Redeverbote an der Hamburger Uni

Ist die Verhinderung einer Vorlesung des Volkswirtschaftsprofessors und einstigen AfD-Mitbegründers Bernd Lucke an der Hamburger Universität ein Einzelfall? Immerhin haben sich ja schon viele Menschen daran gewöhnt, dass man jemanden besser nicht im eigenen Haus öffentlich reden lässt, der irgendwie schon einmal etwas mit der AfD zu tun hatte oder dessen Kritik an der Währungs- oder Migrationspolitik als „AfD-Position“ denunziert wurde. Doch nach und nach – das war zu erwarten – können auch diejenigen von einem solchen Verdikt getroffen werden, die sehr genau darauf geachtet haben, sich nicht einmal dem Grenzbereich des politisch Korrekten genähert zu haben.

An der Hamburger Universität hat es beispielsweise auch den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner getroffen. Er darf nicht bei einer Veranstaltung in der Hamburger Uni reden, was ihm deren Präsident ohne Begründung mitgeteilt habe, wie die Welt jüngst berichtete.

Lindner habe sich daraufhin schriftlich bei Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) beschwert. Er halte es für „höchst bedenklich“, dass die Uni Debatten ihrer Studenten mit Politikern wie ihm ablehne, heiße es in dem Brief. „Ich fordere Sie daher auf, mit der universitären Selbstverwaltung das Gespräch zu suchen und dafür Sorge zu tragen, dass auch die Universität Hamburg wieder zum Ort des lebendigen politischen Meinungsaustauschs werden kann.“

Laut Lindner sei es um eine Diskussionsveranstaltung der Liberalen Hochschulgruppe im November gegangen. Ihm sei die Rede vom Uni-Präsidenten untersagt worden. Da bekamen eventuelle studentische Störer gar keine Chance.

Lindner habe Fegebank am Dienstag vorgeworfen, sie hätte sich schon im Fall Lucke nicht zu einer klaren Positionierung bewegen lassen. Sie müsse jetzt einmal ihre Meinung klarstellen. „Es verdichtet sich der Eindruck, dass Frau Fegebank nur die Meinungen toleriert, die ihrer eigenen entsprechen“, habe Lindner erklärt.

Volkswirtschaftsprofessor Lucke wollte am Mittwoch erneut versuchen, eine Vorlesung an seiner Universität zu halten und kam wieder nicht zu Wort.

1 Kommentar

  1. Jürgen Thiel

    Nachstehender Kommentar durfte in der Kommentarfunktion von „Zeit-Online“ die Zensur nicht passieren:

    Ich erlaube mir eine kleine aber interessante Ergänzung des Artikels:

    Der Hörsaal, in dem die Randalierer ungehemmt die Freiheit der Lehre mit Füßen getreten haben, trägt den Namen „Agathe-Lasch-Hörsaal“.

    Agathe Lasch war eine jüdische Professorin an der Hamburger Universität, die 1934 von randalierenden Nazi-Studenten niedergebrüllt und schließlich von der Universität vertrieben wurde.

    Herr Lucke befindet sich damit in guter Gesellschaft und der brüllende akademische Mob ist einem Beispiel gefolgt, das seiner würdig ist.

    P.S. „Was offenbart Zensur? Angst!“ (Julian Assange)

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