Podium nur im Notfall

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat es wirklich schwer, allen Gebührenzahlern gerecht zu werden. Insbesondere im Umgang mit der AfD. Viele Redaktionen mühen sich ja, Haltung zu zeigen und gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, sie würden diese Partei vielleicht so behandeln, wie die anderen Bundestagsparteien.

Dumm nur, dass so viele Wähler trotz aller gut gemeinten Hinweise ausgerechnet dieser Partei ihre Stimme geben und sie beispielsweise als größte Oppositionspartei im Bundestag sitzt. Da kann man sie nicht mit völliger Nichtachtung strafen und muss ihre Vertreter zuweilen auch in Talk-Shows einladen, wie jüngst zu „hart aber fair“.

Dass empört nun die Zuschauer, die gelernt und verinnerlicht haben, dass die AfD eigentlich zu denen gehört, für die es kein Podium geben darf. Ganz so, wie es die Evangelische Kirche auf ihrem letzten Kirchentag vorgemacht hat. Diesen TV-Kunden möchte ein ARD-Mitarbeiter, der immerhin namens der ARD twittern darf, nun erklären, warum zuweilen auch AfD-Politiker vor die Kamera gelassen werden müssen:

„Die Redaktionen der Talksendungen bemühen sich insbesondere, AfD-Vertreterinnen kein Forum für ihre Zwecke zu bieten. Je nach Thema ist es aber von Fall zu Fall nötig, AfD-PolitikerInnen selbst zu Wort kommen zu lassen.“

Das kam nun wiederum bei denen nicht gut an, die sich weniger konsequent von dieser Partei abgrenzen wollen und stattdessen denken, dass man es in einem freien Land tolerieren muss, dass die Stimmen der größten Oppositionspartei genauso Verbreitung in den Medien finden, wie die anderer Parteien auch. Manch einer machte schon böse Vorschläge:

Dann, liebes Erste, sollten Sie aber auch so fair und konsequent sein, den > 6 Millionen AfD WählerInnen, die durch Sie nicht repräsentiert werden, die GEZ-Gebühren zu erlassen.“

Solche Gedanken finden die Gebührensender nur mäßig unterhaltsam. Offenbar sah man sich im Ersten nun wiederum zu einer Reaktion gezwungen.

Sabine Knott, die Leiterin der Zuschauerredaktion Das Erste, distanzierte sich deshalb vom  früheren Tweet:

„Dieser Tweet war leider nicht mit der Redaktion von @Hartaberfair abgestimmt. Dafür entschuldigen wir uns. Wir betonen, dass bei uns für alle Parteien dieselben Standards gelten.“

Nun ja, ein wenig blauäugig ist das schon. Würden die gleichen Standards für alle Parteien gelten, dann käme nicht einerseits kaum eine Erwähnung der AfD ohne das Attribut „rechtspopulistisch“ aus, während man beispielsweise zur Linkenso gut wie nie die mindestens ebenso treffende Zuschreibung „linkspopulistisch“ hört. Da war der Wahrheitsgehalt im ersten Tweet vielleicht doch etwas größer? Oder sollten wir das so verstehen, dass zwar bei „hart aber fair“ dieselben Standards für alle Parteien gelten, aber nicht überall im Ersten?

1 Kommentar

  1. Martin

    Natürlich gelten bei den ÖR für alle Parteien die gleichen Standards.
    Alle Parteien werden in dieselben debilgrünen, dummlinken Runden gesteckt und von denselben Propagandasprechern nach denselben debilgrünen, dummlinken Standards behandelt.
    Es sind halt leider nur nicht alle Parteien dummlinks und debilgrün…

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