Kein Anschluss in Berlin

Manchmal fragt man sich, ob diese ewige Nörgelei über das Land Berlin als Failed State in der Bundesrepublik nicht etwas überzogen ist. Als Leidtragender am Nichtfunktionieren der Berliner Verwaltung übersieht man vielleicht, dass es woanders auch nicht besser ist. Gut, ich habe selbst erlebt, dass die Ausstellung eines Personalausweises in Leipzig ohne die in Berlin übliche vorherige nervenzehrende Terminreservierung Monate im Voraus beantragt werden kann. Dort ging es einfach mit Wartemarke, kaum Wartezeit an einem Samstag-Nachmittag bei freundlichen Mitarbeiterinnen – also für Berliner Bürger quasi paradiesische Bedingungen, die einen schon ins Verwaltungs-Exil locken können. Auch, wenn das behördliche Fremdgehen einen kleinen Aufpreis kostet.

Aber gut, man will ja nicht ungerecht sein. Bei den vielen, vielen Erlebnissen des Staatsverfalls in der heimischen Hauptstadt und den positiven Erlebnissen im Leipziger Bürgeramt kann es sich ja um Einzelfälle handeln. Doch kaum ist man einmal in einer versöhnlichen Phase im Hinblick auf die multiple Versagenskultur im Land Berlin, drängt sich die nächste Nachricht auf, mit der alle schlechten Erfahrungswerte wieder offizielle Bestätigung finden. So teilt der Deutsche Bundestag mit, was das Bundesministerium der Finanzen der FDP-Fraktion auf die Frage nach dem Zustand des abgesicherten Netzwerks für Videokonferenzen der Finanzverwaltungen von Bund und Ländern geantwortet hat:

„Dieses geschlossene abgesicherte Netzwerk ermögliche über eine vorhandene Infrastruktur die Zusammenschaltung von bis zu 30 Teilnehmern. Das Land Berlin verfüge derzeit über keinen Anschluss an das Verbindungsnetz, teilt die Bundesregierung weiter mit.“

Damit sei – diese Information enthielt die Bundestagsmitteilung schon in der Überschrift – das Land Berlin das einzige der deutschen Länder ohne diesen Anschluss. Die deutsche Hauptstadt ist offenbar doch ein ganz besonderer Einzelfall.

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