Meisterwerke betreuender Berichterstattung (2)

Gelegentlich wollen wir an dieser Stelle exemplarisch einige der Meisterwerke fürsorglich-betreuender Berichterstattung in Deutschland würdigen. Immerhin mühen sich etliche Medien-Werktätige hierzulande oft, in bestimmten Meldungen ihre Konsumenten nicht mit Fakten zu verunsichern, die zu falschen Weltbildern führen könnten. So hat beispielsweise noz.de gestern eine dpa-Meldung mit folgendem Wortlaut verbreitet:

„Rund 30 Angreifer haben bei einem Überfall auf ein Wettbüro am Samstagabend in Hannover zehn Menschen verletzt.

Die zum Teil Vermummten seien plötzlich in das Geschäft gelaufen und hätten die Menschen dort unter anderem mit Schlagstöcken angegriffen, teilte die Polizei am Sonntag mit. Anschließend flüchteten die Täter in verschiedene Richtungen. 

Zehn Menschen wurden leicht verletzt. Einige von ihnen mussten mit Schürfwunden und leichten Blutungen in einem Krankenhaus behandelt werden. Die Polizei konnte vier Tatverdächtige zwischen 28 und 40 Jahren in der Nähe des Wettbüros festnehmen. Dabei wurde ein Polizist leicht verletzt. Alle Verdächtigen wurden am Samstag nach der Aufnahme ihrer Personalien wieder entlassen.“

Wer also nun glaubt, zu der Gruppe der 30 Angreifer hätten sich Männer mit irgendeinem Hintergrund zusammengefunden, erhält dafür keine Bestätigung. Es wird nicht einmal von Männern gesprochen. Dass auch die Herren fürsorglich vor Generalverdacht bewahrt werden, ist eher selten und verdient eine besondere Würdigung.

Wer meint, die fürsorglich betreuende Berichterstattung hätte längst alle Medien vollumfänglich erreicht, der irrt. Immer wieder unterlaufen Kollegen den Betreuungskodex und streuen verunsichernde Fakten in ihre Texte, wie hier – ebenfalls gestern – im Tagesspiegel. Drei Absätze lang formulieren die Kollegen noch so, wie inzwischen üblich:

„In Trebbin wollten sich zwei junge Männer mit Macheten Zutritt zu einer Diskothek verschaffen. Die beiden waren mit einer Gruppe von bis zu 15 Männern vor dem Lokal in der Ebelstraße, wie die Polizeidirektion West am Sonntag mitteilte. Einem der Männer aus der Gruppe verweigerte der Sicherheitsdienst am Samstagabend den Eintritt, da er Hausverbot hat. Der junge Mann und ein weiterer aus der Gruppe zogen nach Polizeiangaben plötzlich Macheten aus ihren Hosen. Ein 25-jähriger Türsteher konnte einem Schlag mit dem Messer ausweichen. Er blieb unverletzt, flüchtete in den Club und verriegelte die Tür.

Die Gruppe versuchte ins Innere der Diskothek im Landkreis Teltow-Fläming zu gelangen. Dabei zerstörten die Männer nach Angaben der Polizei die Scheiben der Eingangstür. Eine 25-Jährige bekam dabei einen Splitter ins Auge. Sie musste ins Krankenhaus.

Als es den Männern nicht gelang, die Türen aufzubrechen, flüchteten sie in Richtung Bahnhof Trebbin. Die Polizei suchte mit „einem erhöhten Kräfteaufgebot“ und einem Hubschrauber nach den Männern, jedoch ohne Erfolg.“

Doch dann scheint der frühere journalistische Standard, ohne Unterschlagung von Informationen das zu berichten, was geschehen ist, die Kollegen übermannt zu haben, so dass sie den modernen Betreuungsgedanken in der Berichterstattung kurz vergaßen:

„Zur Personenbeschreibung wurde durch Zeugen geäußert, dass die zwei Haupttäter dunkle Hautfarbe und schwarze Haare hatten.“

So wird das natürlich nichts mit einem Meisterwerk im Fach fürsorglich betreuender Berichterstattung.

1 Kommentar

  1. Fugg Censors

    Man muss halt wie im Dritten Reich üblich, den Nachrichten Code entschlüsseln. Biodeutsche und Passdeutsche werden ausdrücklich erwähnt. „Gäste“ werden immer als „Mann“ oder „Männergruppe“ bezeichnet. Auch rote Antifa Horden sind friedliche Protestierer die nur ihre Grundrechte in Anspruch nehmen. Afd rotted sich zusammen und behindert Bürger und Verkehr.
    Diese Art des verschlüsselns nennt man heute „Haltungs Journalismus“. Diktaturen brauchen eben Schreibknechte auf Parteilinie.

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