Magomeds Ratschlag für Rheinsberg

Sie erinnern sich vielleicht: Achgut.com hatte an dieser Stelle jüngst über den „Frieden in Rheinsberg“ berichtet (auch hier). Die Stadt war ja bis dato vor allem bekannt durch Fontane und Tucholsky als Idylle mit dem Residenzschloss des jungen Friedrich, bevor er der Große wurde. Doch jetzt zeigt sie auch, wie „Willkommenskultur“ noch nach fünf Jahren gelebt wird. Hier wollte man nach aufsehenerregenden Massenschlägereien nicht einfach nur auf die Staatsmacht und deren Durchsetzung geltender deutscher Gesetze vertrauen, sondern, ganz im Sinne der früheren Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), die Regeln des Zusammenlebens von Einheimischen und Zuwanderern mit Letzteren neu aushandeln. Die Zeiten, als man es für selbstverständlich hielt, dass sich jemand, der sich in friedlicher Absicht in der Fremde ansiedeln will, an die im Gastland geltenden Regeln zu halten hat, scheinen schon in einer weit entfernten Vergangenheit zu liegen.

Aber zurück zur Geschichte: Aus einem Streit von Deutschen und Polen mit tschetschenischen Asylbewerbern entwickelte sich erst eine Massenschlägerei und anschließend eine Machtprobe. Tschetschenische Großfamilien sind nun einmal in der Lage schnell eine kampfbereite Hundertschaft kräftiger Männer zu mobilisieren. Das taten sie und schickten sie in die brandenburgische Provinz. Zwar war auch die Polizei mit zusammengezogenen Kräften vor Ort, um einen größeren Gewaltausbruch zu verhindern, doch letztlich schien man sich in der Stadt nicht so ganz darauf verlassen zu wollen, dass die Präsenz der geballten Staatsmacht ebenso lange aufrecht gehalten werden kann, wie die der tschetschenischen Hundertschaft. Die Kontrahenten der ersten Massenschlägerei einigten sich – unter Vermittlung eines tschetschenischen Streitschlichters – in Gesprächen auf eine Art Waffenstillstand. Bemerkenswert daran war, dass diese Schlichtungsgespräche von Polizei und Staatsschutz begleitet wurden, wie es in Berichten hieß. Entwickelten sich hier tschetschenische Streitschlichter zu Verhandlungspartnern deutscher Behörden? Mancher Alteingesessener mochte bei dem Gedanken etwas beunruhigt sein, dass die Regeln in seiner Stadt nun mit zugezogenen Großfamilien ausgehandelt werden. Doch keiner kann sagen, er hätte es nicht gewusst, dass das auf ihn zukommt. Man hätte vor fünf Jahren nur die oben erwähnte damalige Integrationsbeauftragte aus dem Kanzleramt ernst nehmen müssen, als sie den Deutschen sagte, sie müssten jetzt das Zusammenleben mit den Zuwanderern täglich neu aushandeln.

Und in Rheinsberg sollte es nicht bei Friedensverhandlungen nach einer Massenschlägerei bleiben. Jüngst gab es weitere Gespräche mit dem Ziel, das ständige Verhandeln über die Art des Zusammenlebens irgendwie zu institutionalisieren. Im „tschetschenischen Wohnverbund“, wie es die Lokalpresse schön umschreibt, sollen noch in diesem Monat ein Mann und eine Frau gewählt werden, die künftig als direkte Ansprechpartner für Stadt- und Kreisverwaltung fungieren sollen, wenn es zu Konflikten kommt. Das hatte der brandenburgische Landtagsabgeordnete Peter Vidá (BVB/Freie Wähler) im Auftrag des Beirates für Integration und Migration mitgeteilt. So berichtete die Märkische Oderzeitung (moz.de):

„In dem gedolmetschten Gespräch am Mittwoch betonte Landtagspräsidenten Ulrike Liedtke (SPD) die Wichtigkeit gegenseitigen respektvollen Umgangs. Bürgermeister Frank-Rudi Schwochow (BVB/Freie Wähler) stellte die Probleme mit Regelverstößen dar und bat die Bewohner des Wohnverbundes, ihre Landsleute dafür zu sensibilisieren.[…]

Peter Vidá schlug vor, im Kreis einen Migrationsbeirat zu wählen, wie es ihn in anderen Regionen schon gibt, um so demokratisch legitimierte Vertreter für Flüchtlinge benennen zu können. Diana Sandler, Landesvorsitzende des Migrations- und Integrationsbeirates, bot an, dass die tschetschenischen Flüchtlinge sich in einem Verein organisieren. So könnten sie als Teil ihres landesweiten Netzwerkes zusätzlich Unterstützung bekommen.

Im Gespräch mit Mitgliedern des Wohnverbunds appellierte der Vorsitzende des Ältestenrates der Tschetschenen in Berlin und Brandenburg, Magomed Turaev, an seine Landsleute, bestehende Bestimmungen zu beachten. Zugleich wurde besprochen, bald Veranstaltungen zu organisieren, um so die tschetschenische Kultur besser zu vermitteln.“

Also Magomed Turaev, der Vorsitzende des Ältestenrats, rät nun seinen Landsleuten sich an „bestehende Bestimmungen“ zu halten. Und weil Magomeds Rat wahrscheinlich bei den Rheinsberger Tschetschenen etwas gilt, könnte jetzt wieder mehr Ruhe einkehren in der kleinen Stadt. Diejenigen, von denen die Beachtung bestehender Bestimmungen selbstverständlich erwartet wird, bekommen dafür die tschetschenische Kultur besser vermittelt. Damit es ruhig bleibt, sollten sie schließlich sensibel genug sein, die Tschetschenen nicht zu reizen. Man darf ja niemanden das Regelneinhalten unnötig erschweren. Und dann kann das neue Zusammenleben doch so schön sein.

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