Ordens-Überraschung beim Opernball?

Am 7. Februar wird in der schönen Dresdner Semperoper wieder Opernball gefeiert. Er soll, wie jedes Jahr, zu einem glänzenden Ereignis in der sächsischen Hauptstadt werden. Doch seit einigen Tagen regt sich in den Medien Unmut. Es geht dabei um den St. Georgs-Orden, der – trotz seines eindrucksvollen Namens – eigentlich nicht mehr ist, als eine Opernballauszeichnung. Dennoch haben in den vergangenen Jahren so einige Mächtige dieser Welt den Ball-Orden gern zur Zierde angenommen. Selbst Männer, die sich zum Islam bekennen, störte es nicht, dass der Orden nach einem christlichen Heiligen benannt ist. Im Grunde zu Recht, denn auch für die Ordensverleiher dürfte dies keine allzu große Rolle spielen.

Aber darum ging es nicht bei der kleinen Unruhe im medial-politischen Raum, sondern um den diesjährigen Preisträger: Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Dieser sei ein Autokrat, der keine Auszeichnung verdiene, war die mildeste Form der Kritik, die die Ordens-Entscheidung vielerorts auslöste. Opernball-Chef Hans-Joachim Frey hatte die Auswahl zunächst noch damit gerechtfertigt, dass der Ball eine Kultur- und keine politische Veranstaltung sei. Zudem sorge Al-Sisi in Ägypten für Stabilität, den Aufbau der Gesellschaft, für Kultur und Bildung – und er wäre als Präsident der afrikanischen Union die Stimme Afrikas. Am Dienstagabend dann ruderte der Ballvereins-Chef zurück: „Wir möchten uns für diese Preisverleihung entschuldigen und davon distanzieren. Die Verleihung war ein Fehler“, hatte Frey nach Pressemeldungen mitgeteilt.

Das ist zwar zu spät, Frey hat den Opern-Orden in Kairo dem Präsidenten bereits überreicht, war aber unvermeidlich, weil es selbst die eingekauften Moderatoren des Opernballs für angeraten hielten, sich öffentlich über diese Entscheidung zu entrüsten. Überraschenderweise erweckten sie den Eindruck, als hätten sie nicht geahnt, dass es einen solchen Preisträger geben könnte, als sie sich zum Gala-Event anheuern ließen. Das Medien-Echo war entsprechend. Als Beispiel hier ein paar Zeilen aus der Berichterstattung der Berliner Zeitung:

Schlagersänger Roland Kaiser und „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers, die durch den Abend führen sollen, zeigten sich am Dienstag „irritiert“, sie sind „in Gesprächen über die Konsequenzen“. Auch der Oberbürgermeister der sächsischen Landeshauptstadt, Dirk Hilbert (FDP), prüft seine Teilnahme. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) behält nach Angaben der Staatskanzlei die Schirmherrschaft und wird den Ball wie geplant eröffnen.

Für Rakers ist der Ball mit der Ordensverleihung an Al-Sisi zum Politikum geworden. „Mich irritiert diese Verleihung sehr, und ich bin seitdem in Gesprächen über die Konsequenzen, die ich als Moderatorin des Balls ziehen möchte“, schrieb sie auf Twitter. Aus dem „rauschenden kulturellen Ereignis“ sei „ein politisches geworden“, schrieb Kaiser auf Facebook – ebenso irritiert wie seine Kollegin. Seit Bekanntwerden dieser Verleihung sei er „in Gesprächen über die Konsequenzen, die ich voraussichtlich ziehen werde“.

Verwunderlich an dem ganzen Vorgang ist eigentlich nur, dass die Geladenen, die ihre Prominenz gern mit etwas Opernball-Glanz aufhellen wollten, nun, da es angesagt ist, sich zu distanzieren, Überraschung ob der Preisvergabe heucheln. Insbesondere jemand aus dem journalistischen Gewerk wie Judith Rakers hätte wissen müssen, dass man beim Dresdner Opernball als Preisträger nicht zwingend nur lupenreine Demokraten und Freiheits-Liebhaber findet. Ein Klick auf den Wikipedia-Eintrag über den Opernball genügt, um zu sehen, dass der Verein diesbezüglich nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen hat. Neben zweifelsfrei honorigen Ordensträgern finden sich hier auch 2009 der russische Präsident Wladimir Putin, im Jahr 2016 der seinerzeit als de-facto-Außenminister des Oman geltende Youssef al-Alawi Abdullah – also ein Vertreter einer absoluten Monarchie, in der politische Parteien verboten sind und Menschenrechte allenfalls im Rahmen der Scharia gewährt werden, im Jahr 2017 Salman bin Abdulaziz bin Salman Al Saud, ein Prinz aus Saudi-Arabiens Königsfamilie, um deren Verhältnis zu Freiheit, Demokratie und Menschenrechten wohl nirgends Illusionen bestehen dürften und im Jahr 2018 Ameenah Gurib, die im gleichen Jahr als Präsidentin von Mauritius wegen Bestechung und Korruptionsvorwürfen zurücktreten musste.

Gut, insbesondere wie im letztgenannten Fall kann man mit Ordensverleihungen einfach auch Pech haben und Fehler machen. Dennoch dürfte niemand überrascht sein, wenn man bei der Dresdener Opernball-Ordensverleih-Politik Preisträger vom Kaliber al-Sisi präsentiert bekommt.

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