Unschuldige Ideologen

Deutsche Wissenschaftler und selbstverständlich auch deutsche Wissenschaftlerinnen sehen sich ja oftmals wie die Generationen vor ihnen in weltweit führender Position. Gut, heutzutage sind es nicht mehr die naturwissenschaftlichen und technischen Fachgebiete, auf denen die Deutschen signifikante Vorsprünge zeigen, dafür sehen sie sich in den weltanschaulichen Disziplinen immer noch an der Spitze des Fortschritts. Ob es um die richtige Geschlechtergerechtigkeit geht, moralisch höchstwertige Energieerzeugung, Ernährung und Fortbewegung oder in Fragen der anderen Religionen, bei denen es sich neben dem Klima auch noch irgendwie um Gott dreht – wo findet man eine überlegenere Haltung als zwischen Oder und Rhein?
Auch den Islam kann eine deutsche Wissenschaftlerin viel besser erklären, als Männer, die aus dem islamischen Kulturkreis stammen und sich mit der Islamideologie kritisch auseinandersetzen. Das scheint zumindest Angelika Neuwirth für sich in Anspruch zu nehmen, wenn sie den Islam gegen Islamkritiker verteidigt und dafür von IslamiQ freudig zitiert wird:
„Die Islamwissenschaftlerin Angelika Neuwirth hat vor einer oberflächlichen Islamkritik gewarnt. Auf die Frage nach ihrer Haltung zu den Positionen von Publizisten wie Necla Kelek, Hamed Abdel-Samad und Ahmad Mansour sagte Neuwirth im Interview der jüngsten Ausgabe der „Herder Korrespondenz“: „Es lohnt sich natürlich, solche – oft – emotional vorgetragene Kritiken anzuhören, auch wenn sie oft von oberflächlich religiös Gebildeten kommen. Man findet aber meist rasch den Schwachpunkt: mangelndes Wissen über den historisch gewachsenen Islam, das solchen Sprechern die Selbstsicherheit gibt, vermeintlich für den Islam charakteristische Missstände anzuprangern und so das Kind mit dem Bade auszuschütten.“
Es sei nicht zu leugnen, dass heute religiöse Gewalt und Terrorismus besonders oft vom Islam ausgingen. Ihm sei nach Ende des Kalten Krieges die Rolle des „globalen Gegenspielers“ zugefallen. „Beschäftigungslose“ muslimische Kämpfer hätten sich an neue Auftraggeber wie die Terrororganisation al-Qaida gewandt. Die Anschläge vom 11. September 2001 verdankten sich jedoch nicht dem Koran, sondern saudischen Geldgebern, die extremistische Prediger finanzierten. „Die dort geförderte wortwörtliche Lesart des Koran, die keinen Kontext berücksichtigt, verhalf dazu, auch im Koran Gewalt rechtfertigende Verse zu finden und hochzuspielen.“
Die Ideologie, die Ideologen und ihre Anhänger sind demnach eigentlich unschuldig. Auch diese Weltsicht gehört unzweifelhaft zu Deutschland.

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