Frauen sollten Fensterplätze meiden

Donnerstag, 12. September 2019, auf Gleis drei des Bahnhofs Marbach: In einem dort abgestellten S-Bahn-Waggon wird die Polizei Mädchen und Frauen ab 16 Jahren spezielle Kurse anbieten, in denen sie lernen, wie man richtig mit der S-Bahn fährt. In früheren Zeiten hätte man an dieser Stelle gedacht, dass doch eigentlich jeder als Kind schon das richtige Verhalten im öffentlichen Nahverkehr gelernt haben sollte. Doch scheint in den letzten Jahren das S-Bahn-Fahren für Frauen gefährlicher geworden zu sein. Woran das liegen könnte, das ist eine heikle Frage. Schnell gerät man bei der Beantwortung in den Verdacht einer anrüchigen Gesinnung. Deshalb konzentrieren wir uns hier voll und ganz auf das fürsorgliche Angebot der Polizei.

Die lässt öffentlich auch erklären, dass es eigentlich keinen Grund zur Sorge gebe, aber die Kriminalitätsangst steige. Deshalb finde man es wichtig, einen solchen Kurs anzubieten. Wie gesagt, äußerst fürsorglich.Eine Kriminalhauptkommissarin leitet diesen S-Bahn-Workshop und gibt in den Stuttgarter Nachrichten schon einmal praktische Tipps, wie man als Frau heutzutage S-Bahn fährt:

„Wir empfehlen zum Beispiel, sich in einem Viererabteil nicht ans Fenster zu setzen. Damit man nicht eingekesselt werden kann. Und es schadet auch nicht, die Umgebung zu scannen. Also Kopfhörer raus und Handy weg, damit die Aufmerksamkeit da ist. Und, ganz wichtig: Wenn man beim Einsteigen in einen Waggon ein doofes Gefühl hat, dann geht man besser in einen anderen. Natürlich sieht man den Leuten nicht an, was sie vorhaben, aber wenn man ein schlechtes Bauchgefühl hat, gibt es meistens einen Grund dafür.“

Was war eigentlich anders in den noch gar nicht so fernen Zeiten, in denen sich auch Frauen ans Fenster setzen und sich in ein Buch oder was auch immer vertiefen konnten, ohne ständig die Umgebung scannen zu müssen?

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