Manuela zeigt Haltung

Der frühere Bundespräsident Joachim Gauck hat bekanntlich nicht nur die Unterscheidung zwischen hellem und dunklem Deutschland erfunden, sondern jetzt auch seine Liebe zu einer „erweiterten Toleranz in Richtung rechts“ entdeckt. Dazu ist schon viel gesagt worden. Aber bislang hatte sich ein politisches Schwergewicht noch nicht dazu geäußert, die SPD-Übergangs-Teilvorsitzende Manuela Schwesig. Jetzt hat die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern das nachgeholt. Nachdem sie im „Berliner Salon“ des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) schwärmte, was für ein tolles Amt das der SPD-Vorsitzenden sei, welches sie aber trotzdem nicht haben wolle, äußerte sie sich auch kritisch zu Gaucks neuer Toleranz:  „Ein großer Teil der Bürgerinnen und Bürger denkt und wählt anders als die Anhänger der AfD“. „Diesen Menschen ist es wichtig, dass die Werte, die dieses Land ausmacht, gegen diejenigen verteidigt werden die sie in Frage stellen“, deshalb „muss man sich auch als Politiker entscheiden, auf wessen Seite man steht“.

Abgesehen davon, dass der Satz ein wenig nach dem DDR-Propagandalied „Sag mir wo du stehst“ klingt, sollte sich die SPD-Übergangs-Teilvorsitzende vielleicht eher darüber Gedanken machen, was jenen „Bürgerinnen und Bürgern“ wichtig ist, die nicht zu den Anhängern der SPD zählen. Diese Bevölkerungsgruppe ist zudem mittlerweile deutlich größer als die der Nicht-Anhänger der AfD. Ein Umstand, den Genossin Schwesig vielleicht auch deshalb gern ignoriert, weil sie nicht weiß, wie am besten darauf zu reagieren ist. Denn eine sozialdemokratische Partei kurz vor dem Untergang müsste eigentlich versuchen, viele von denen wieder zu erreichen. Den Blick nach Norden, zu den erfolgreicheren dänischen Parteifreunden haben sich die deutschen Genossen aber verboten. Wer will an dieses Dilemma schon ständig erinnert werden?

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