Mehr Prinzessinnen für den Karneval

Der gesellschaftliche Fortschritt hat nun auch die Narren erreicht, bzw. die Närrinnen und Narren oder besser gesagt, die Närr*innen, obwohl doch eigentlich Na/ärr*en/innen noch richtiger wäre … egal: Auch die Alaaf- und Helau-Rufenden müssen sich wohl umgewöhnen. „Karneval: Kritik nach Ausschluss von lesbischem Paar“, überschrieb mz-web.de eine Agenturmeldungen, wodurch sich die in der Meldung beschriebene Entscheidung des Verbands Saarländischer Karnevalsvereine schon als skandalös andeutet. Zur Wahl des traditionellen Prinzenpaares durfte besagtes lesbische Paar – also ein reines Prinzessinnen-Paar aus zwei Prinzessinnen – nicht antreten. In der Meldung heißt es wörtlich weiter: „Bisher habe sich die Auffassung ergeben, dass die traditionellen Repräsentanten des saarländischen Brauchtums ein Prinzenpaar, bestehend aus Prinz und Prinzessin darstellen. Der Verband habe aber nun wahrgenommen, dass diese Festlegung an die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung angepasst werden müsse.“

Also muss das Brauchtum nun gegendert werden. Allerdings wären ja bei der Wahl eines Prinzessinnen-Paares wiederum alle potentiellen Prinzen von diesem wichtigen Karnevals-Amt ausgeschlossen. Müsste nicht auch die karnevalistische Gleichstellungsbeauftragte auf den Plan treten und Regeln fordern, dass alle Geschlechter, also auch Männer, in der Karnevals-Führung hinreichend vertreten bleiben? Hat am Ende der Verband der Saarländischen Karnevalsvereine vielleicht gar keine Gleichstellungsbeauftragte, die sich um die Geschlechtergerechtigkeit im saisonalen Vergnügungswesen kümmert?

Es gibt offenbar in vielen gesellschaftlichen Bereichen noch einiges zu tun für all die hoffnungsvollen jungen Menschen, die sich dem Studium der von den Steuerzahlern aller Geschlechter geförderten Gender-Wissenschaften widmen, um dieses Land zum Besseren zu verändern. Wer sonst sollte eine geschlechtergerechte Lösung für künftige Prinz*en/essinnen*paare im Karneval finden? Sollen sie vielleicht rotieren? In einem Jahr Mann/Frau, im nächsten Frau/Frau, im Jahr darauf Mann/Mann und ein Jahr später ein Paar aus anderen geschlechtlichen Identitäten? Oder gibt’s künftig vielleicht einfach jährlich vier Prinz*en/essinnen*paare je Karnevalsverein?

Ohne Gender-Ausbildung käme man nämlich sonst auf so absurde Ideen, dass man, wenn einem das gepflegte Karnevals-Brauchtum nicht passt, einfach einen eigenen Verein gründen und dort ganz frei sein eigenes Brauchtum kreieren und ausleben kann. Wer es dann ebenso mag, kann sich dem anschließen, wer beim Althergebrachten bleiben möchte, tut das und wer – wie der Autor dieser Zeilen – mit Karnevalsbrauchtum gar nichts anfangen kann, macht zeitweise einen Bogen um dessen Hochburgen.

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