Weltbank warnt vor beispiellosem Schulden-Wachstum

FUNDSTÜCK:

So eindringlich habe noch selten eine internationale Organisation gewarnt: «Die Welle der Verschuldung seit der Finanzkrise ist in ihrer Größe, Geschwindigkeit und Reichweite in den Schwellen- und Entwicklungsländern beispiellos», zitiert die NZZ aus einem Schreiben der Weltbank.

Von 2010 bis 2018 sei die Verschuldung in den Schwellen- und Entwicklungsländern um 54 Prozentpunkte auf 168 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen. Dabei gehe es um Schulden der öffentlichen Hand und von Privaten. Ein Großteil dieses Anstiegs gehe auf das Konto von China, das immer noch als Schwellenland gilt und dessen Schuldenstand in dieser Zeitspanne sogar um 72 Prozentpunkte auf 255 Prozent am Bruttoinlandprodukt (BIP) zugenommen habe. Allein das wäre schon beunruhigend. Im Fall von China seien die Kredite besonders in den Immobiliensektor und an Staatsfirmen gegangen. Aber auch ohne China sei die Verschuldung in den meisten Ländern gestiegen: In jedem dritten Schwellen- und Entwicklungsland nahm die Schuldenquote seit 2010 um über 20 Prozentpunkte zu, berichtet die NZZ unter Berufung auf die Weltbank weiter.

Die Volkswirtschaftler hätten seit 1970 rund 520 Episoden gezählt, in denen sich der Schuldenberg eines Landes stark vergrößert habe. In der Hälfte der Fälle wäre diese Entwicklung in einer Finanzkrise gemündet.

Weitere Gründe würden der Weltbank nun Sorgen bereiten. Erstens hätten die Schwellen- und Entwicklungsländer deutlich an Wachstumstempo verloren. Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum sei von real gut 7 Prozent pro Jahr im Jahr 2010 kontinuierlich auf noch etwas über 4 Prozent gesunken

Zweitens hätten die Schwellen- und Entwicklungsländer die öffentlichen Investitionen zurückgefahren: von 2,1 Prozent am Bruttoinlandsprodukt im Schnitt der Jahre 2002 bis 2009 auf noch 0,9 Prozent von 2010 bis 2018. Man müsse deshalb befürchten, dass die höhere Kreditaufnahme nicht in erster Linie dazu diene, die Infrastruktur auszubauen oder in Bildung zu investieren.

Drittens habe sich das Leistungsbilanzdefizit von durchschnittlich 3,1 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2010 auf zuletzt 4,5 Prozent erhöht – das sei noch nicht dramatisch, mache diese Länder aber doch verwundbarer.

Letztlich sei der wachsende Schuldenberg in den Schwellen- und Entwicklungsländern auch eine gravierende Nebenwirkung der extrem lockeren Geldpolitik in den Industriestaaten, vermerkt die NZZ. Es brauche aber bei immer höheren Schuldenständen dann nicht viel, um eine Krise auszulösen. Zu denken sei etwa an stark sinkende Einnahmen aus dem Rohstoffgeschäft oder an Zweifel an der Güte von Unternehmensanleihen in China.

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