Sündenbock-Suche beim Strom-Notstand

Die sogenannte Energiewende sorgt dafür, dass in Deutschland inzwischen zeitweise zu wenig Strom erzeugt wird. Dann müssen uns unsere Nachbarn retten und das kostet natürlich was. Damit die Deutschen nicht irgendwann am Klimarettungs-Kurs ihrer Regierung zweifeln, weil der Strom nicht nur immer teurer wird, sondern vielleicht manchmal ganz ausbleibt, muss man ihnen einen geeigneten Sündenbock präsentieren. Fortschrittliche Journalisten haben da eine gute Idee.

Für Leser der wöchentlichen Strom-Bilanz auf Achgut.com war diese Nachricht bei Spiegel-Online keine Überraschung. Allenfalls der alarmistische Ton überraschte, mit dem diesmal nicht der Weltuntergang, der bei scheiternder „Klimarettung“ droht, beschworen wurde, sondern der drohende Zusammenbruch der Stromversorgung:

„Im deutschen Stromnetz herrschten zuletzt chaotische Zustände: Elektrizität wurde knapp, Nachbarländer starteten Hilfsaktionen, die Preise explodierten.“

Das Nachrichtenmagazin berichtet unter Berufung auf den Netzbetreiber Amprion, dass am 6., 12. und 25. Juni teils deutlich weniger Elektrizität ins Netz eingespeist worden sei, als verbraucht wurde.

„Die „starke Unterspeisung“ sei im sogenannten Markt für Regelenergie aufgetreten, sagte ein Amprion-Sprecher. Dieser dient dazu, kurzfristige Schwankungen auszugleichen, die teils binnen Minuten auftreten. Die Vermeidung solcher Unregelmäßigkeiten ist für die Versorgungsstabilität essenziell wichtig. Gerät das System aus der Balance, schwankt auch die sogenannte Stromfrequenz – was ganze Fabriken aus dem Takt bringen kann.

„Die Lage war sehr angespannt und konnte nur mit Unterstützung der europäischen Partner gemeistert werden“, sagte der Amprion-Sprecher.“

Im Klartext, die Nachbarstaaten, die wir so gern bedrängen, nach deutschem Vorbild gleichzeitig aus Atom- und Kohleenergie auszusteigen, haben den Moral-Weltmeister gerettet. Offenbar ist das aber kein ganz billiges Vergnügen:

„An der Strombörse, wo die Regelenergie gehandelt wird, schlugen in der Folge die Kurse aus. Eine Megawattstunde kostete am vergangenen Samstag in der Spitze 37.856 Euro, obwohl man sie in ruhigen Zeiten teils schon für zehn Euro bekommt. Insgesamt lagen die Regelenergiekosten am 29. Juni bei rund 17 Millionen Euro, an normalen Tagen kommen teils nur wenige Tausend Euro zusammen.“

Müssen wir uns nun auf mehr solche Nachrichten einrichten? Was ist, wenn es mal schief geht? Spätestens dann werden selbst die Energiewende-Begeisterten danach fragen, wie das passieren konnte. Gut, wenn man da schon mal eine Antwort parat hat und nicht erst lange nach dem Sündenbock suchen muss:

„Marktteilnehmer, darunter die Firma Next Kraftwerke, vermuten hinter den Engpässen im Juni das Werk von Spekulanten. Es besteht demnach der Verdacht, dass Händler Versorgungslücken im Regelenergiemarkt zunächst bewusst nicht ausgeglichen hätten, um später höhere Gewinne einzustreichen.“

Natürlich, der gemeine Spekulant – diese Ausgeburt des bösen Kapitalismus – ist schuld, weil der aus Versorgungslücken beim Strom seinen Profit saugen will. Darauf können sich Politik und Medien, also die Träger der veröffentlichten Meinung, sicher im Ernstfall mehrheitlich einigen. Die gemeine Frage, wieso überhaupt erst die Versorgungslücke entstehen konnte, wird lieber nicht gestellt. Wer will schon Energiewende und „Klimarettung“ in Frage stellen? Muss ja zum Glück auch keiner. Der passende Sündenbock für den Strom-Notstand ist ja gefunden: Der Spekulant!

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