Schöner Töten für die Demokratie

Das „Zentrum für Politische Schönheit“ hatte ja bekanntlich kürzlich mit der Nutzung der Asche ermordeter Juden kein großes Glück und selbst in der eigenen Gefolgschaft etwas an Ansehen verloren. Die selbsternannte „Sturmtruppe zur Errichtung moralischer Schönheit, politischer Poesie und menschlicher Großgesinntheit“ musste daraufhin kurz einen taktischen Rückzug antreten, ging aber nun wieder in die Offensive. Im aktuellen Frontbericht der Sturmtruppe für schöne Großgesinntheit heißt es:

„Vergangene Nacht hat unser Sonderbetonkommando (SBK) im Regierungsviertel ein 4 Tonnen schweres Stahlbeton-Fundament unter den Augen der Polizei gegossen. Die Gedenkstätte wurde im Vorfeld komplett überarbeitet zur: Schwur- und Gedenkstätte gegen den Verrat an der Demokratie. Und der Kern ausgetauscht.

Ein Statikergutachten liegt vor, damit die Standsicherheit auf 30 Jahre gewährleistet ist und die öffentliche Sicherheit nicht gefährdet wird – im Gegenteil! Auf der Säule prangt jetzt der Schwur, den wir beim Zivilgesellschaftlichen Zapfenstreich gegen die AfD schwören wollten. Er stammt aus dem Jahr 410 v. Chr.“

Wir wollen jetzt nicht kleinkrämerisch fragen, wer sich im Jahre 410 vor Christi Geburt denn schon mit Schwüren gegen die AfD beschäftigt hat, sondern uns hier lieber um Inhalte kümmern. Also, was schwört man denn in der Sturmtruppe so gegen „den Verrat an der Demokratie“:

„Ich schwöre Tod durch Wort und Tat, Wahl und eigne Hand – wenn ich kann – jedem, der die Demokratie zerstört.“

Also die Großgesinnten mit ihrer Sturmtruppe wollen, dass man bei ihnen schwört, mit Wort, Tat und eigner Hand den Tod von jedem Menschen herbeizuführen, „der die Demokratie zerstört“? Würde man die Akteure des „Zentrums für Politische Schönheit“ für vollkommen zurechnungsfähig halten, müsste man von einem Mordaufruf sprechen. Oder geht’s hier nur ums schöner Töten für die Demokratie?

Wir müssen uns gar nicht den Rest einer guten Laune damit verderben, über das Demokratieverständnis dieser Sturmtruppler zu räsonieren. Es reicht, sich und die Geschichtsvergessenen daran zu erinnern, zu welchen Anlässen die Deutschen geschworen haben, durch Wort, Tat und eigne Hand aktiv am Tod anderer mitzuwirken.

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.