„Keine Missverständnisse“

Der verstorbene Ralph Giordano im Originalton

Es gibt viele Zitate von ihm, an die jetzt anlässlich seines Todes erinnert wird. Auch wir wollen an ihn – statt eines Nachrufs – kurz mit seinen eigenen Worten erinnern, zitiert aus einem vier Jahre alten Offenen Brief an den damaligen Bundespräsidenten Wulff. Mag das Zitat auch ein paar Jahre alt sein, es ist aktuell. Auf einer Youtube-Seite, die ein älteres Streitgespräch von Ralph Giordano mit Bekir Alboğa zeigt (mehr hier), hat, kommentierte der Betreiber des Youtube-Kanals „Gegen Zensur“ kurz nach der Nachricht von Giordanos Tod: „Dieser Drecksjude macht sich so lächerlich“.

Zuschrift
Selbiger Betreiber ist übrigens Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan. Den feiert er: „Bester Mann, die Türkei hat wenigstens noch selbstdenkende Politiker mit eigener Meinung. Hier in D einer amerikanischen Vasallenkolonie undenkbar, wobei unsere Kanzlerin selbst eine Jüdin ist und Israels Kriegsverbrechen zur deutschen Staatsräson erklärt hat….kranke Welt“. (mehr hier)Doch nun Ralph Giordano aus dem Jahr 2010 an den damaligen Bundespräsidenten:“ Auch der Islam des von Ihnen stets hoch gelobten Recep Tayyib Erdogan, türkischer Ministerpräsident, der am 28. November 2010 in Düsseldorf vor einem kochenden Auditorium mit den Worten „Ich bin euer Präsident!“ eine Kriegserklärung an die Integration abfeuerte (wie schon drei Jahre zuvor, am 10. Februar 2008, in der Köln Arena mit der aberwitzigen These „Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“). […] Warum stehen Sie nicht auf gegen das niederträchtigste aller niederträchtigen Totschlagargumente der Political Correctness: “Kritik am Islam gleich Rassismus und Fremdenfeindlichkeit”? Ein Xenophober, der sich Gedanken macht, ob das Kopftuch bei zwölfjährigen Mädchen ein Zeichen religiöser Selbstbestimmung ist oder eine von den Eltern verordnete Zwangsmaßnahme? Ein Ausländerfeind, wer stutzt über das Ausmaß von Gewalt an Frauen in den muslimischen Paarbeziehungen? Ein Rassist, wer hinterfragt, warum die Selbstmorde junger Muslima fünfmal höher sind als die bei Frauen ohne “Migrationshintergrund”? Ein Türkenschreck, der den signifikant überdurchschnittlichen Anteil von Migranten an der Jugendkriminalität beklagt? Ein Antimuslim-Guru, wer sich darüber entsetzt, dass muslimische Frauen und Mädchen mitten unter uns tödlich gefährdet sind, sobald sie archaischen Auffassungen im Elternhaus trotzen und mit der Integration ernst machen wollen?[…] Keine Missverständnisse: Es bleibt die Ehre der Nation, jeden Zuwanderer, Fremden oder Ausländer vor der Pest des Rassismus und seinen Komplizen zu schützen. Gleichzeitig ist es bürgerliche Pflicht, sich gegen Sitten, Gebräuche, Traditionen und Mentalitäten zu wehren, die jenseits von Lippenbekenntnissen den freiheitlichen Errungenschaften der demokratischen Republik ablehnend bis feindlich gegenüberstehen. […] Es ist keineswegs unbedrohlich, eine kritische Meinung zu äußern. Ich bin mein ganzes Leben lang bedroht worden. Aber was seit meiner Kritik an der Köln-Ehrenfelder Großmoschee von muslimischer Seite mit einer religiös-fanatischen Note dazukommt, das kann selbst einen terrorgewohnten Mann wie mich beeindrucken. Aber abhalten, auch weiterhin an der Seite kritischer Muslime und Muslima zu stehen, wird es mich nicht. Mein Antrieb: Nach den Erfahrungen in Hitlerdeutschland gibt es nur eine Gesellschaftsform, in der ich mich sicher fühle – die demokratische Republik. Wer sie antastet, ob Muslim, Christ oder Atheist, der hat mich am Hals.“ (vollständiger Text hier, Lebensdaten hier)

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