Die Ehen der jungen Frau Ö.

Bekanntlich sind ja mittlerweile alle in Bund und Ländern regierenden und mitregierenden Parteien der Ansicht, dass ein möglichst umstandsloser und voraussetzungsarmer Zugang zum deutschen Pass die Integration erleichtere. Gern sollen ihn die Neubürger auch nur als praktischen Zweitpass annehmen. Und wer hierzulande geboren ist, soll Deutscher sein und bleiben, egal welche Staatsangehörigkeit die Eltern haben und auch vollkommen unabhängig davon, ob er vorrangig in der Werteordnung einer nichtdeutschen Parallelwelt sozialisiert wurde oder nicht. Glaubt man Einbürgerungsromantikern, dann entwickelt sich die Bindung an Deutschland, an Europa und an die dazugehörigen Grundwerte nahezu automatisch, wenn einem alle Rechte eines Staatsbürgers zustehen.

Auch manche Menschen, bei denen die deutsche Staatsbürgerschaft alternativlos ist, weil sie einfach keine andere haben, haben ja bekanntlich zu manchen essentiellen Grundwerten ein, sagen wir höflich, problematisches Verhältnis. Doch statt deshalb nun wenigstens bei potentiellen Neubürgern genau hinzusehen, sollen wir trotz gegenteiliger Erfahrung auf die Integrationskraft des Passes vertrauen? Egal auf welchem Wege genau die 26 Jahre alte Derya Ö. Deutsche wurde, die Staatsangehörigkeit hat in ihrem Falle nicht viel gebracht. Gelegentlich erzählen ja die Mitteilungen der Generalbundesanwaltschaft solche eindrücklichen neuen deutschen Lebensgeschichten, wie die der jungen Frau Ö.:

„Derya Ö. schloss sich im Februar 2014 in Syrien der ausländischen terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat (IS)“ an. Dort heiratete sie nach islamischem Ritus einen Kämpfer der Terrororganisation. Zu diesem stand sie bereits vor ihrer Ausreise aus Deutschland über das Internet in Kontakt. In der Folgezeit lebte Derya Ö. mit ihrem Ehemann in vom IS besetzten Gebieten in Syrien und im Irak. Dort hatte die Terrororganisation Wohnhäuser unter ihre Verwaltung gestellt, nachdem deren rechtmäßige Bewohner vor den Truppen des IS geflohen oder von ihnen vertrieben worden waren. Die Angeschuldigte erhielt mit ihrer Familie zunächst Wohnungen in einzelnen dieser Wohnhäuser und später eines dieser Wohnhäuser zur kostenlosen Nutzung. Derya Ö. führte den Haushalt und betreute das Kind der Eheleute. Für ihre Tätigkeiten zur Förderung der Zwecke der Vereinigung wurde sie monatlich entlohnt. Während einer kurzzeitigen Trennung von ihrem Ehemann heiratete die Angeschuldigte nach islamischem Ritus ein höherrangiges IS-Mitglied. Von diesem wurde sie allerdings drei Wochen später wieder geschieden. Anschließend kehrte sie zu ihrem früheren Ehemann zurück. Von diesem erlernte die Angeschuldigte den Umgang mit vollautomatischen Kriegswaffen. Zudem besaß sie während ihrer Zeit beim IS einen für ein Selbstmordattentat geeigneten Sprengstoffgürtel. Einen solchen Sprengstoffgürtel bot sie auch über einen Messengerdienst zum Verkauf an. Nach der Inhaftierung ihres Ehemannes durch die Vereinigung lebte die Angeschuldigte in einem Frauenhaus des IS.“

Was aus Deryas Kind geworden ist, darüber gibt dieser Bericht keine Auskunft. Immerhin ist dieses Kind durch seine Mutter deutscher Staatsbürger. Dafür sorgt das einst so gescholtene Abstammungsprinzip des alten Staatsangehörigkeitsrechts.  

Bekannt ist, dass Derya nach ihrer Heimkehr nach Deutschland verhaftet wurde, denn die Generalbundesanwaltschaft zieht aus den geschilderten Lebensstationen folgendes Fazit:

„Die Angeschuldigte ist hinreichend verdächtig, sich als Mitglied an der ausländischen terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS) beteiligt (§ 129a Abs. 1 Nr. 1, § 129b Abs. 1 Sätze 1 und 2 StGB) sowie in diesem Zusammenhang in einem Fall gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen (§ 22a Abs. 1 Nr. 2 KrWaffKontrG) und sich in drei weiteren Fällen, ohne dass dies durch die Erfordernisse des bewaffneten Konflikts geboten war, in erheblichem Umfang völkerrechtswidrig Sachen der gegnerischen Partei angeeignet zu haben (§ 9 Abs. 1 VStGB).“

Gelungene Integration hört sich irgendwie anders an.

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