Frieren für überflüssigen Wind-Strom

Wenn Windräder bei starkem Wind mehr Strom erzeugen, als das Netz verkraften kann, werden nicht sie, sondern die Stromerzeugung von Biogasanlagen zwangsweise abgeschaltet. An solchen Anlagen hängt aber oft auch ein Fernwärmenetz für die Umgebung. Für alle, die an einem solchen Netz hängen, heißt das: Die Heizung fällt aus, damit die Windräder weiter Strom erzeugen können, den keiner braucht. Offenbar ein bislang wenig bekannter Kollateralschaden der Energiewende. Und lehrreich, was die Hierarchie der alternativen Energieerzeuger angeht.

Bei starkem Wind wird’s künftig kalt. Das haben viele Fernwärme-Kunden in Theuma, einer Gemeinde im sächsischen Vogtland jetzt erfahren. Begeistert waren die meisten von ihnen ohnehin nicht, als ein Windpark-Betreiber das Aufstellen seiner Windräder durchsetzte. Aber sie dachten dabei mehr an die verschandelte Landschaft und an tote Vögel. Dass wegen der Windräder auch die eigene Heizung ausfallen könnte, hatten sie nicht erwartet.

Der Grund liegt darin, dass in der Gemeinde schon auf andere Weise an der politisch gewünschten Energiewende gearbeitet wird. In Theuma gibt es eine Biogasanlage. Die erzeugt Strom, der ins Netz eingespeist wird, und Wärme für ein örtliches Fernwärmenetz. Gemeinhin gilt diese Art der Kraft-Wärme-Kopplung als ökologisch vorbildlich und wird deshalb auch gefördert.

Wenn allerdings die ebenfalls mit Förderung bedachten Windräder auf den Plan treten, dann wird es kritisch. Sind es derer zu viel, dann produzieren sie bei entsprechendem Wind zu viel Strom. Das Netz wird überlastet. Also muss abgeschaltet werden. Allerdings werden dann nicht die wetterabhängigen Windräder vom Netz genommen, sondern die kontinuierlich produzierende Biogasanlage.

Der regionale Energieversorger musste – nicht nur in Theuma, sondern auch in anderen Orten der Region – im Dezember die Stromproduktion mehrfach abschalten.  Und wenn kein Strom produziert werden kann, funktioniert auch die Wärmezeugung nicht. Das Biogas entsteht in den Anlagen aber trotzdem und muss in einem solchen Falle völlig nutzlos abgefackelt werden. Was tut man nicht alles dafür, dass sich die Windräder drehen können.

Wenigstens müssen nicht alle Fernwärmekunden in einem solchen Falle frieren. Für den Havariefall stehen noch Alternativen in Bereitschaft. Geheizt wird dann mit Öl und russischem Gas.

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