„Nicht mehr händchenhaltend auf die Straße gehen“

„Sie seien in einer Gruppe gekommen und hätten sofort randaliert, sagt der Mitarbeiter. Mit Farbe quer über die Regale mit Sex-Spielzeug und Filmen gesprüht, herumgeschrien, Ware auf den Boden geworfen. Ein anderes Mal sei es ein einzelner Halbstarker gewesen, der den Mann hinter dem Tresen bespuckte.

„Man steht einfach da und ist fassungslos“, sagt der Mitarbeiter, der lieber nicht namentlich genannt werden will. „Die hassen uns, weil das nicht in ihr Bild passt, dass Männer sich lieben können“.

So beschreibt das Hamburger Abendblatt einen exemplarischen Fall im Hamburger Stadtteil St. Georg für die steigende Zahl von Übergriffen auf schwule Männer und deren Treffpunkte. Ein halbes Dutzend Mal habe es in den vergangenen Jahren Angriffe auf das eine Geschäft gegeben, wobei die vielfachen Beleidigungen nicht mitgezählt seien. „Es sind immer junge Männer mit Migrationshintergrund, die wohl nebenan in ihrer Community abhängen und in die Moschee gehen“, wird ein Mitarbeiter zitiert.

Eigentlich – so heißt es in dem Artikel – galt St. Georg als Beispiel dafür, dass auch strenggläubige Muslime und Homosexuelle friedlich nebeneinander im selben Viertel leben können. Doch das scheint sich nach und nach zu verändern, wenn auch ein Vertreter des Hamburger Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) dem Abendblatt sagt: „Es ist leider nicht mehr so, dass man als schwules Paar noch sorglos Händchen haltend über den Steindamm gehen kann“.

Der Geschäftsführer des angegriffenen Ladens würde bilanzieren, dass sich die Lage für seinen Betrieb insbesondere in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert habe:

„‘Die Zeiten, in denen der Steindamm eine Sexmeile war, sind lange vorbei. Es sind auch Menschen dazugekommen, die einfach eine ganz andere Kultur mitbringen. Das prallt aufeinander.‘ Er würde auch einem lesbischen Paar nicht empfehlen, im orientalisch geprägten Teil von St. Georg offen seine Liebe zu zeigen.“

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