Ein Meisterwerk betreuender Berichterstattung aus Oberfranken

Der frühere deutsche Innenminister Thomas de Maiziere hat bekanntlich vor einigen Jahren gesagt, er wolle keine Informationen verbreiten, die die Bürger nur beunruhigen könnten. In Zeiten, in denen für den deutschen Journalisten die richtige Haltung mehr zählt als die Vollständigkeit der Informationen, sollten Fakten, die weltanschaulich schädlich sein könnten, möglichst nicht verbreitet werden. Das ist für einen Berichterstatter manchmal gar nicht so einfach, doch zuweilen entstehen kleine Meisterwerke des betreuenden Nicht-Berichtens. So eines ist heute in der Welt in einem Bericht aus dem oberfränkischen Rehau erschienen.

Die Kleinstadt hat bekanntlich das Pech, in den Medien gerade als „Hotspot“ in Sachen Corona-Virus gehandelt zu werden, weil innerhalb weniger Tage 15 Menschen positiv auf Covid-19 getestet wurden. Wir wollen jetzt nicht darauf eingehen, ob es gerechtfertigt ist, bei 15 Infektionen – wohlgemerkt offenbar noch keinen Erkrankungen – von einem „Ausbruch“ zu schreiben, ganz so als würde die Seuche alsbald reihenweise Oberfranken dahinraffen. Die Sensibilität des Berichterstatters war schließlich wegen eines anderen Umstands gefordert, denn die meisten der 15 Infizierten sollen aus dem Umfeld einer Familie stammen.

Dummerweise fragen sich die Leser angesichts dieser Nachricht, was für eine Familie das wohl sein mag und wenn es um ansteckende Krankheiten geht, kann man dieser Neugier auch keine niederen Motive unterstellen. Andererseits gibt es besonders empfindliche Bevölkerungsgruppen, deren Ruf nicht beschädigt werden sollte, auch nicht durch Fakten. Die Lösung des Berichts aus Oberfranken:

„Zwölf der 15 Infizierten gehören nach Angaben des Landkreises einer Bevölkerungsgruppe an. Diese werde deshalb aktiv per Telefon aufgefordert, sich testen zu lassen, hieß es. Um welche Bevölkerungsgruppe es sich dabei handelt, gab das Landratsamt nicht bekannt.“

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