Der Hass auf die Zivilstreife

Es ist eigentlich eine beinahe alltägliche Meldung aus der deutschen Hauptstadt: „Bei der Attacke auf eine Zivilstreife am Samstagmorgen auf der Bouchéstraße wurde ein Polizist von Splittern getroffen, zwei erlitten einen Schock. Die Steinewerfer konnten flüchten.“ So hieß es bei tag24.de im Bericht über einen linksextremen Angriff auf eine Zivilstreife der Polizei. Angriffe auf die Polizei aus diesem Milieu sind – wie gesagt – leider nichts Ungewöhnliches. Doch weil es in dieser Meldung hieß, dass die Angreifer auch ein Bekennerschreiben auf indymedia hinterließen, bietet diese Tat ja einen Anlass, mal wieder einen Ausflug in die linksextreme Gedankenwelt zu unternehmen.

Zwar wundert niemanden, dass Linksextreme eine gewisse Gegnerschaft zur Polizei kultivieren, doch allein das reicht manchen Genossen nicht. Sie möchten ihren Kampf mit Steinen gegen eine Polizeistreife schon in einem größeren Zusammenhang sehen. Unter der Überschrift „Gegen jeden Faschismus! – Zivile Streife (B-FL-7130) eingeklimpert“ (Ist „eingeklimpert“ ein gängiges Synonym für Angriffe mit Steinwürfen?) schreiben die kämpferischen Genossen u.a.:

„Wir vergessen zu keiner Minute, dass in jedem Bullen die Ideologie verhaftet ist: Deutschland den Deutschen. Eine Grundlage des täglichen und kaum noch skandalisierten Racial-Profiling, bis hin zu Morden in den Zellen deutscher Knäste oder Hinrichtungen auf der Straße.

In diesem Hass gegenüber allen Bullen die jene rassistischen und antisemitischen Mörder*innen schützen, ihnen Waffen geben, ihnen Kohle rüber schieben, sie klammheimlich und genauso in der Öffentlichkeit decken und zu einem großen Teil ihre Argumente teilen –

In dem Hass, dass die Bullen unter dem Deckmantel des Grundgesetzes ihre Kamerad*innen schützen oder zumindest eine Ideologie, die zu einem Großteil die Ideologie aller Weißen ist –

Und in dem Hass auf zivile Kräfte, die unser Leben und der Menschen im Görli beobachten und notieren um in den richtigen Momenten zuzuschlagen –

In dem Hass darauf, dass all jene, die versuchen dem etwas entgegen zu setzen eingeschüchtert, verurteilt, weg gesperrt oder befriedet werden –

– haben wir Freitag Nacht in Berlin von einer Brücke in Treptow/Bouchéstraße eine Zivilstreife: B-FL-7130 VW Touran, zuständig für Neukölln-Kreuzberg, überwiegend aktiv im Umkreis des Görlitzer Parks, mit Steinen abgeworfen.“

Man kann über so viel Unsinn natürlich nachsichtig den Kopf schütteln – wie es sich das Bionade-Bürgertum bei linksideologischen Verirrungen angewöhnt hat – und sich damit trösten, dass hier ja niemand schwer verletzt oder gar getötet wurde. Aber vielleicht reicht auch hier der Hass irgendwann zu mehr, als „nur“ zu Steinwürfen. Das Bekennerschreiben schließt:

„Gegen jeden Faschismus! Ob in Halle oder Rojava!“

Das geistige Kampfgebiet kennt also augenscheinlich keine Grenzen. Die Steine in der Bouchéstraße, die sie auf Berliner Polizisten werfen, sind für die Genossen offenbar ein Teil eines zeitgleich in Sachsen-Anhalt und Kurdistan ausgefochtenen weltweiten Kampfes. Man könnte solche skurrilen Gedankengebäude amüsant finden, wenn das Gewaltpotential nicht wäre. Aber Letzteres wird doch wohl nicht deshalb gern übersehen, um den Unterhaltungswert absurder Weltanschauungen nicht zu schmälern. Oder?

1 Kommentar

  1. F. Hoffmann

    Ich hatte kürzlich Besuch von einem Bekannten, der öfter in Berlin zu tun hat und in Kreuzberg Verwandtschaft hat. Ich sagte zu ihm, daß mir aufgefallen sei, daß eigentlich nie Autos der dort ansässigen Clans angezündet werden. Er meinte, man ( Linksextreme und Gangs ) kenne sich und die Clans hätten der Szene deutlich gemacht, daß es äußerst unangenehm für denjenigen werden könne, der ihre Autos abfackeln würde. Der Lamborghini auf der Straße bleibt unberührt. Der gebrauchte Mercedes einer normalen türkischstämmigen Familie wurde kürzlich (war im Fernsehen) abgefackelt.

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