziell vor dem viel größeren Problem der Kinder von Eltern, die religiösen Extremismus praktizieren, gewarnt!

    Da er explizit den Kopftuchzwang und Zwangsheirat nennt, geht es zweifelsfrei um islamistichen Extremismus, als viel gravierenderes Problem.

    Die Pressemitteilung vom BA Neukölln 2018

    http://www.berlin.de/ba-neukoelln/aktuelles/pressemitteilungen/2018/pressemitteilung.763299.php

    Noch ein Hinweis zum Schluß:
    die AA Stiftung darf, ebenfalls gerichtlich gesichert Stiftung der Schande genannt werden! (unter Anderem wegen ihres einseitigen denunziatorischen Vorgehens…)

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