Nachhilfe im Fakten-Kampf

Die Deutsche Presse-Agentur lädt Journalisten zum Nachhilfeunterricht. Anders kann man es eigentlich nicht verstehen, wenn die renommierteste deutsche Nachrichtenagentur Redakteure für den „Kampf um Fakten“ ertüchtigen möchte. Einen ganzen Tag lang sollen die Kollegen im Berliner Newsroom der Agentur lernen, Wahrheit und Fakten von Lügen und Fake News zu unterscheiden.

Damit keine Missverständnisse geschürt werden, hier die Nachhilfe-Einladung unter dem schönen Titel „‘Give truth a chance‘ – Erster dpa-Verithon: Branchentreffen von Verifikations-Experten am 4. Juni in Berlin“  im Originalton:

„Der Kampf um Fakten, um vermeintliche Wahrheiten und deren Deutungshoheit tobt im Netz und in deutschen Redaktionen. Verifikation und Faktenchecks bestimmen regelmäßig die nachrichtliche Agenda. Was ist wahr? Was ist gefälscht? Wer profitiert? Die Deutsche Presse-Agentur lädt bundesweit Verifikations-Experten zum ersten Verithon Deutschlands ein. Einen kompletten Tag lang geht es im Berliner Newsroom um Fakten, Desinformationen und Fake-News-Debatten.

„Mehr denn je müssen sich Journalistinnen und Journalisten fragen: Stimmt das, was ich hier auf meinem Bildschirm sehe?“, sagt dpa-Chefredakteur Sven Gösmann. „Wir brauchen dringend einen intensiven Austausch der Redaktionen untereinander. Es geht um die Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit der Medien insgesamt. Wie können Fakes entlarvt werden? Welche Motivationen stehen dahinter? Welche technischen Tools helfen? Mit dem ersten dpa-Verithon, abgeleitet von den Hackathons der Entwickler-Szene, bieten wir ein Forum für praktische Übungen, konkrete Learnings und spannende Diskussionen. Give truth a chance“, so Sven Gösmann weiter.

Unter Federführung von dpa-Verification Officer Stefan Voß geht es beim Verithon unter anderem um Tricks und Tipps für die Redaktionsarbeit, um den Einsatz von KI bei Faktenchecks, um Recherchepraxis, Datenanalyse und Community-Building. Als Talkgast und Diskussionspartnerin wird die Bundestagsabgeordnete Renate Künast erwartet. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen engagiert sich gegen den Hass im Netz („Hass ist keine Meinung“) und stand selber im Mittelpunkt gezielter Desinformationskampagnen.“

Es mag vielleicht daran liegen, dass ich ein älter werdender weißer Mann bin, aber als ich das journalistische Handwerk erlernt habe, gehörte es überall dort, wo man auf Seriosität Wert legte, zu den grundlegenden Voraussetzungen der Berufsausübung, selbstständig rzu echerchieren, zu hinterfragen und Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen zu können. Seinerzeit haben Redakteure noch selbst und eigenverantwortlich verifiziert und dies nicht an einen Verification Officer delegiert.

Nun muss diese Kunst also an einem Nachhilfetag neu erlernt werden? Ist so vielen Kollegen dieses Handwerkszeug abhanden gekommen? Vielleicht haben Jüngere diese Kunst auch gar nicht mehr gelernt oder sie ist durch längere Nichtanwendung in Vergessenheit geraten? Dann brauchen sie wohl diese Auffrischung.

Möglicherweise verstehe ich das aber auch falsch und die Kollegen werden eher mit dem Gedanken vertraut gemacht, sich nicht vorschnell selbst ein Urteil zu bilden, sondern zuallererst einem zertifizierten Verification Officer zu vertrauen.

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